Die Yashica T3 und das Adlerauge (Teil 4 der Point & Shoot-Serie)

Über den Jahreswechsel 2023/2024 hatte ich eine neue Point & Shoot Kamera im Einsatz. Ihr wisst ja, dass ich immer noch auf der Suche nach der perfekten Variante bin und dass ich bisher schon drei Kameras ausprobiert habe. Noch ist die Konica Big Mini 201 mein Favorit, aber ich kann Euch schon verraten, dass die Yashica T3 echt gut performt hat. Ob es ausreichen wird, neuer Spitzenreiter zu werden?

So viel kann ich schon mal verraten, sie ist mein Preis-Leistungssieger. Und so viel sei gesagt, für 130-200 Euro solltest Du ein gutes Exemplar auf dem Gebrauchtmarkt bekommen (so in etwa war auch die Konica Big Mini 201 vor einem Jahr angesiedelt, inzwischen reicht das leider nicht mehr).

Aussehen und Haptik der Yashica T3

Ich finde ja schon das Aussehen bemerkenswert. Die 1988 erschienene Kamera sieht aus wie eine Mischung aus Gameboy und Super VHS Rekorder. Sie ist etwas klotzig aber doch unfassbar sexy. Die Griffmulde ist ebenso einzigartig wie das an Mittelformatkameras erinnernde Top-Down Winkelsucher Feature. Unter dem Namen „N.A. Scope“ führt Kyocera die Möglichkeit an, von oben auf die Kamera zu schauen und so das Motiv erahnen zu können und damit unauffällig aus der Hüfte zu schießen.

Yashica T3
Unverkennbar, ein echtes 1980er Design: Die Yashica T3

Sie wirkt super stabil und so habe ich gar keine Bedenken, sie einfach in die Jackentasche zu stecken und bei meiner Bergwanderung einfach kurz rauszuholen. Dank Plastikschieber ist das Objektiv bestens geschützt und es kann nichts verkratzen. Die Funktionen sind überschaubar, es ist eine echte Point & Shoot – nichts lenkt vom Fotografieren ab.

Die Bedienung der Yashica T3

Beim ersten Auslösen wirst Du ein doch lautes Geräusch bemerken. Aber das Geniale ist, dass der Film erst weitertransportiert, wenn Du den Auslöser loslässt – und erst dann hörst Du das Geräusch. Du kannst also nicht nur unauffällig fotografieren dank der Winkelsucherfunktion, Du kannst auch geräuschlos aufnehmen. Eine echte „Agentenkamera“ 😉

Nervig ist eigentlich nur, dass sich die Kamera keine Einstellungen merken möchte. Willst Du ohne Blitz fotografieren, ihn also unterdrücken, musst Du das vor jeder Aufnahme erneut machen. Wäre noch ein zuverlässiger Selbstauslöser und eine automatische ISO Erkennung. Alles Andere ist die Vollautomatik und ich muss mich auf die Einstellungen verlassen können.

Yashica T3
Yashica T3: Gut sichtbar die „N.A. Scope“ Funktion: der Winkelsucher.

Die Bildergebnisse der Yashica T3

Was aus der Yashica T3 rauskommt, das macht Spaß und sieht gut aus. Schuld ist in erster Linie das „Adlerauge“, nämlich ein mehrschichtvergütetes Carl Zeiss Tessar mit der Brennweite von 35mm und einer Offenblende von F2.8. Aus diesem Grund ist die Yashica T3 auch kein Geheimnis unter den Analogfans, nein, die Preise für diese Kamera steigen kontinuierlich. Auch weil sie zu den robusteren Vertretern der Plastikkameras gehört und eine äußerst geringe Ausfallrate haben (Grüße an die oben schon erwähnte Konica Big Mini 201).

Das Adlerauge weiss wirklich zu gefallen. Die 39 Bilder, die aus jedem Film herauskommen sind knackscharf und bei Offenblende entwickelt die Linse ein richtig schönes Bokeh. Es ist genau der analoge Charakter, den viele von uns in solchen Kameras suchen. Seien wir ehrlich, hier ist ein richtig gutes Objektiv verbaut. Zudem: Die Automatik funktioniert fantastisch, mit Gegenlicht kommt die Kamera ebenso klar, wie mit der Ausleuchtung durch die Blitzautomatik bei wenig Licht. Als rundum sorgenlos-Kamera ist sie folglich die perfekte Lösung.

