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Mein Rendezvous mit der Panasonic Lumix S5

Und ewig lockt das Vollformat. Der große Sensor, die Freistellung, der Dynamikumfang. Sony, Canon, Nikon und jetzt noch Panasonic. Alle wetteifern sie um meine Gunst. Ich habe mir bei Meister Camera für ein Wochenende die Panasonic S5 ausgeliehen.

Die im September 2020 vorgestellte Panasonic Lumix S5.
Die im September 2020 vorgestellte Panasonic Lumix S5.

Immer wieder schiele ich auf die Hersteller und deren Kamera-Neuerscheinungen aus dem Vollformatsektor. Das Marketing hält mir regelmäßig die angeblichen Vorzüge vor Augen: Besserer Dynamikumfang, sattere Möglichkeiten zur Freistellung und überhaupt, professionelleres Equipment. Soviel zum Marketing wenn es um Vollformat vs. APS-C geht.

Dass davon nicht immer alles relevant ist, weiß ich natürlich. Ich arbeite ja selbst im Marketing. Und dass das Vollformat auch einen erheblichen Nachtteil mit sich bringt, ist mir auch klar: Alles wird größer und schwerer – so will es nämlich die Physik. Je größer der Sensor ist, desto größer muss auch das Equipment sein. Und das betrifft insbesondere die lichtstarken Autofokus-Objektive.

Spiegelloses Vollformat – ein Überblick

Leica möchte ich hier einmal außen vor lassen. Du könntest zwar einwenden, dass es hier ein kleines, kompaktes Angebot gibt, nämlich das M-System. Aber erstens ist das aufgrund der Preisstellung “out of class” und zweitens habe ich damit jüngst erst meine Erfahrungen gemacht.

Der Platzhirsch bei den Spiegellosen ist Sony mit seiner Alpha-Serie. Während die Kamera selbst etwas als lebloser Computer verschrien zu sein scheint, ist die Technik erhaben über jeden Zweifel. Schnellster Autofokus, tolle Lowlight-Fähigkeiten, ein beeindruckender Dynamikumfang. Und das bei einem inzwischen sehr ansehnlichen Objektiv-Angebot. Die Sony A7II habe ich vor zwei Jahren einmal besessen, aber schon nach ein paar Wochen habe ich aufgegeben, die Bedienung war eine Katastrophe, die Kamera eine Technikklotz ohne Seele.

Canon und Nikon haben 2018 jeweils ihre ersten spiegellosen Vollformat Modelle vorgestellt. Ziemlich spät im Vergleich zu Sony, aber sie scheinen die Kurve bekommen zu haben, spätestens mit den im Jahr 2020 überarbeiteten bzw. neu erschienenen Nachfolgern. Aber hey, die Nikon Z6/Z7 sieht aus wie ein Kinderspielzeug und die Canon R5/R6 bewegt sich in Preiswelten, wo wir schon wieder bei beinahe bei der Leica wären. Und bleiben dabei dennoch irgendwie Plastikbomber.

Schließlich wäre da noch Panasonic, die wie Canon und Nikon auch 2018 ins spiegellose Vollformat eingestiegen sind – mit der Lumix S1. Spannend finde ich den etwas eigenen Weg, der sich unter anderem auch in der Kooperation mit Sigma und Leica zeigt – die drei Hersteller haben sich zusammen getan und haben gemeinsam die “L-Mount-Allianz” ins Leben gerufen. Alle drei nutzen denselben Anschluss und entwickeln gemeinsam Objektive für den L-Mount. Damit sind die Linsen untereinander kompatibel. Noch ist das Angebot ziemlich überschaubar, eine klare Schwäche des Systems, aber das dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Die Panasonic Lumix S5
Die Panasonic Lumix S5

Wenn Unternehmen andere Wege beschreiten, dann werde ich hellhörig. Und die L-Mount-Allianz kann uns – den Fotografen – auf jeden Fall viele Vorteile bringen. Was lag also näher, als die im September neu erschienene S5 einmal zu testen? Meister Camera als der Händler meines Vertrauens war so nett, mir die Kamera mit dem Kitobjektiv 20-60mm F3.5-5.6 für ein Wochenende auszuleihen.

Zur Technik der Panasonic Lumix S5

Panasonic hat die Lumix S5 mit einen Vollformatsensor mit 24 Megapixeln ausgestattet. Völlig ausreichend und eigentlich ein Sweetspot zwischen Auflösung und Komplexität. Denn je mehr Megapixel, desto mehr Mühe beim Handling (Speicherplatz, Geschwindigkeit, Verarbeitung in Lightroom) und desto höher die Gefahr des Rauschens. Und – wie ich bei der Leica M10-R lernen musste – desto weniger Fehler in punkto Schärfe “verzeiht” die Kamera.

