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Auf den Lofoten – oder wo die Berge direkt ins Meer eintauchen

Wer die Lofoten nicht kennt und auch nicht weiß, dass sie im hohen Norden von Norwegen zu suchen sind, der denkt erst einmal an die Karibik.

So zumindest die Reaktion in meinem Freundeskreis, als ich im mich im Sommer entschieden habe, „auf“ die Lofoten zu fahren. Unter Fotografen ist das Reiseziel sehr beliebt, tatsächlich nicht zuletzt wegen den karibisch anmutenden Stränden – und damit haben „die Ahnungslosen“ nämlich doch ein bisschen recht behalten.

Hamnoy - das wohl meisten fotografierte Motiv Norwegens
Hamnoy – das wohl meisten fotografierte Motiv Norwegens

Ein Blick auf die Karte von Norwegen verrät im obersten Drittel, also schon nördlich des Polarkreises, eine fast 200 km lange Inselkette, die direkt in den Atlantik herausragt. Alle Inseln zusammen, etwa 80 an der Zahl, sind also die Lofoten. Fast alle Inseln sind verbunden mit Brücken und Tunnels, so dass mit einem Mietwagen beinahe der ganze Archipel einfach bereist werden kann.

Ich hatte davon gehört, dass man sich die Lofoten quasi so vorstellen muss, wie eine Alpenkette, die direkt ins Wasser gestellt wurde. An den Küsten befänden sich wunderbare Sandstrände und das Wasser würde Türkis leuchten, womit wir wieder in der Karibik wären. Schuld daran sei auch der Golfstrom, der sich auch für das äußerst milde Klima verantwortlich zeige, schließlich seien die Lofoten ja auch weit oben im hohen Norden. Ständige Wetterwechsel seien damit vorporgrammiert, aber auch fantastische Szenarien für den Naturliebhaber im Allgemeine und den Naturfotografen im Besonderen. Fantastische Aussichten soweit.

Karibische Farben am Haukland Beach
Karibische Farben am Haukland Beach

Meine Planung habe ich auf den ausgehenden August gelegt, wohlwissend, dass ich damit weder die langen Midsommernächte erwischen werde und die Chancen auf Polarlichter ebenfalls noch gering sind – schließlich ist die Saison ab September zu erwarten. Um es vorweg zu nehmen, ich hatte unglaubliches Pech, denn bis unmittelbar vor meiner Anreise hielt der Jahrhundertsommer 2018 auch auf den Lofoten an, bis zu meiner Abreise hat es beinahe ununterbrochen geregnet und wenn es trocken war, dann haben sich die Polarlicher unter einer dicken Wolkendecke versteckt gehalten. (Selbstredend, dass es nach meiner Abreise wieder schön geworden ist.)

Am 17. August fliege ich via Oslo nach Harstad/Narvik (Evenes), die vermutlich beste Gelegenheit auf dem Luftweg auf die Lofoten zu kommen. Die Alternativen würden aus den Flughäfen Kiruna (Schweden, günstige Mietwagenleihe), Bodo (Fähranreise auf die Lofoten) und Tromso (längere Anfahrt mit dem Auto) bestehen. Da ich nur eine Woche unterwegs bin, ist mir die Nähe zu den Lofoten besonders wichtig.

Direkt im kleinen Flughafen Harstad/Narvik gibt es mehrere Mietwagenstationen, an denen man den Wagen unkompliziert abholen kann. Spätestens an dieser Stelle muss man über die hohen Kosten in Norwegen sprechen. Besonders beim Mietwagen (430€/Woche) und beim Sprit (1,80€/l Benzin) fällt dies ins Gewicht. Auch Übernachtungen (einfaches Guesthouse 100€ DZ zur Einzelnutzung / 120€ Einzelzimmer am Flughafen / 50€ Bett im Hostel / 60€ einfaches Bungalow auf dem Campingplatz) schlagen zu Buche, ebenso wie erhöhte Lebensmittelpreise (ich würde auf +20% tippen) und natürlich ganz zu schweigen vom Bier in der Kneipe (12-15 Euro).

Sobald ich im Wagen sitze und die ersten Kilometer durch Norwegen fahre, sind die Kosten schon vergessen. Ist es das besondere Licht? Ist es die karge Vegetation oder einfach „nur“ die Vorfreude auf die Lofoten?

