Die Nisi Filter für die Fuji X100V

Klein und kompakt ist sie ja, die Fuji X100V. Kürzlich bin ich auf das ebenso kleine und kompakte Filtersystem von Nisi aufmerksam geworden, das extra für diese Kamera entwickelt wurde. Ich habe es ausprobiert.

Die getesteten Nisi Filter für die Fuji X-Serie gibt es als Filtersystem etwa seit einem Jahr. Nach Angaben des Herstellers wird bestes Glas verwendet, der Anschluss wurde speziell für die Fuji X100V und ihre Vorgänger entwickelt (für die Ricoh GR3 und für 49mm Objektive gibt es jeweils verwandte Varianten. Update im Herbst 2021: inzwischen gibt es das System auch für die Sony RX100VI M6/M7).

Das Paket im Detail: Vier Filter, der Halter und ein praktisches Case. Passt in jede Jacken- oder Hosentasche.
Das Paket im Detail: Vier Filter, der Halter und ein praktisches Case. Passt in jede Jacken- oder Hosentasche.

Wenn Du meine Liebeserklärung an die Fuji X100V gelesen hast, dann weißt Du, dass ich diese Kamera fast immer dabei habe und sie mehr als nur ein treues Werkzeug für mich ist (der Blogartikel gehört nicht nur zu den meistgelesenen Berichten, ich bin darüber auch zu einem Gastbeitrag im eBook “Fujifilm X100V. Fotografie. Bildergebnisse. Philosophie.” Jörn Daberkow gekommen, das ich an dieser Stelle sehr empfehlen möchte).

Über Zubehör habe ich bislang kaum geschrieben. Und das soll sich nun ändern. Das kompakte Filtersystem von Nisi klingt verlockend: ND Filter, Polfilter, Grauverlaufsfilter – und das alles für die Hosentasche. Könnte ja perfekt zur Fuji X100V passen …

Was im Nisi Filter Set enthalten ist

Zunächst einmal muss aber geklärt werden, in welchen Varianten Nisi das System anbietet. Es gibt ein Starter Kit (UVP €49,90), das nur den Grauverlaufsfilter und den Polfilter enthält. Im Professional Kit (UVP €69,90) sind zusätzlich ein ND8 Graufilter und ein Natural Night Filter erhältlich. In beiden Kits ist eine Tasche und natürlich der Halter inklusive. Zwei weitere Gläser können separat bezogen werden.

Klingt etwas durcheinander? Ist es auch, daher im Folgenden eine kurze Übersicht:

Nisi Starter Kit für Fuji X100-SerieNisi Professional Kit für Fuji X100-SerieSeparat erhältlich
NiSi ND8xx
NiSi ND64x
NiSi Soft GND8x
NiSi Medium GND8xxx
NiSi Polarisationsfilterxxx
NiSi Natural Night Filterxx
Übersicht über die erhältlichen Nisi Filter (Halter und Tasche sind in beiden Kits inklusive und auch separat erhätlich)

Ich habe mich für das Professional Kit entschieden, ganz einfach sehalb, weil ich den ND8 auf jeden Fall haben wollte. Habt im Hinterkopf, dass die Fuji X100V bereits einen eingebauten internen vierstufigen (bezogen auf den Blendenwert) Graufilter hat. Und den kann man natürlich jederzeit „zuschalten“. So gesehen, sollte das Professional Kit auf jeden Fall eine gute Ausgangsbasis sein.

Das Set an sich kommt äußerst kompakt daher. Alle vier Filter und der Halter passen in das kleine Täschchen, das sich wie eine Ziehharmonika aufklappen lässt – für jedes Element ein eigener Bereich. Im Neuzustand sind die einzelnen Filter in Schutzpapier eingepackt.

Zum Größenvergleich der Telekonverter WCL100 gegenüber einem Filter.
Zum Größenvergleich der (nicht zum System passende) Telekonverter WCL100 gegenüber einem Filter.

Das komplette Kit passt also wirklich prima in die Jacken- und Hosentasche. Ich habe es mit einem Manfrotto PIXI Stativ kombiniert und habe damit einige Testaufnahmen gemacht (alle Bilder finden sich am Ende des Berichts).

Die Nisi Filter für Fuji im Test

Die Kamera, der WCL-Adapter, das Nisi Filtersystem, ein Stativ, Ersatz-Akku und ein Kameratuch – all das habe ich in die Nano Compagnon gepackt und mich in verschiedenste Hamburger Stadtteile aufgemacht.

