Die neue Fujifilm X-T5 im Test. Die perfekte Reisekamera?

Im November 2022 wurde die Fujifilm X-T5 angekündigt. Sie ist die neueste Auflage der X-T Erfolgsreihe, die beinahe ihren neunjährigen Geburtstag feiern darf. Die erste Variante, die X-T1, kam nämlich Anfang 2014 auf den Markt. Ich hatte mich sehr auf die neueste Version gefreut, da ich im Laufe der Jahre alle vier Vorversionen selbst besessen hatte und sie mich auf Reisen quer über alle Kontinente begleitet hatten. Daher war klar, dass ich mir die X-T5 genau anschauen würde. Fujifilm hat mir dankenswerterweise ein Exemplar zur Verfügung gestellt und ich freue mich, dass ich Euch meinen Eindruck wiedergeben kann.

#Transparenz und die Fujifilm X-T5

Wie immer möchte ich an dieser Stelle noch einmal explizit darauf hinweisen, wenn mir ein Hersteller etwas zur Verfügung stellt. Und wie immer fließt weder Geld, noch hat mir jemand vorgeschrieben, was ich zu sagen und zu schreiben habe. Damit ist es keine bezahlte Werbung, auch wenn ich mich zur Fujifilm X-T5 äußere und mir diese kostenlos und ohne Entgelt zur Verfügung gestellt wurde.

Ich wollte die X-T5 auch nicht einfach „nur so“ testen, weil ich die Vorgängermodelle alle besessen habe und daher mit einer guten Grundeinstellung in einen Fujifilm-Erfahrungsbericht gehe. Vielmehr ist dieser Test für mich persönlich ein echter Reality Check. Im kommenden Jahr werde ich nämlich für mehrere Monate fotografisch so stark gefordert sein wie bisher noch nie zuvor. Ich werde eine berufliche Auszeit nehmen und drei Monate reisen gehen. Bis dahin stellt sich mir ganz konkret die Frage, welches Kamerasystem ich mitnehmen werde. Glaubt mir, darüber habe ich mir schon eine ganze Menge Gedanken gemacht (und diese auch vor ein paar Tagen in einem eigenen Blogbeitrag niedergeschrieben).

Warum ich die Fujifilm X-T5 überhaupt in Betracht ziehe

Ja, Ihr habt richtig gelesen. Obwohl ich die Fujifilm X-T5 noch gar nicht in den Händen hielt, dachte ich schon über sie als meine neue (Reise-) Kamera nach. Der Grund liegt darin, dass mich die Modelle X-T1, X-T2 und X-T3 wirklich begeisterten. Ich hatte sie in vielen Ländern dabei und von 2015 bis 2021 mit den unterschiedlichsten Objektiven im Einsatz. Bis ich damals ein Upgrade auf die X-T4 durchführte. Der erstmals leicht veränderte Formfaktor und das schwenkbare Videodisplay haben mich von der X-T Serie abgebracht. Irgendwie war die Magie damit abhanden gekommen. Schwer zu glauben, aber so war das damals.

Schon nach wenigen Wochen hatte ich mich von der X-T4 wieder getrennt. Ich hatte sie im blauen Fotoforum gegen die X-Pro3 eingetauscht. Also gegen eine Kamera, die sich technisch tatsächlich auf dem Stand der X-T3 befindet, quasi eingetauscht gegen ein Vorgängermodell in einem anderen Gehäuse, zudem noch ohne Bildstabilisator. Und seitdem habe ich die X-Ts immer ein bisschen vermisst, so wie man eben lieb gewonnene und treue Begleiter vermisst, wenn sie von heute auf morgen weg sind. (Nicht, dass ich die Fuji X-Pro 3 nicht wirklich gerne genutzt habe, aber für mich war sie letztlich eher die Rangefinder/Messsucherlook-Verführung, die in mir noch mehr Lust auf eine Leica M auslöste.)

Die perfekte Reisekamera? Die Fujifilm X-T5.

Im Herbst 2022 tauchten sie schließlich auf. Die Gerüchte, dass die neue Fujifilm X-T5 den alten Formfaktor wieder gewänne, also die Anmutung der Modelle X-T1, X-T2 und X-T3. Ausgestattet mit einem Bildstabilisator, einem verbesserten Autofokus, dem leistungsfähigeren Akku und einem 40 Megapixel Sensor. Könnte diese Fujifilm X-T5 nicht die Kamera für eine Weltreise sein? So rein theoretisch?