Dazu ein beeindruckender Dynamikumfang und ein Bildstabilisator, der 5-6 Blendenstufen ausgleichen soll. Das alles bei einer überschaubaren Größe, im Vergleich zu den Geschwistern S1-Reihe ist die S5 angenehm klein und ganz gut zu verstauen. Zumindest der Body. Das Technikdatenblatt klingt schon mal vielversprechend.

Die Ergonomie, das Handling

Vollformat ist oftmals wirklich groß und klobig. Panasonic hat es beim Einstieg vorgemacht und mit der S1 eine spiegellose Kamera auf den Markt gebracht, so groß wie eine Spiegelreflexkamera. Umso mehr war ich überrascht als ich im September 2020 die Veröffentlichung der S5 verfolgte. Sie ist kompakt und ergonomisch richtig gut durchdacht. Mit einer Hand kann ich sie problemlos halten. Auch der Ein- und Ausschalter klappt mit etwas Übung mit dem rechten Zeigefinger, d.h. ich kann die S5 aus dem Handgelenk sofort in den Einsatz bringen.

Liegt gut in der Hand. Hat ein praktisches schwenkbares Display. Und wirklich genial: Die Drei-Knopf Anordnung, direkt unter dem Auslöser.
Liegt gut in der Hand. Hat ein praktisches schwenkbares Display. Und wirklich genial: Die Drei-Knopf Anordnung, direkt unter dem Auslöser.

Die Drehräder haben die richtige Größe und zeigen die wichtigten Funktionen klar und übersichtlich. Am Besten gefallen mir die drei Buttons direkt unter dem Auslöser: Nebeneinander sind Weißabgleich-, ISO- und Belichtungskorrektur angebracht. Die Knöpfe mit dem Zeigefinger zu drücken und mit dem Daumen gleichzeitig das Wahlrad zu drehen klappt prima – ich habe das schon verinnerlicht, da stand der Schalter am Objektiv noch auf “manuell”.

Das Display lässt sich zur Seite ausschwenken und dabei einmal komplett drehen, d.h. Selfies sind super einfach und Filmer können sich selbst sehen. Ich habe weder ein Selfie gemacht, noch habe ich mit der Kamera auch nur eine Sekunde gefilmt (aber gerade dafür soll sie laut einiger Tests auch sehr geeignet sein). Aber ich habe das Display sehr zu schätzen gewusst. Aufnahmen aus Bodennähe sind super komfortabel und zusätzlich kann man auch wunderbar “um die Ecke” fotografieren. Und auch der Sucher lässt für mich keine Wünsche öffnen. Hier gibt es nicht zu Meckern!

Ein Wort zum Kit-Objektiv

Mit ausgeliehen habe ich das Kit-Objektiv, das Panasonic zur S5 auch standardmäßig beilegt, ein 20-60mm F3.5-5.6. Ich bin kein Freund von Kit-Objektiven, ihr einziger Vorteil besteht darin, dass sie im Paket mit der Kamera äußerst günstig sind. Oftmals ist die Qualität aber auch dementsprechend.

Das Kit-Objektiv der S5: ein 20-60mm F3.5-5.6.
Das Kit-Objektiv der S5: ein 20-60mm F3.5-5.6.

Was bei den technischen Angaben auffällt sind zwei Dinge. Erstens ist der Brennweitenbereich von 20-60 Millimeter ziemlich ungewöhnlich. Da ich aber sehr gerne weitwinklig fotografiere und weniger im (auch im gemäßigten) Telebereich, finde ich das eine sehr interessante Spanne im Vergleich zur klassichen Zoombrennweite von 24-70 Millimeter.

Zweitens ist eine Anfangsblende von F3.5 natürlich deutlich weniger lichtstark als das, was ich sonst gewohnt bin. Und das merke ich direkt bei den ersten Aufnahmen. Als ich am Nachmittag die ersten Aufnahmen mache (und da steht die Fokussierung wie oben erwähnt tatsächlich noch auf “manuell”), ist es in Hamburg bewölkt und das grau in grau verlangt schon nach mehr Lichtstärke. Der Stabi gleicht das allerdings aus, und so kann ich Aufnahmen mit 1/10 Sekunde und länger ganz ohne Probleme machen.