Der Flughafen ist nämlich noch ein Stück von den Lofoten entfernt und da es schon früher Abend ist, habe ich auf einem Campingplatz ein Bungalow gemietet, von wo aus ich eine erste, kurze Wanderung machen kann. Vom Flughafen aus sind es etwa 45 Minuten bis zum Tjeldsundbrua Campingplatz, benannt nach der an die Golden Gate Bridge erinnernden Brücke über den Tjeldsund. Dort befinden sich kleine Container, die dem Reisenden ein Bett, eine Kochnische und eine Waschgelegenheit bieten. Zelten ist natürlich auch möglich. Es ist alles sehr einfach und funktional, aber für meine Bedürfnisse an diesem ersten Abend völlig ausreichend. Nach dem schnellen Check In wandere ich den kurzen Walk zum Kvitnesvetten.

Die Aussicht vom Kvitnesvetten, rechts im Hintergrund die Tjeldsund Brücke und davor die Campinganlage.
Die Aussicht vom Kvitnesvetten, rechts im Hintergrund die Tjeldsund Brücke und davor die Campinganlage.

Dort, wo kurz sich vor der Brücke ein Hotel und eine Raststätte befindet, beginnt der etwa drei Kilometer lange Hike zum Kvitnesvetten, einer Bergkuppel, von der man einen grandiosen Ausblick auf den Atlantik hat. Der Weg ist moderat und gut gekennzeichnet und in der knappen Stunde Aufstieg habe ich nicht eine Person getroffen, die so schöne Einsamkeit von Norwegen hat für mich bereits begonnen.

Was ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wissen kann, dass es eigentlich der schönste Abend ist – was die Farben am Himmel und den Sonnenuntergang betrifft, denn ganz vereinzelt blinzelt heute zumindest kurz die Sonne zwischen den Wolken hervor. Der Großteil der kommenden Abende (und Tage) ist verregnet. Und daher weder zum Wandern noch zum Fotografieren sonderlich gut geeignet.

Eigentlich nicht nur der erste, sondern auch der letzte stimmungsvolle Abend ...
Eigentlich nicht nur der erste, sondern auch der letzte stimmungsvolle Abend …

Bis zur Südspitze der Lofoten sind es auf der Panoramastraße E10 noch 270 Kilometer, eine Strecke, die ich in mehrere Etappen aufteilen werde. Es handelt sich um eine Landstraße, auf der teilweise nicht wenig Verkehr herrscht und es sich gleichzeitig gebietet, das Tempolimit stark einzuhalten. Schnell voran kommt man auf den Lofoten als nicht und so breche ich an meinem zweiten Tag früh auf, mit dem Ziel, Ballstad zu erreichen.

Die Straße E10 ist das eigentliche Highlight der Lofoten, um ganz ehrlich zu sein. Und es macht durchaus Sinn, sie von Nordosten nach Südwesten zu fahren. Denn mit jedem Kilometer wird die Landschaft noch ein Stückchen bizarrer. Die Strecke wechselt zwischen einer reinen Küstenstraße, einer Passstraße, den beeindruckenden Tunneln (das kann man schwer beschreiben, die muss man einfach einmal durchfahren haben). Als die ersten Wasserfälle erscheinen, strecke ich mich ganz entzückt aus dem fahrenden Auto, derselbe Wasserfall 50 Kilometer würde mir nicht mal mehr ein Achselzucken entlocken – so dramatisch verstärken sich die Naturwunder zwischen herrlichen Stränden und steil aufsteigenden Bergen.

Neben den klassischen Reiseführern habe ich zwei Fotoguides aus dem Internet geladen (siehe am Ende des Artikels), ganz besonders für die E10 kann ich aber diesen praktischen Blogbeitrag empfehlen. Die Autoren beschreiben die E10 und zeigen die besten Fotospots direkt am Straßenrand. Und genauso lassen sich auch die vielen Kilometer bis Ballstad für mich perfekt überbrücken. Dazu gehört ein Stop in Henningsvær, dem „Venedig des Nordens“ – prominent vor allem durch den bekanntesten Fußballplatz der Welt – auf Instagram. Oder eben einen Lebensmitteleinkauf in Svolvær, der Hauptstadt der Lofoten. Einkaufen will gut geplant sein, denn erstens sind Supermärkte rar und zweitens sind die wenigen kleinen Einkaufsgelegenheiten horrend teuer – und das im Vergleich zu den „normalen“ Supermärkten. Und so ist der REMA 1000 in Svolvær die Empfehlung schlechthin für alle Individualreisenden auf den Lofoten.