Nun, Fujifilm Deutschland hat mir die X-T5 für drei Wochen zur Verfügung gestellt. Ich hatte also ausreichend Zeit, die Kamera einem echten Praxistest unterziehen zu können. Mit der ganz konkreten Fragestellung, ob sie die perfekte Kamera für meine Reisen werden könnte. Lest im Folgenden meinen Eindruck zur X-T5.

Rein äußerlich

Ich beginne mit dem Formfaktor. Wer die X-T3 und ihre Vorgänger kennt, wird mit der X-T5 sofort klar kommen. Im Großen und Ganzen ist es die Kamera, die ich gewohnt bin. Ich finde alle Knöpfe dort, wo ich sie erwarte, eigentlich wurde die X-T5 „nur“ verbessert. Die Druckpunkte sind hie und da etwas anders, die Rädchen drehen sich nicht mehr ganz so leicht. Also Kleinigkeiten, die mir schon wenige Tage nach der ersten Verwendung nicht mehr auffallen. Die Haptik ist einwandfrei, ich nehme die Kamera gerne in die Hand und freue mich über die wirklich hochwertige Verarbeitung. Damit kann ich ohne Bedenken in die Tropen, oder ins Gebirge. Oder. Oder.

Gegenüber dem direkten Vorgänger fällt vor allem die Kompaktheit auf, die X-T4 war einfach etwas breiter. Aber auch optisch fand ich die vierte Generation etwas gedrungener, etwas weniger schön. Fujifilm hat die X-T5 also auch vom Aussehen her verbessert. Und zu guter letzt ist die Neuerscheinung auch etwas leichter als ihr Vorgänger. Unterm Strich wurde die Kamera in allen Bereichen äußerlich verbessert, was ich wirklich sehr gelungen finde.

Landungsbrücken (Fuji X-T5 mit Voigtländer Apo Skopar 90mm F2.8)
Landungsbrücken (Fuji X-T5 mit Voigtländer Apo Skopar 90mm F2.8)

Und dann wäre da natürlich noch die Sache mit dem Klappdisplay, das die X-T5 mitbringt. Endlich ist das unsägliche Schwenkdisplay nicht mehr in der X-T Serie verbaut. Das hatte mich wirklich genervt, mir ist immer der Kameragurt im Weg gewesen, wenn ich das Display genutzt hatte. Schwenkdisplays mögen ja für Videograf:innen durchaus sinnvoll sein, nicht aber für die Fotografie. Und damit ist eigentlich auch die Ausrichtung dieser Kamera schon vorgegeben. Stärker als in der Vergangenheit richtet sich die Fuji X-T Serie nun an die Fotograf:innen. Das Klappdisplay kann horizontal als auch vertikal ausgeklappt werden und schmiegt sich schön unauffällig an den Kamerabody. Damit bin ich wirklich happy.

Und drinnen?

Die wichtigste Komponente im Innenleben der Kamera ist natürlich der neue 40 Megapixel Sensor. Solch eine Auflösung war bislang den Kleinbildsensoren vorbehalten, bis Fuji mit in diesem Sommer mit der X-H2 Neuland betrat. Klar, dass sofort Aufschreie durch die Fotoszene gingen. Wer brauche schon 40 Megapixel? Das würde ja nur Rauschen? Und die alten Objektive wären dann nicht mehr nutzbar?

Um es kurz zu machen: 40 Megapixel braucht man nicht, man hat sie. Schaut Euch mein Gargamelbeispiel unten an. Und die Bedenken rund um Rauschen und den alten Objektiven kann ich weitestgehend widerlegen.

Denn erstens habe ich wirklich keine Einschränkungen bezüglich des Rauschverhaltens feststellen können. Wenn sich mehr Pixel auf einem gleich großen Sensor tummeln, dann liegt der Verdacht nahe, dass die Bildqualität darunter leiden könnte. Das ist nach meinen Tests erstaunlicherweise aber nicht der Fall. Das Rauschen tritt nicht früher ein als beim 26 Megapixel Sensor. Zumindest fällt mir das nicht auf.