Rein vom Feeling her ist es wirklich kurios: Eigentlich habe ich kein Gewicht dabei, aber irgendwie doch eine komplette Ausrüstung eines Landschaftsfotografen. Beinahe.

10 Sekunden belichtet am helllichten Tag - dank des Nisi Filtersystems. Deswegen steht der ICE auf der Brücke nicht, sondern "fließt". Auch am Himmel und vor allem am Wasser ist der Effekt der Langzeitbelichtung gut zu erkennen.
10 Sekunden belichtet am helllichten Tag – dank des Nisi Filtersystems. Deswegen steht der ICE auf der Brücke nicht, sondern „fließt“. Auch am Himmel und vor allem am Wasser ist der Effekt der Langzeitbelichtung gut zu erkennen.

Der Halter ist schnell über das Objektiv der X100V gesteckt. Nur muss davor ein etwaiger Adapterring (zum Beispiel fürs Waterresistant Kit) entfernt werden. Leider passt der Halter auch nicht auf den Weitwinkeladapter WCL100. Etwas hin- und herrschrauben ist also notwendig. Aber den Adapterring kann man einfach in die Nisi Tasche stecken. Dann ist auch dieser gut aufgehoben.

In den Halter selbst können bis zu zwei Filter auf einmal geschoben werden. Ich nutze hierfür zumeist die Kombination aus Grauverlaufs- und ND-Filter. Hin und wieder tausche ich den Grauverlaufsfilter durch den Polfilter aus. Um das Ganze wirklich effektiv auszuprobieren, schalte ich den internen ND Filter der Fuji X100V ebenfalls hinzu. Was bedeutet das nun, wenn ich das Ganze kombiniere?

Dazu etwas Mathematik – und das ist nicht ganz einfach. Während Neutraldichte und Blendenwerte addiert werden, wird der Faktor multipliziert.

NeutraldichteBlenden-stufenFaktor Belichtungs-verlängerung
Fuji X100VND 1.24ND16
ND8 Filter NISI Prof KitND 0.93ND8
Kombination FujiX100V + ND8 FilterND 2.17ND128
Wie das funktioniert mit der Neutraldichte, den Blendenstufen und dem Faktor …

Entscheidend ist letztlich der Faktor. Er gibt an um das „Wievielfache“ die Belichtungszeit verlängert wird. So werden aus einer Sekunde ohne Filter (zum Beispiel in der Dämmerung bei geschlossener Blende) mit der Kombination aus Fuji X100V und dem ND8 Filter aus dem Kit eine Langzeitbelichtung von 128 Sekunden.

Die Tabelle zeigt aber auch, dass mit diesem System am hellichten Tag keine Langzeitbelichtungen mit mehr als ein paar Sekunden möglich sind, auch bei geschlossener Blende (Achtung: Beugungsunschärfe!).

Genau dafür ist der von Nisi separat angebotene ND64 Filter hilfreich. Erst dann sind deutlich längere Belichtungszeiten möglich, nämlich ND16 * ND64 = ND 1.024. Da werden aus der obigen Beispielsekunde nämlich 1.024 Sekunden, oder eben (unrealistisch lange) 17 Minuten.

Zur Qualität

Machen wir uns nichts vor. Wer weitere Gläser (hier: Filter) vor ein bestehendes Glas (hier: Objektiv) anbringt, wird die Bildqualität nicht verbessern. Und wenn mehrere Gläser kombiniert werden, sinkt die Qualität zunehmend. Allen voran sind hier Verfärbungen zu erwarten, aber auch abnehmende Kontraste. Wer häufig Filter verwendet, weiß also, dass in der Nachbearbeitung durchaus mit dem Weißabgleich oder den Kontrastreglern justiert werden muss. Dabei spielt aber vor allem auch die Qualität des Glases eine Rolle. Bei hochwertigen Filtern sind die Verfärbungen geringer als beim absoluten Billigglas.

Langzeitbelichtung in St Peter Ording
Langzeitbelichtung in St Peter Ording

Je länger die Belichtungszeit, desto eher muss ich eingreifen. Beim ND Filter meine ich einen leichten Magentastich zu erkennen, der setzt aber durchaus ähnlich stark ein, wie ich es von meinen anderen Filtern in der Landschaftsfotografie kenne. Dem Glas ist hier also eine sehr gute Qualität zu attestieren.

Am Stärksten schneidet für mich der Grauverlaufsfilter ab. Ich habe endlich die Gelegenheit, die hellen Bereiche am Himmel abzudunkeln und damit ausfressende Lichtfelder zu vermeiden. Insgesamt kann ich dem Fuji X100V Sensor damit deutlich bessere Gesamtbilder entlocken, was ich in der Nachbearbeitung sichtbar spüre. Und qualitativ kann ich durch den Filter selbst keine Einschränkungen sehen.