Umgekehrt kann ich schon weit vor der absoluten Dunkelheit Langzeitbelichtungen durchführen. ISO runter, Stabi aus und die Blende ganz zu. Die Beugungsschärfe schlägt ziemlich heftig zu, aber es handelt sich ja auch “nur” um ein Kit-Objektiv. Die Verzeichnung ist am weitwinkligen Ende extrem, kann in Lightroom aber korrigiert werden.

Kurzum: Diese Linse kann man sich zulegen, muss man aber nicht. Ich finde, wer sich eine spiegellose Vollformatkamera diesen Kalibers anschafft, kann sich auch ein hochwertiges Objektiv kaufen. Ein 20-60 anstatt eines 24-70 in einer Premium-Version fände ich jedoch durchaus spannend.

Was aus der S5 herauskommt

Die Ergebnisse haben mich wirklich begeistert – immer unter Berücksichtigung, dass eben dieses Kit-Objektiv keine Bestwerte erzeugen kann. Aber unabhängig davon ist der Dynamikumfang wirklich beeindruckend. Sowohl in den Höhen als auch – noch besser – in den Tiefen kann viel korrigiert werden, die S5 ist hier sehr dankbar. Ihr dürft natürlich nicht vergessen, dass ich Fuji Kameras mit ihrem kleineren Sensor gewohnt bin. Was ein Vollformatsensor im Unterschied zu APS-C leisten kann, wurde mir bei der S5 einmal mehr klar. Vor allem in der Landschafts- und/oder Lowlightfotografie ist der Unterschied von Vorteil. Auch das Rauschverhalten habe ich getestet, bis ISO 3.200 klappt das ohne Probleme, danach erkenne ich zumindest ein Rauschen, das mich stört. Auch hier ist der Vorsprung zu APS-C erkennbar. Aber seien wir ehrlich, er ist deutlich geringer. Rein subjektiv hätte ich mir bei der ISO Performance eine Schippe mehr versprochen.

Ein kompaktes und leistungsfähiges Gesamtpaket, ohne Frage. Ich bin durchaus angetan.
Ein kompaktes und leistungsfähiges Gesamtpaket, ohne Frage. Ich bin durchaus angetan.

Viele Erfahrungsberichte beleuchten das Thema Autofokus. Und gerade die S5 steht hier in der Kritik, nicht zeitgemäß zu sein. Sie verfügt nur über einen Kontrastfokus, laut vieler Fotografen deutlich zu wenig. Ich kann dazu wenig bis nichts sagen. Während meines Testwochenende habe ich den Autofokus kaum auf die Probe stellen müssen, ich habe hin und wieder auch manuell fokussiert. Die Bilder, die ich mit dem Autofokus gemacht habe, sind jedoch durchgehend scharf. Und wenn Du eine Unschärfe erkennst, dann liegt das an den geschlossenen Blendenwerten rund um F20 und F22. Wie oben schon beschrieben hat die Beugungsschärfe auf einigen meiner Beispielbilder gnadenlos zugeschlagen.

Und? Lege ich sie mir nun zu?

In der Regel weiß man nach einem gemeinsamen Wochenende, ob es klappen könnte oder ob nach dem ersten Rendezvous keine weiteren mehr folgen werden. Und so ist es auch mit der Panasonic Lumix S5. Ja, es könnte klappen. Die Kamera ist nicht zu groß, sie unterstützt mich mit ihrer Technik in allen relevanten Punkten und sie liegt auch noch richtig gut in der Hand. Ach ja, das Menü ist auch noch übersichtlich und intuitiv. Auf den ersten Blick passt es also.

Was hingegen fehlt ist die Emotion. Das Gefühl, das eine Leica M transportiert. Die Emotion einer Leica Q. Der Appeal einer Fuji X-Pro. Oder die Schönheit einer Fuji X100V. Ihr wisst es, ich mag den Retro-Style, ich mag die Seele dieser Kameras.

Aber ich mag ihr noch einmal eine Chance geben. Weil ich gut mit ihr kann. Und weil diese “L-Mount-Allianz” eine verdammt gute Sache ist. Auch wenn die Panasonics noch eine Nische sind.

Erst kürzlich hat Sigma die Contemporary I-Series vorgestellt. Kleine, extrem hochwertige Objektive. Dazu noch mit einem Blendenring. Eine Objektivreihe, die wunderbar an die S5 passen könnte und dieser Kamera genau den mir fehlenden Retro-Touch geben könnte. Die ersten Testergebnisse sind jedenfalls schon mal sehr vielversprechend.

Und daher werde ich die S5 sicherlich noch ein weiteres Mal in die Hand nehmen!

Zum Weiterlesen

Beispielbilder

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