Manchmal braucht es gar keine weite Reise. Das Horizonte Festival in Zingst reicht. Eine Woche lang Fotografie, Ausstellungen, Fotomarkt und sogar ein Workshop. Das Wetter war prima und so konnte ich die Tage am Strand auf dem Darß in vollen Zügen genießen.
Das Highlight sollte der dreitägige Workshop bei Robin Hinsch werden. Robin ist ja nicht irgendein Fotograf, sondern vermutlich DER Reportagefotograf schlechthin. Bekannt geworden ist er vor allem durch seine Arbeiten zum Maidan in Kiew, hat schon früh internationale Aufmerksamkeit und Auszeichnungen erhalten, unter anderem den International Photography Award. Seine Themen kreisen oft um soziale und politische Konflikte, umgesetzt mit einer Bildsprache, die gleichzeitig nah dran und formal sehr klar ist.





Im Kern sollte es im Workshop es um eine einfache, ziemlich unbequeme Frage gehen: Wie entwickle ich eigentlich ein fotografisches Thema – und erzähle es als Serie?
Zingst selbst kann dabei bewusst ganz unspektakulär sein. Keine großen Geschichten, keine offensichtlichen Motive. Genau deshalb wurde es spannend. Es ging darum, sich auf das einzulassen, was da ist: Menschen im Urlaub, Einheimische, Routinen, Orte, an denen man sonst einfach vorbeigeht.
Ich habe meine kleine Reportage im örtlichen Supermarkt umgesetzt. Alltag, kurze Begegnungen, nichts Besonderes – und genau darin sollte das Potenzial liegen. Ein anderer Teilnehmer war auf dem Campingplatz unterwegs. Unterschiedliche Orte, gleicher Ansatz: hinschauen, dranbleiben, ein Thema entwickeln. Weg vom Einzelbild, hin zur Geschichte. Welche Bilder brauche ich wirklich? Was trägt die Serie? Was kann weg? Diese Fragen waren ständig präsent – genauso wie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Blick: ruhig oder laut, distanziert oder nah, beobachtend oder inszenierend.
Für mich unheimlich herausfordernd, bin ich ja doch vielmehr in den Landschaften unterwegs, um ein „schönes“ Bild zu machen. Eine Reportage ist da etwas ganz anderes, etwas, das ich lernen musste, lernen wollte.
Der Ablauf war dabei ziemlich direkt: Robin gibt uns eine kurze Einführung, zeigt beeindruckende Beispiele seiner Reportagen. Dann legen wir unsere Themen fest, gehen raus, fotografieren, zwischendurch gibt es Feedback, dann arbeiten wir arbeiten.
Am dritten Tag reichen wir die Bilder ein und Robin baut daraus eine Strecke. Er macht das auf seinem Rechner. Und er wird uns die Reihenfolgen senden, zusammen mit den Seminarunterlagen.
Es war wunderbar, ich habe viel gelernt. Und es hat Spaß gemacht. Doch leider haben wir von Robin nie wieder etwas gehört. So habe ich keine Unterlagen vom Seminar, noch kenne ich die Reihenfolge und/oder Auswahl meiner Bilder. Aber geblieben ist die Erkenntnis, dass die besseren Geschichten oft genau dort liegen, wo man eigentlich nichts erwartet.