Beim Polfilter bin ich etwas zwiegespalten. Dadurch, dass es auch hier ein Steckfilter ist, kann ich den Polfilter nicht auf das Motiv anpassen, nicht drehen (da ja der Grauverlaufsfilter dann mitdrehen würde). Entweder es passt – oder ich muss ihn weglassen. Daher ist er für mich „nur halbwegs“ wertvoll.

Ist das Street Photography? ;) - Eine verschwommener Passant mit einer längeren Belichtungszeit direkt ins Gegenlicht. Nur möglich dank der Nisi Filter für Fuji.
Ist das Street Photography? 😉 – Eine verschwommener Passant mit einer längeren Belichtungszeit direkt ins Gegenlicht. Nur möglich dank der Nisi Filter für Fuji.

Den Vierten im Bunde, den „Night Filter“ habe ich noch nicht ausprobiert. Ich bin mir auch nicht sicher, wofür ich ihn einsetzen sollte. Nisi verspricht, der Filter sei „ideal um bei Nachtaufnahmen die Lichtverschmutzung in Ihren Bilder zu reduzieren“. Ich werde das bei Gelegenheit nachholen, wirklich notwendig scheint mir dieser Filter im Kit allerdings wirklich nicht.

Fazit

Das System ist super kompakt. Ab damit in die Jackentasche und ich habe alles dabei. Kurzum: Ohne dieses System hätte ich einige Aufnahmen einfach nicht machen können.

Die Qualität der Filter sind aus meiner Sicht absolut auf dem Level der „großen“ Systeme. Zieht man nun noch den Preis zur Bewertung hinzu, ist das Ergebnis schon erstaunlich. Ihr wisst es, Steckfiltersysteme sind eigentlich wirklich teuer. Alleine ein Glas schlägt schon mit einem dreistelligen Betrag zu Buche.

Was könnte verbessert werden: Erstens würde ich mir dieses System kompatibel mit dem Weitwinkelkonverter WCL-X100 wünschen. Langzeitbelichtungen würde ich in erster Linie nämlich in der Landschaftsfotografie und in der Architekturfotografie sehen. Für Beides bevorzuge ich die 28mm des WCL gegenüber der Standardbrennweite von 35mm (KB-equiv.) der Fuji X100V.

Und zweitens würde ich in der Professional Kit Ausstattung statt des „Night Filters“ definitiv den ND64 sehen. Denn – und das ist der Kritikpunkt an beiden Kits – mit der jetzigen Ausstattung sind wirkliche Langzeitbelichtungen im Augenblick nicht möglich. Es sei denn ein weiterer Filter von Nisi wird angeschafft. Und diese Notwendigkeit stellt die Daseinsberechtigung eines „Kits“ doch etwas in Frage; zumindest die des „Professional Kits“.

Nichts desto trotz. Das Nisi Filtersystem ist eine absolut gelungene Ergänzung und gehört in die Zubehörtasche von Fuji X100V Fotograf:innen, die auch mal länger belichten wollen. Ich würde den ND64 jedoch gleich mit in den Warenkorb legen …

Links

Beispielbilder

Alle Bilder sind mit dem Filtersystem von Nisi gemacht. In der Regel ist der interne ND Filter der X100V eingeschaltet. Beim Filtersystem kommen der Grauverlaufsfilter und der ND8 Filter zum Einsatz.

14 Gedanken zu „Die Nisi Filter für die Fuji X100V“

  1. Hallo Florian,

    vielen Dank für den ausführlichen Testbericht. Da ich ja auch Besitzer der X100V bin und schon länger auf der Suche nach einem Filtersystem bin, passt dein Bericht wunderbar. Ich werde mir das System mal anschauen. Gerade weil es auch so schön kompakt ist :).

    Gruß

    Markus

    Antworten
    • Hallo Markus,
      danke für Deinen Kommentar. Freut mich, dass Dir der Bericht zum Filtersystem gefällt! Ich verfolge Deinen Blog schon länger – daher umso mehr: Vielen Dank!
      Gruß, Florian

    • Hallo Florian,

      oh, du kennst meinen Blog. Das freut mich natürlich. Siehst mal wie klein die Welt als ist. Ich bin dank dem Podcast Kollegen mit seiner Fotobuch Ecke auf dich gestoßen. Und dann bloggst du noch :). Super. Passt doch perfekt. Ah. Ich muss noch deinen Bildband bestellen.