In Ballstad steuere ich das Lofoten Vandrerhjem an, eine Mischung aus Jugendherberge und Hostel. Die Zimmer verteilen sich auf ein Haupthaus und einige farbenfrohe Rorbuer. Rorbu ist die norwegische Bezeichnung für eine Fischerhütte und neben den überall herumhängenden Stockfischen quasi das Wahrzeichen der Lofoten. Die Rorbuer sind zweckmäßig, aber sehr gemütlich ausgebaut und so fühle ich mich hier für mehrere Nächte sehr wohl und nutze Ballstad als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung und damit in die „mittleren Lofoten“.

Die Rorbuer des Lofoten Vandrerhjem in Ballstad
Die Rorbuer des Lofoten Vandrerhjem in Ballstad

Ballstad selbst ist schon eine Reise wert. Auf verschiedenen kleinen Halbinseln verteilt sich die Gemeinde und quasi aus jeder Perspektive bietet sich ein schöner Blick auf das Fischerdorf. Ganz besonders empfehlenswert ist ein kleiner, aber durchaus anstrengender Hike auf die Hügel über Ballstad. Der Track beginnt in Kraemmervika, ist nicht ausgeschildert, aber einfach zu finden (durch die Fischtrocknungsanlagen und dann immer nach oben) und man wird mit einer großartigen Aussicht belohnt.

Aufstieg auf die Berge über Ballstad
Aufstieg auf die Berge über Ballstad

Von Ballstad aus erkundige ich Vestvågøy, aber auch die westlich gelegene Insel Flakstadøy ist nur eine kurze Autofahrt entfernt. Hier lohnt ein Abstecher nach Nusfjord, quasi das Freilichtmuseum der Lofoten. Das wirklich schöne Dorf liegt eingerahmt am Ende eines Tals und besteht aus unzähligen kleinen roten und orangenen Fischerhütten. An manchen Tagen muss man für den Eintritt in das Dorf einen kleinen Obulus entrichten, Mitte August bin ich allerdings schon in der Nachsaison und neben mir sind nur wenige Besucher im Ort. Empfehlenswert ist der Besuch des kleinen Cafés, in dem es herrliche Zimtschnecken gibt, allerdings ist dies kein Geheimtipp, sondern in jedem Reiseführer zu finden. Das tut dem Genuss jedoch keinen Abbruch und jeder Besucher sollte dies mit folgendem Tipp verbinden: Rechts vom Café etwas weiterlaufen und dem Weg folgen und endlich findet man den perfekten Spot für das Njusford Panorama. Steht in keinem der Fotoguides, entsprechend alleine stehe ich dort. Aber auch ein Spaziergang durch den kleinen Hafen von Njusford unternehme ich noch und freue mich über die schöne Atmosphäre – es ist ja wie gesagt schon Nebensaison.

Im Hafen von Njusford
Im Hafen von Njusford

Auf Vestvågøy sind der Haukland Beach und der Uttakleiv Beach zwei Sehenswürdigkeiten, die kein Lofotenreisender verpassen darf. Wanderfreunde verbinden dies mit einem Anstieg auf den Ryten – leider ist die Wetterprognose für mich so schlecht, dass es nur für einen Spaziergang an den beiden Stränden reicht. Der Haukland Beach gilt als der wohl karibischste Strand der Lofoten. Der Sand ist unglaublich fein und das Wasser so unglaublich grün, dass es mir die Sprache verschlägt. Von hier aus führt die schmale Straße durch einen einspurigen Tunnel (direkt vor dem Tunneleingang beginnt die Wanderung auf den Ryten) und endet dann in Uttakleiv. Nun, die Times hat den Uttakleiv Beach 2005 zum schönsten Strand Europas gewählt – eine Auszeichnung, die sicherlich viele Strände verdienen. Aber auch mir verschlägt es die Sprache und so nutze ich die Zeit zwischen zwei Wolkenbrüchen für eine ausführliche Wanderung und experimentiere mit Langzeitbelichtungen – nicht ohne die ikonische Bergkette im Hintergrund zu vergessen, auch wenn sie heute im Wolkenmeer versinkt.