Wo liegen die Schwächen? Eigentlich sehe ich nur zwei Punkte. Erstens den schon erwähnten Nervkram rund um die Blitzeinstellungen. Und zweitens? Sie ist etwas klobiger als die kleineren Point & Shoot Vertreter und weniger kompakt. Dafür ist sie aber schön robust.

Mein Zwischenfazit

Vorneweg, ich werde weitersuchen, weil es soviel Spaß macht. Aber dennoch möchte ich ein erstes Zwischenfazit vornehmen. Mein persönliches Point & Shoot Ranking sieht aus wie folgt:

  1. Konica Big Mini 201 (die Schönste und kompakteste mit überzeugenden Ergebnissen)
  2. Yashica T3 (quasi fast gleich auf, entschieden nur durch das bessere Torverhältnis ;))
  3. Olympus AF-1 Super (eigentlich auch überzeugend, aber Ihr erinnert Euch an den Farbstich?)
  4. Canon Prima AS-1 (ein Unterwasserspezialist, aber die Bilder waren mir einfach zu „digital“)

Jede dieser vier Kameras hat ihre Daseinsberechtigung, ohne Frage. Die Yashica T3 hätte fast Platz 1 belegt, etwas zu klobig fällt sie im Vergleich zur Big Mini 201 aus, dafür ist die T3 mit dem lichtstärkeren Objektiv ausgestattet, etwas günstiger und weniger anfällig für einen etwaigen Ausfall. Fazit: ich kann Sie Euch wirklich empfehlen!

Ihr kennt mich, ich werde weitersuchen…

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Beispielbilder Ilford HP5+ 400 und Kodak Ultramax 400

Zwei Filme habe ich mit der Yashica T3 belichtet. Einen Ilford HP5+ mit einer Stufe Überbelichtung – was aufgrund der fehlenden manuellen ISO natürlich nur mit einem Hack möglich war, nämlich indem ich einen DX Code Sticker ISO 200 (Amazon Affiliate) auf den 400er ISO geklebt habe. Und schließlich noch einen Kodak Ultramax 400.

Mit dem Schwarzweiss Film war ich in Konstanz am Bodensee, die dortige Fußgängergrenze zwischen Deutschland und der Schweiz ist schon bemerkenswert. Und schließlich habe ich den Film auch noch „drin“ gehabt, als ich zwei Tage in den Allgäuer Alpen, hier am Hochgrat, war.

Dort am Hochgrat beginnen auch die Farbaufnahmen. Und enden am Fellhorn bei Oberstdorf (hier ohne manuelle ISO Anpassung, also auf Boxspeed fotografiert).

2 Gedanken zu „Die Yashica T3 und das Adlerauge (Teil 4 der Point & Shoot-Serie)“

  1. Moin Florian,
    die Yashika T3 ist eine Ikone der 80er! Ich hatte mir Anfang der 90er eine T4 gekauft und damals überall und immer dabei gehabt. Vor kurzem habe ich sie wiederentdeckt und ein paar Rollen Silbersalz35 verknipst. (Klasse, dass Silbersalz die Filmpatronen schon so kodiert, dass der Film etwas mehr Licht bekommt.) Das Zeiss Objektiv ist super und die Ergebnisse, die diese kleine Kamera abliefert sind wirklich erstaunlich gut!
    Leider ist die T4 durch den Hype, den Terry Richardson ausgelöst hat, auf dem Gebrauchtmarkt nur zu Phantasiepreisen zu finden…
    Viel Spaß mit deiner T3!

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    • Lieber Ole, ja die T4 würde ich auch sehr gerne einmal fotografieren! Aber die aufgerufenen Preise sind – sehe ich genauso – wirklich jenseits von gut und böse. Daher shoote ich erstmal mit der T3 weiter. Dir viel Spaß mit Deiner T4. Viele Grüße, Florian

      Antworten

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