Und zweitens dachte auch ich natürlich an meine älteren Fuji-Objektive, die die 40 Megapixel eventuell nicht auflösen könnten. Auch hier kann ich Entwarnung melden, sowohl mein Fujinon XF 16mm F1.4 WR als auch mein Fujinon XF 23mm F1.4 R haben ohne jede (gefühlte) Einschränkung funktioniert. An Testtafeln hätten sie sicherlich den Kürzeren gezogen, aber in der Praxis sind damit auch die alten Objektive für mich am neuen Sensor nutzbar. Schaut Euch dazu gerne einmal meinen XF23mm F1.4 Test an, hier habe ich explizit einmal die alte Variante am 40 Megapixel Sensor abbilden lassen.

Elbphilharmonie vom Traditionshafen aus (Fuji X-T5 mit Fuji Xf 16mm F1.4)
Elbphilharmonie vom Traditionshafen aus (Fuji X-T5 mit dem alten Fuji XF 16mm F1.4-Objektiv.

Was hat sich noch geändert? Der bisherige Standard ISO-Wert von 160 liegt nun bei 125, was vor allem für Langzeitbelichtungen hilfreich ist. Umgekehrt lässt der elektronische Verschluss nun eine kürzeste Zeit von 1/180.000 Sekunde zu, das ist unfassbar wenig. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wofür ich das nutzen sollte.

Auch der überarbeitete Autofokus funktioniert noch einmal besser. Man kennt das ja als Fuji User:in. Gegenüber Sony, Nikon und Canon hinkt man schon immer hinterher. Mit jeder Evolutionsstufe wird Fuji besser, aber der Wettbewerb natürlich auch. Ich kann da nur teilweise mitreden, da ich häufig auch manuell fokussiere, nicht nur mit meiner Leica M oder meinen analogen Kameras, auch mit den Fujis. Nämlich immer dann, wenn ich adaptiere (und Du siehst an meinen Beispielbildern unten, dass ich das auch an der X-T5 häufig gemacht habe).

Ich kann Euch aber sagen, dass der Autofokus sowohl im Single- als auch im Continuous-Modus deutlich besser geworden ist. Ich habe das weder an fliegenden Vögeln, fahrenden Autos oder rennenden Hunden getestet. Dazu müsst Ihr mal im Internet recherchieren, das können andere besser! Der Ausschuss in der People- und Portraitfotografie wird damit noch einmal geringer, so viel besser ist der Autofokus geworden. Und – gefühlt – funktioniert der Autofokus auch bei den schon arrivierten Objektiven Fujinon XF 16mm F1.4 WR und XF 23mm F1.4 R deutlich schneller als noch bei der X-T4. Obwohl ich ein Autofokus-Muffel bin, auch das nehme ich natürlich sehr gerne mit.

Was ist mir noch aufgefallen?

Den Akku kennen wir schon aus der Fuji X-T4, aber der echte Unterschied zu den Vorgängermodellen ist mir erst jetzt bei der Fuji X-T5 aufgefallen. Anfangs hatte ich etwas Bedenken als in der Fuji Leihgabe kein Ersatzakku beilag. Aber ich bin auf meinen Fototouren nicht ein einziges Mal in eine missliche Lage gekommen – bezogen auf eine leere Batterie. An einem eiskalten Dezember-Sonntagmorgen war ich drei Stunden auf dem Fischmarkt unterwegs, insgesamt habe ich über 600 Bilder gemacht und der Akku war nach der Tour immer noch halbvoll. Und das trotz der eisigen Kälte. Ich kann also mit Recht und Fug dem Akku eine extrem hohe Leistungsfähigkeit attestieren. Auf einer Weltreise würden mir zwei Ersatzakkus locker ausreichen.

Leider legt Fujifilm auch dieser Kamera kein Ladegerät mehr bei. Bei einem Produkt in dieser Preisklasse sollte man das erwarten, doch leider gibt es nur ein USB-C Kabel mit einem entsprechenden Stecker. Damit kann der Akku in der Kamera geladen werden. Willst Du aber fotografieren, während der (Ersatz-) Akku lädt, brauchst Du definitiv ein Ladegerät. Und in das musst Du extra investieren. Für eine Reisekamera ein echter Schwachpunkt.