Langzeitbelichtung am Uttakleiv Beach
Langzeitbelichtung am Uttakleiv Beach

Nach den Tagen in Ballstad zieht es mich weiter in Richtung Westen. Und was zu Beginn schon so war, setzt sich fort. Je weiter ich auf den Lofoten „raus in den Atlantik“ fahre, desto bizarrer wird die Landschaft und desto krasser wechseln sich Küste und Berge ab. Schließlich führt mich die E10 auf die äußerste Insel, die mit dem Festland verbunden ist, nach Moskenesøy. Der Hauptort ist Reine und hier habe ich für drei Nächte ein Zimmer gebucht. Meine Unterkunft ist das Gjestehus ‚det gamle Hotellet‘, das im Zentrum von Reine liegt, direkt neben einer Bäckerei, in der man hervorragend frühstücken kann. Hier am Hauptplatz von Reine befindet sich auch ein kleiner Supermarkt, ein paar Restaurants und auch zum Fähranleger ist es nicht weit. Das Gjestehus kann ich wärmstens empfehlen, sehr schön eingerichtete Zimmer, ein Haus ganz im norwegischen Style und sehr nette und mit Tipps nicht geizige Gastgeber machen mir den Aufenthalt sehr angenehm.

Reine in der Dämmerung.
Reine in der Dämmerung.

Reine nutze ich als Basecamp für verschiedene Ausflüge – der weltbekannte Reinebringen, der Hausberg von Reine, ist zur Zeit geschlossen. Das ständige Regnen hält glücklicherweise auch alle Touristen davon ab, den gesperrten Aufstieg dennoch zu wagen um die berüchtigten Insta Shots über den Reinefjorden zu posten.

Stattdessen fahre ich nach Ramberg um die wunderschönen Strände zu genießen und von dort weiter nach Fredvang. Hinter dieser Ortschaft befindet sich ein Parkplatz (nicht der Erste, sondern der Zweite!), der als Startpunkt einer etwa eineinhalbstündigen Wanderung zum Kvavilka Beach bildet. Dieser Hike wird zur Zeit ausgebaut, d.h. der komplette Weg wird mit Holzboliden ausgestattet. Das macht das Vorankommen deutlich leichter, aber natürlich wird es deutlich mehr Wanderer anziehen. Zum Zeitpunkt meines Ausflugs zum Kvavilka Beach sind etwa die ersten zwanzig Minuten des Anstiegs sehr gut ausgebaut, danach wate ich durch feuchten Moosboden – gute Wanderschuhe sind hier unerlässlich. Etwa 200 Höhenmeter gilt es zu überbrücken, bevor von einem Sattel das erste Mal der Strand sichtbar wird. Je weiter man wieder absteigt, desto größer werden die Dimensionen. Insgesamt dauert der Weg etwa eineinhalb Stunden.

Kvavilka Beach
Kvavilka Beach

Dieser Strand ist ein tolles Beispiel für die beeindruckenden Naturgewalten Norwegens. Es ist kalt, es ist rauh und es ist feucht. Und gerade deswegen bin ich überwältigt und glücklich an diesem Strand – ein Gefühl, das alle Fans vom Norden kennen und viele Sonnenanbeter aus dem Süden nicht nachvollziehen können. Mit etwas Proviant und einem kleinen IPA beobachte ich dieses Szenario in aller Seelenruhe von einer Anhöhe aus. Dieser Moment mit diesem Gefühl habe ich als das absolute Highlight meiner Reise in Erinnerung. Ein Glücksmoment inmitten dieser irren Landschaft, kurz bevor der Regen beginnt. Zwei Stunden später bin ich zurück am Auto – völlig durchnässt, denn natürlich hat mich auf dem Rückweg die Urgewalt des Atlantik-Unwetters heimgesucht.