      Gruß

      Markus

  2. Hallo Florian,

    schon seit Wochen schwänzel ich um verschiedene Filterssysteme für die X100V her, die ich auch mit dem WCL verwenden kann. Bei diesem System lese ich, dass es für den WCL nicht geeignet sei, aber es wird nicht begründet … Gibt es eine Vignette oder passt es von der Schraubverbindung her nicht ?? Wird es „wie der Dekoring“ montiert oder wie ein Filter nach Adapter ??

    Danke und Gruß,
    Sven

    Antworten
    • Hallo Sven, danke für Deine Frage. Ich hatte mir bei ebay mal einen Adapterring gekauft, der auf beiden Seiten ein Gewinde hat, also Richtung WCL und Richtung Filtersystem. Damit konnte ich dann die Schraubverbindung einwandfrei herstellen. Das klappt also.
      Was nicht klappt, liegt am viel längeren Tubus des WCL in Kombination mit dem Filterhalter, der dann eine kräftige Vignette produziert. Das ist eigentlich untertrieben, auf dem Bild erscheint dann ein großer schwarzer Kreis um das Motiv, quasi die Begrenzung des Filterhalters. Und damit bin ich zum Schluss gekommen, dass es nicht geeignet sei. Konnte ich das für Dich verständlich beschreiben? Viele Grüße!

    • Hallo Florian,

      Danke für die Rückmeldung. Ja, hab verstanden was Du erklärt hast. Dann fällt das System für mich leider aus, denn ich nutze den WCL wirklich häufig.

      Besten Gruß,
      Sven

  3. Hallo Florian,

    den NiSi Filterhalter gibt es ja in einer Ausführung für Kompaktkameras mit 49mm Gewinde. Der WCL Konverter hat ein 49mm Gewinde, ebenso der Adapterring des WR Kit von Fuji (oder auch andere Adapterringe für x100 Gegenlichtblenden).
    Hast Du rein Zufällig Erfahrung mit den 49er Filterhalter von NiSi?
    Könnte ja sein, dass es mit dem am WCL funktioniert.

    Viele Grüße aus Glinde

    André

    Antworten
    • Hallo André,
      Ich hatte das schon mal probiert und mir einen entsprechenden Konverterring gekauft. Technisch geht das, allerdings hast Du dann im Bild einen großen schwarzen Rand, quasi die Innenseite des WCL. Dieser ist zu lang für die kleine Filterfläche. Ich habe das in den Kommentaren zu den Nisi Filtern hier auf der Seite schon mal ausführlicher beschrieben.
      Viele Grüße
      Florian

  4. Hallo Florian,

    danke für den Bericht!

    Ich war zunächst völlig begeistert, als ich letztes (?) Jahr Werbung für das kleine NISI-Filtersystem gesehen habe. Bislang nutze ich das Lee 100 System mit verschiedenen Adapterringen.

    Aber: soll es mal „nicht so viel Fotokrams“ sein, wäre das kleine NISI-System ideal, wenn es mehrere Arten von Grauverlaufsfiltern gäbe, insbesondere auch einen umgekehrten Grauverlaufsfilter (Reverse Grad ND), mit dem Sonnenauf- und Untergänge am Meer fotografiert werden könnten. Der nicht einstellbare Polfilter ist auch ein Ärgernis.

    Ich habe NISI Deutschland daraufhin angeschrieben und gefragt, ob solche Filter geplant sind. Die Antwort war leider: nein.

    So bleibt mir nichts anderes übrig, als das Lee 100 System mitzunehmen, obwohl ich es gerne tauschen würde gegen etwas kleineres und kompaktes. Lee hatte da in der Vergangenheit so wie NISI auch mal das Seven5 (ich meine, das ist ausgelaufen und mit Lee 85 ersetzt worden), bei NISI gibt es das 75mm System. Einige Filter gibt es da aber leider leider leider (!) nach wie vor nicht. Das ist echt schade!

    Viele Grüße
    Alexander

    Antworten
    • Hallo Alexander, danke für Deinen Kommentar und für Deine Ergänzungen.
      Es ist schade, dass die Hersteller da so wenig liefern für kleine Kameras bzw. kompakte Systeme. Offenbar ist die Nachfrage bei Nisi, Rollei, Lee, Haida und Co. nicht da. Sehr schade. Zumal es ja nicht nur die Fuji X100V oder die Ricoh GRs betrifft. Solch ein System würde ja auch gut zu den kleinen Sonys oder der Leica M Serie passen. Ich glaube, man müsste die Nachfrage einfach wecken, das Potential ist sicherlich da …
      Viele Grüße, Florian

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