Der Sucher ist eine wahre Freude. Auf diesen EVF möchte ich nicht mehr verzichten, gerade wenn ich mit adaptieren Gläsern manuell fokussieren muss. Ich nutze ihn in Abwechslung mit dem Display über die automatische Sensorerkennung, die zuverlässig funktioniert. Nur bei der erwähnten Fischmarkttour beschlägt der Sucher und die Sensorerkennung verweigert vorübergehend ihren Dienst. Aber das ist vermutlich den extremen Temperaturen am frühen Wintermorgen zu schulden.

Am Fischmarkt (Fuji X-T5 mit Voigtländer Nokton 50mm F1.2)
An einem eiskalten Morgen am Fischmarkt-Anleger (Fuji X-T5 mit Voigtländer Nokton 50mm F1.2)

Ach ja, Filmen kann die Fujifilm X-T5 natürlich auch. Und dafür wird sie von vielen Videograf:innen in den höchsten Tönen gelobt. Ich muss zugeben, ich habe nicht eine Minute gefilmt und kann dazu nichts sagen. Die Specs klingen aber beeindruckend, wenngleich echte Filmer:innen vermutlich eher zur X-H2 oder zur X-H2s greifen würden. Diese Modelle bieten mehr Funktionen und alle benötigten Anschlüsse. Ich hingegen kenne mich mit dem Filmen zu wenig aus, um das zu beurteilen.

Die Sache mit dem Fuji Pixel Shift – wie es funktioniert

Die Fuji X-T5 verfügt auch über eine Pixel Shifting-Funktion, auf die ich sehr gespannt war. Bei einer derartigen Aufnahme entstehen bis zu 20 Rohdaten, in denen die Pixel jeweils minimal verschoben werden. Am Rechner (Fuji Pixel Shift Combiner Software) werden diese RAW Dateien (in meinem Beispiel jeweils 36,1 MB groß) zu einer gigantischen DNG Datei zusammengeführt, die immerhin stolze 560 MB mächtig ist. Die Abmessung eines solchen Megabildes beträgt gigantische 15.456 x 10.304 Pixel.

Mit meiner Gargamel Figur habe ich eine solche Testaufnahme gemacht. Ihr seht unten eine herkömmliche RAW Aufnahme (links) und den Output der Pixelshift Datei (rechts). Beide Aufnahmen sind bei Blende 2,8 und ISO 160 entstanden, jeweils mit dem XF 23mm F1.4 R LM WR.

Der Aufwand ist relativ groß, denn für das Pixel Shifting wird ein Stativ oder eine andere feste Unterlage benötigt. Die 20 RAWs müssen in die Software eingespielt werden, die Zusammenführung dauert mit einem Apple M1 Rechner eine knappe Minute und die anschließende Bearbeitung in Lightroom benötigt neuerlich deutlich länger als normal.

Links das normale RAW, rechts das durch Pixel Shift erzeugte DNG. Außer des leichten Anschnitts und der leichten Aufhellung im DNG sind keine Unterschiede zu erkennen.
Links das normale RAW, rechts das durch Pixel Shift erzeugte DNG. So richtig erkennt man die Unterschiede noch nicht. Aber es ist erstaunlich, wie weit die 40 Megapixel das Croppen im normalen RAW überhaupt zulassen.
Links das normale RAW, rechts das durch Pixel Shift erzeugte DNG. In der extremen Vergrößerung (329 x 219 Pixel) sieht man nun die Effekte des Pixel Shifts. Gargamels Augenbrauen sind deutlich besser aufgelöst.

Ihr seht das: der Unterschied ist erst in der extremen Detailansicht zu erkennen, so wie hier bei Gargamels Augenbraue, was ja einer x-fachen Vergrößerung des Gesamtbildes entspricht. Ein sehr spezieller Anwendungsfall, den ich für mich nicht sehe. Ich finde es anhand dieses Beispiels aber extrem beeindruckend, wie weit ich in eine 40 Megapixel Standard RAW überhaupt hinein zoomen kann, wieviel Möglichkeiten mir diese Kamera zum Croppen bietet. Vermutlich ist das Prinzip APS-C Sensor mit den 40 Megapixeln nun ausentwickelt, aber es ist schon erstaunlich, dass das überhaupt möglich ist. Fujifilm hat in diesem Punkt Maßstäbe gesetzt, auch ohne die Pixelshift-Funktion.