Von Reine aus bietet sich auch der Ausflug in die südlichste Siedlung der Lofoten an – zumindest die südlichste, die mit dem Auto erreichbar ist. In „Å i Lofoten“ – oder einfach nur Å – endet die E10 und natürlich wird dieses Schild des Ortes mit dem kürzesten Namen der Welt ständig geklaut. Auch hier bieten sich wieder unzählige schöne Aussichten auf die norwegische Fischerdorfromantik. Å zählt aber auf der anderen Seite auch zu den touristischeren Orten der Lofoten. Hier häufen sich Wohnmobile und Autos und vermehrt auch Reisebusse mit Asiaten, die sich tatsächlich am stärksten für dieses besagte Ortsschild interessieren. Auch in der Nebensaison.

Å i Lofoten
Å i Lofoten

Aber zurück nach Reine. Die Gemeinde selbst mit ihren anliegenden Siedlungen bietet unzählige Fotomotive, wie die Rorbuer von Hamnoy oder die orangenen Hütten von Sakriskoy (Tipps zum Beispiel hier). Bei verschiedensten Wetterbedingungen nutze ich die Locations, denn man kommt eigentlich immer wieder an den wichtigsten Spots vorbei, auf dem Rückweg aus Å oder von einem der anderen Ausflüge. Und gerade Hamnoy als zweifelsfrei DAS Topmotiv Norwegens begeistert immer wieder.

Wer die Location aber einmal gesehen hat, der weiß auch, dass der Zauber, der dieser Ansicht inne wohnt, gar nicht so groß ist. Schließlich steht der Tourist direkt auf einer Brücke und schießt von dort seine Aufnahme, während im Rücken die Autos vorbei fahren (Parken kann man direkt vor der Brücke).

Hamnoy - direkt von der Straßenbrücke aus fotografiert.
Hamnoy – direkt von der Straßenbrücke aus fotografiert.

Ein weiteres Highlight ist der Tagesausflug zum Bunes Beach. Dieser Strand ist nur mit der Fähre von Reine aus zu erreichen. Wichtig hierbei ist, dass man frühzeitig an der Fährstelle wartet, denn Tickets vorab kaufen ist nicht möglich und wenn der Andrang zu groß sein sollte, dann können auch nur die Ersten mitfahren. Die Fahrt zum Anleger von Vinstad ist schon alleine die Reise wert – von hier aus muss man etwa eine Stunde zum wirklich wunderschönen Strand rechnen – ein Pass-Sattel von etwa 100 Meter Höhe muss dabei überwunden werden, es handelt sich aber um eine angenehme und kurzweilige Wanderung.

Angekommen am Strand erscheint dieser ersteinmal nur mäßig groß. Die Verhältnisse täuschen allerdings und wie schon am Kvavilka Beach erkenne ich erst bei der Umrundung des kompletten Areals wie mächtig und beeindruckend die Natur hier ist. Sehen die kleinen Fleckchen von oben aus wie Kieselsteine, entpuppen sich dieselbigen „unten“ als gewaltige Felsbrocken. Ich verbringe etwa eine Stunde hier und genieße die großartige Szenerie – wieder einmal fast ganz alleine.

Blick auf den Bunes Beach. Die Größenverhältnisse sind gewaltig. Eine Umrundung des kompletten Sandareals dauert etwa eine Stunde.
Blick auf den Bunes Beach. Die Größenverhältnisse sind gewaltig. Eine Umrundung des kompletten Sandareals dauert etwa eine Stunde.

Diese Tour kann wunderbar mit einem Ausflug auf den Helvetestinden kombiniert werden. Von der oben erwähnten Passhöhe zweigt rechts ein steiler Pfad ab, der schließlich bis auf den 602 Meter hohen Gipfel führt. Der Ausblick auf den Bunes Beach zum Einen, aber auch rückwärtig auf den Reinefjorden ist grandios und bildet einen fantastischen Abschluss einer landschaftlich spektakulären Woche auf den Lofoten. Diese Wanderung ist mittelschwer – witterungsbedingt hatte ich mit glitschigen Steinen, aber auch mit heftigen Winden zu kämpfen, die auf den ausgesetzten Gipfeln durchaus angsteinflößend sein können. Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

Blick auf den Bunes Beach vom Helvetestinden aus
Blick auf den Bunes Beach vom Helvetestinden aus

An meinem letzten Abend besuche ich das erste Mal in Norwegen ein Restaurant – oder in diesem Fall eher einen Pub. Das Vertshuset Lanternen in Reine ist eine wirklich nette Lokalität, ob das Bier bei den Preisen noch schmeckt, muss jeder für sich selbst entscheiden, für mich war es die Belohnung für die lange Wanderung auf den Helvestinden.