Und damit wäre auch der obige Punkt für mich geklärt, warum denn 40 Megapixel überhaupt relevant sein könnten. Ihr könnt jetzt croppen, bis der Arzt kommt. Und das kann ja schon mal hilfreich sein. Besucht mal Workshops von Street Fotograf:innen. Ich konnte gar nicht glauben, wieviel dort gecroppt wird …

Mein Fazit zur Fujifilm X-T5: Was mir gefällt.

Ich muss schon zugeben, die Fujifilm X-T5 ist in allen Belangen eine gelungene Weiterentwicklung ihrer Vorgängermodelle. Man könnte sagen, sie sei ein würdiger Nachfolger der mittlerweile über vier Jahre alten X-T3. Fuji hat auf seine Anwender gehört und das Feedback zu Formfaktor, Klappdisplay und der Anordnung der Räder und Buttons so umgesetzt.

Dass es keinen Batteriegriff mehr gibt? Egal. Dass es keinen Kopfhörerausgang gibt? Geschenkt. Kein PASM-Rad? Teil der Philosophie. Fujifilm rückt die X-T Serie damit mehr in Richtung der Fotograf:innen und etwas weg von den Videograf:innen. Letztere haben diesen Sommer die X-H2 Kameras bekommen.

Bismarckdenkmal am Seebuck, Schwarzwald (Fuji X-T5 mit Voigtländer Apo Skopar 90mm F2.8)
Bismarckdenkmal am Seebuck, Schwarzwald (Fuji X-T5 mit Voigtländer Apo Skopar 90mm F2.8)

Die Bildqualität ist auf höchstem Niveau, der neue Sensor schwächelt nicht angesichts der hohen Pixelanzahl, die 40 Megapixel bringen vielmehr einen echten Mehrwert. Wer mag, kann croppen, was das Zeug hält. Und der Dynamikumfang ist gefühlt noch eine Ecke besser als bei den Vorgängersensoren. Haptisch ist die Kamera bestens verarbeitet. Wer auf die analoge Bedienweise steht, kommt eigentlich nicht um die Fujifilm X-T5 herum. Das unterstreichen auch die genialen Filmsimulationen von Fuji. Ich fotografiere zwar grundsätzlich in RAW, nutze aber sehr häufig die Simulation Classic Chrome als Grundlage für meinen persönlichen Fuji Stil.

Mein Fazit zur Fujifilm X-T5: Und wo sind nun die Schwächen?

Was mir wirklich nicht gefällt, ist das fehlende Ladegerät. Gerade angesichts des Preises wäre das ein Muss. Vom Bedienungsumfang, von der Bildqualität und der Haptik habe ich aber nichts einzuwenden.

Bei der Kälte hat der Sucher gemeckert. Und die Speicherkarten haben immer mal wieder Lesefehler gemeldet. Ich hatte das bei meinen Fujis bisher noch nie. Entweder war es wirklich einfach zu kalt oder ich hatte mit meinem Modell einfach Pech. Schwamm drüber.

Am Fischmarkt (Fuji X-T5 mit XF 23mm F1.4 LM WR)
Am Fischmarkt (Fuji X-T5 mit XF 23mm F1.4 LM WR)

Die eigentlichen Schwächen betreffen eher die Fuji Kameras im Allgemeinen. Damit meine ich zum Beispiel die Menüs. Über die Jahre sind diese immer verschachtelter und unübersichtlicher geworden. Die Übersetzungen (auch in der englischen Variante!) sind teilweise so grottig, dass ich wirklich nicht verstehe, was mit den angezeigten Funktionen gemeint sein soll. Inzwischen ist es schon soweit, dass ich mich mit den Menüs kaum mehr beschäftige. Vielleicht habe ich deswegen auch keine Lust darauf, die Filmfunktionen auszuprobieren. Ich würde mir wirklich wünschen, wenn Fuji da mal ein paar Übersetzer und Usability-Experten ransetzen würde.

Auch die Remote App ist nach wie vor auf einem schwachen Niveau. Die Verbindung zwischen Kamera und Smartphone mag nur bei jedem zweiten Mal funktionieren. Es hakt und bricht immer wieder ab. Ehrlich Fuji, dieses Feedback bekommt Ihr seit Jahren von Euren Anwendern. Und bis heute ist die Lage nicht wirklich besser geworden. Beinahe alle Hersteller machen das deutlich besser. Wo ist das vielgelobte Kaizen-Prinzip nur bei der Remote App geblieben?