Und schließlich kündigte sich dann noch der perfekte Abschluss an. Mein Gastgeber informierte mich, dass in der kommenden Nacht die ersten Polarlichter des ausgehenden Sommers zu sehen sein könnten. Die entsprechenden Apps würden die große Chance ankündigen und sofern auch die Wolkendecke sich öffne, würde ich Polarlichter sehen. Nun geht Mitte/Ende August die Sonne noch immer relativ spät unter und so richtig dunkel wird es Nachts auch noch nicht wirklich. Und so warte ich bis 1 Uhr nachts, bevor ich mich in den Regen nach draußen begebe – direkt hinter dem Gjestehus befindet sich ein guter Spot, den ich bereits vor Tagen einmal ausgelotet habe. Doch es bleibt dabei, die Wolkendecke öffnet sich nicht und durchnässt und frustriert begebe ich mich zurück in mein Zimmer. Ich werde in den Wintermonaten wieder kommen müssen, soviel steht schon einmal fest!

Den Weg von Reine zurück zum Airport fahre ich am Folgetag am Stück und es reicht sogar noch für einen Ausflug nach Harstad auf der Insel Hinnoya. Dort befindet sich mit der Kirche von Trondenes die nördlichste mittelalterliche Steinkirche der Welt. So richtig will mich dieser Ausflug aber nicht überzeugen, ebenso wenig wie das Flughafen Hotel Sure Hotel by Best Western in fußläufiger Entfernung zum Airport, das nur deswegen „passt“, weil mein Flieger schon frühmorgens zurück geht.

Das Fazit dieser einen Woche auf den Lofoten: Für mich ist es das landschaftliche beeindruckendste Fleckchen Erde, das ich bisher gesehen habe. Richtig schlechtes Wetter – und das sieht man den Fotos nur deshalb nicht an, weil ich die Kamera immer dann verzweifelt gezückt habe, wenn es einmal NICHT geregnet hat – war frustrierend, aber konnte meinen Eindruck nicht beeinträchtigen. Ich werde zurück kommen, wenn die Dämmerungsphasen länger, die Berge mit Schnee bedeckt und die Chancen auf Polarlichter deutlich besser sind. In den Wintermonaten. Bei hoffentlich angenehmerem Wetter.

Küste bei Vareid, Flakstadøya
Küste bei Vareid, Flakstadøya

Tipps:

  • Die norwegische Fluggesellschaft Wideroe bittet in den Sommermonaten eine Art Interrail für Flugreisende an. Für wenige hundert Euro kann man in den Postflugzeugen zusteigen und so auch die kleineren, wenig gut erreichbaren Bereiche um die Lofoten, aber auch in weiteren spannenden Gegenden Norwegens, kennenlernen. Der Zubringerflug von Deutschland aus ist unter Umständen schon enthalten: Norway Explorer Ticket.
  • Im August 2018 ist ein spannender Lofoten Fotoführer erschienen. Ich habe ihn damals nicht dabei gehabt, weil er noch nicht erhältlich war, ich habe ihn inzwischen jedoch ausgeliehen und kann ihn wärmstens empfehlen: Lofoten fotografieren (Affiliate).
  • Zwei eBooks kann ich allen Fotobegeisterten ebenfalls empfehlen. Es sind dabei jeweils ein paar Euro fällig, die aber sehr gut investiert sind. Durch diese Literatur bin ich unter anderem auf den Bunes Beach aufmerksam geworden. Es handelt sich um Seasons on Lofoten von Cody Duncan (hier gibt es mehrere Ausgaben für verschiedene Jahreszeiten) und Lofoten Islands: Photo and Travel Guide von Marat Stepanoff.
  • Die klassischen Norwegen Reiseführer halte ich für ungeeignet. Dabei kommen die Lofoten zu kurz. Ich bin mit dem Lofoten Reiseführer (Affiliate) von Michael Möbius gereist und durchaus zufrieden gewesen.

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