Der Blick nach links und rechts?

Noch einmal anders gedacht, gibt es vergleichbare Kameras, die doch noch irgendeinen Vorteil haben, den die X-T5 nicht mitbringt? Was spräche überhaupt für eine andere Kamera als die X-T5 als Reisekamera?

Hin und wieder war mir die X-T5 doch etwas zu auffällig. Wisst ihr, was ich meine? In der Street Fotografie zum Beispiel, dort wo es darauf ankommt, dass Du als Fotograf:in möglichst unauffällig bist, Dich quasi verstecken kannst. Hierfür würde ich die T-Serie eher nicht benutzten. Eine Rangefinder-Style Kamera wie die X-Pro 3 von Fujifilm oder eine X-E4 wäre irgendwie passender. Eine mögliche Fuji X-Pro 4, also mit IBIS, dem neuen Sensor und den weiteren Neuigkeiten der X-T5, wäre hierfür meine Wunschkandidatin.

Auf dem Fischmarkt (Fuji X-T5 mit XF 23mm F1.4 LM WR)
Die Street Fotografie lebt auch von der Unauffälligkeit des genutzten Systems. Hier auf dem Fischmarkt (Fuji X-T5 mit XF 23mm F1.4 LM WR)

Vermutlich würde ich in solchen Situationen auch eher die kleinen Fujicron Objektive nutzen. Denn die neuen 1.4-Varianten von Fujifilm sind doch ganz schön groß geworden. Schaut Euch die Kombination Fujifilm X-T5 mit dem XF 23mm F1.4 LM WR an. Höre ich da nicht schon wieder das böse Teufelchen mit dem Schimpfwort „Vollformat“ in meinen Ohren? Nein, die X-T5 mit den Festbrennweiten und/oder den Zoom-Objektiven von Fuji, das sind noch immer gute Größen, gerade auch für eine Reisekamera.

Und zum Fazit gehört schließlich auch, dass die Fujifilm X-T5 mit etwa 2.000 Euro UVP für eine APS-C Kamera preislich durchaus ambitioniert angesiedelt ist. Das könnte sich im Laufe des Jahres noch etwas ändern, wenn die Verfügbarkeit sich verbessert und der Straßenpreis auf 1.700 oder 1.800 Euro gesunken sein wird. Aber auf diesem Preisniveau konkurriert die X-T5 nämlich mit den Einstiegsmodellen der Vollformatkameras von Canon, Nikon, Panasonic und Sony. Ihr merkt das, nur ein kurzer Textabsatz später sitzt das Vollformat-Teufelchen schon wieder auf meiner Schulter und vergleicht die X-T5 nun mit den Konkurrenten mit dem größeren Sensor. Und dieser Vergleich ist durchaus angebracht, denn letztlich ist die X-T5 genau das: Eine klare Ansage in Richtung Vollformat. – Eigentlich ein fettes Kompliment für Fujifilm, wie ich finde. Oder?

Und? Ist die X-T5 nun die perfekte Reisekamera?

Butter bei die Fische: Ja, die Fujifilm X-T5 ist die perfekte Reisekamera.

Weil sie klein und kompakt ist. Weil sie einen super Akku hat, weil der Sensor in punkto Auflösung und Dynamik wirklich abliefert. Und weil sie wirklich, wirklich Spaß macht. Ehrlich, ich tue mir schwer, irgend etwas zu finden, was mir nicht gefällt. Das ist ein ganz großer Wurf, den Fujifilm mit der X-T5 gemacht hat. Nicht zuletzt, weil sie auf ihre Nutzer gehört haben. Stichwort Klappdisplay, Stichwort Formfaktor. Stichwort „mehr Fotografie“.

Ob ich sie auf meine Weltreise mitnehme? Hmm, ich weiß es immer noch nicht … lasst mich noch ein paar Nächte darüber schlafen. Erst einmal geht die Kamera (leider) wieder zurück an Fujifilm. Herzlichen Dank, liebes Fuji-Team für die Leihgabe!

Links zur Fufifilm X-T5

Beispielbilder Fujifilm X-T5

Neben der Fujifilm X-T5 hatte mir Fuji auch das Fujinon XF 23mm F1.4 R LM WR zur Verfügung gestellt (hierzu habe ich ein eigenes Review gemacht). Außerdem hatte ich in den knapp drei Wochen im Dezember 2022 auch das Fujinon XF 23mm F1.4 R (also die alte Version) und das Fujinon XF 16mm F1.4 im Einsatz. Adaptiert die Leica VM Linsen Voigtländer Color Skopar 21mm F3.5, Voigtländer Nokton 50mm F1.2 und Voigtländer Apo Skopar 90mm F2.8 (die sich durch den Crop in der Brennweite um den Faktor 1,5 verlängern). Welches Glas verwendet wurde, siehst Du in den Bildunterschriften, Details zu Blende und Verschlusszeiten im Infofeld (gültig nur für die Fuji Objektive).

Weitere Beispielbilder, die ich mit der X-T5 gemacht habe, findest Du auch im Bericht zum Fujinon XF 23mm F1.4 R LM WR.

16 Gedanken zu „Die neue Fujifilm X-T5 im Test. Die perfekte Reisekamera?“

  1. Ein starker Bericht, vielen Dank dafür. Kannte deinen Blog bisher nicht, bin über das Fuji X Forum auf Dich aufmerksam geworden. Bin gespannt, was noch von dir zu Fuji kommt! Herzliche Grüße und einen guten Start in 2023! Mike

    Antworten
    • Hi Peter, vielen Dank, das freut mich sehr. Ich muss ja sagen, dass ich Dein Review zur X-T5 das Beste finde von allen, hatte das unten bei den Links auch schon aufgeführt. Da hast Du Dir wahnsinnig viel Mühe gemacht.
      Dein Setup erinnert mich etwas an meine Erwägung, die X100V mit den beiden Konvertern zu nehmen, das wären dann 18,23 und 35. Vermutlich würden die meisten Bilder bei mir mit dem 23er entstehen … ich muss noch weiter darüber nachdenken. Danke für Deine Inspiration.
      Viele Grüße, Florian

  2. Hi Florian,

    ach, die Links habe ich gar nicht gesehen… danke auch! Ich werde Deine Seite auch noch verlinken… es gibt viele, die nach ausführlichen deutschen Reviews fragen… zum Setup habe ich Dir in Deine Reiseüberlegungen noch was reingeschrieben 🙂

    VG Peter

    Antworten
  3. Hallo Florian,

    sehr schöner Artikel und großartige Bilder.

    Das Vollformat-Teufelchen dürfte noch einigermaßen ruhig sein. Der Preisunterschied ist zur größeren Sensorklasse doch recht groß.

    Du weißt, dass ich neben meinen Fuji-Sachen auch mit einer Sony a7R III fotografiere. Die damit mögliche Bildqualität wirft mich immer wieder um. Aber die kostet deutlich mehr und sie ist leider nicht sexy. Nur sachlich.

    Ich bin sehr gespannt, ob du dir die X-T5 zulegen wirst!

    Jörn

    Antworten
    • Herzlichen Dank Jörn für Deine nette Rückmeldung. Und auch danke für Deine Einschätzung zur Sony A7-Reihe. Der Preisunterschied spielt insofern auch eine Rolle für mich, da ich ja auch kein Sony Objektive besitze. Und ja, sexy geht anders … Liebe Grüße, Florian

  4. Ein dickes Kompliment von mir. Ein unterhaltsames Review das alle wichtigen Fragen beantwortet. Das macht mir Lust, die Kamera sofort auszuprobieren (und meine Vollformat SLR von Nikon endlich in den Ruhestand zu schicken). Ich muss mich nun doch noch mehr mit Fuji beschäftigen.
    Sehr guter Fotografierstil! Gerne mehr davon! Lino

    Antworten
    • Danke, Bartosz, herzlichen Dank. Freut mich, dass Dir meine Bilder gefallen.
      Ich bearbeite in Lightroom und fotografiere in alle Regel in RAW. Ich habe mir ein paar Presets erstellt und daher geht die Bearbeitung eigentlich sehr schnell. Und wenn ich mit Fuji fotografiere, dann bleibe ich auch sehr nah an den Filmsimulationen, meist Classic Chrome und Classic Neg. Viele Grüße, Florian

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