Mein Rendezvous mit der Panasonic Lumix S5

Und ewig lockt das Vollformat. Der große Sensor, die Freistellung, der Dynamikumfang. Sony, Canon, Nikon und jetzt noch Panasonic. Alle wetteifern sie um meine Gunst. Ich habe mir bei Meister Camera für ein Wochenende die Panasonic S5 ausgeliehen.

Immer wieder schiele ich auf die Hersteller und deren Kamera-Neuerscheinungen aus dem Vollformatsektor. Das Marketing hält mir regelmäßig die angeblichen Vorzüge vor Augen: Besserer Dynamikumfang, sattere Möglichkeiten zur Freistellung und überhaupt, professionelleres Equipment. Soviel zum Marketing wenn es um Vollformat vs. APS-C geht.

Die Panasonic Lumix S5
Die Panasonic Lumix S5

Dass davon nicht immer alles relevant ist, weiß ich natürlich. Ich arbeite ja selbst im Marketing. Und dass das Vollformat auch einen erheblichen Nachtteil mit sich bringt, ist mir auch klar: Alles wird größer und schwerer – so will es nämlich die Physik. Je größer der Sensor ist, desto größer muss auch das Equipment sein. Und das betrifft insbesondere die lichtstarken Autofokus-Objektive.

Spiegelloses Vollformat – ein Überblick

Leica möchte ich hier einmal außen vor lassen. Du könntest zwar einwenden, dass es hier ein kleines, kompaktes Angebot gibt, nämlich das M-System. Aber erstens ist das aufgrund der Preisstellung „out of class“ und zweitens habe ich damit jüngst erst meine Erfahrungen gemacht.

Der Platzhirsch bei den Spiegellosen ist Sony mit seiner Alpha-Serie. Während die Kamera selbst etwas als lebloser Computer verschrien zu sein scheint, ist die Technik erhaben über jeden Zweifel. Schnellster Autofokus, tolle Lowlight-Fähigkeiten, ein beeindruckender Dynamikumfang. Und das bei einem inzwischen sehr ansehnlichen Objektiv-Angebot. Die Sony A7II habe ich vor zwei Jahren einmal besessen, aber schon nach ein paar Wochen habe ich aufgegeben, die Bedienung war eine Katastrophe, die Kamera eine Technikklotz ohne Seele.

Canon und Nikon haben 2018 jeweils ihre ersten spiegellosen Vollformat Modelle vorgestellt. Ziemlich spät im Vergleich zu Sony, aber sie scheinen die Kurve bekommen zu haben, spätestens mit den im Jahr 2020 überarbeiteten bzw. neu erschienenen Nachfolgern. Aber hey, die Nikon Z6/Z7 sieht aus wie ein Kinderspielzeug und die Canon R5/R6 bewegt sich in Preiswelten, wo wir schon wieder bei beinahe bei der Leica wären. Und bleiben dabei dennoch irgendwie Plastikbomber.

Schließlich wäre da noch Panasonic, die wie Canon und Nikon auch 2018 ins spiegellose Vollformat eingestiegen sind – mit der Lumix S1. Spannend finde ich den etwas eigenen Weg, der sich unter anderem auch in der Kooperation mit Sigma und Leica zeigt – die drei Hersteller haben sich zusammen getan und haben gemeinsam die „L-Mount-Allianz“ ins Leben gerufen. Alle drei nutzen denselben Anschluss und entwickeln gemeinsam Objektive für den L-Mount. Damit sind die Linsen untereinander kompatibel. Noch ist das Angebot ziemlich überschaubar, eine klare Schwäche des Systems, aber das dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

Wenn Unternehmen andere Wege beschreiten, dann werde ich hellhörig. Und die L-Mount-Allianz kann uns – den Fotografen – auf jeden Fall viele Vorteile bringen. Was lag also näher, als die im September neu erschienene S5 einmal zu testen? Meister Camera als der Händler meines Vertrauens war so nett, mir die Kamera mit dem Kitobjektiv 20-60mm F3.5-5.6 für ein Wochenende auszuleihen.

Zur Technik der Panasonic Lumix S5

Panasonic hat die Lumix S5 mit einen Vollformatsensor mit 24 Megapixeln ausgestattet. Völlig ausreichend und eigentlich ein Sweetspot zwischen Auflösung und Komplexität. Denn je mehr Megapixel, desto mehr Mühe beim Handling (Speicherplatz, Geschwindigkeit, Verarbeitung in Lightroom) und desto höher die Gefahr des Rauschens. Und – wie ich bei der Leica M10-R lernen musste – desto weniger Fehler in punkto Schärfe „verzeiht“ die Kamera.

Dazu ein beeindruckender Dynamikumfang und ein Bildstabilisator, der 5-6 Blendenstufen ausgleichen soll. Das alles bei einer überschaubaren Größe, im Vergleich zu den Geschwistern S1-Reihe ist die S5 angenehm klein und ganz gut zu verstauen. Zumindest der Body. Das Technikdatenblatt klingt schon mal vielversprechend.

Die Ergonomie, das Handling

Vollformat ist oftmals wirklich groß und klobig. Panasonic hat es beim Einstieg vorgemacht und mit der S1 eine spiegellose Kamera auf den Markt gebracht, so groß wie eine Spiegelreflexkamera. Umso mehr war ich überrascht als ich im September 2020 die Veröffentlichung der S5 verfolgte. Sie ist kompakt und ergonomisch richtig gut durchdacht. Mit einer Hand kann ich sie problemlos halten. Auch der Ein- und Ausschalter klappt mit etwas Übung mit dem rechten Zeigefinger, d.h. ich kann die S5 aus dem Handgelenk sofort in den Einsatz bringen.

Liegt gut in der Hand. Hat ein praktisches schwenkbares Display. Und wirklich genial: Die Drei-Knopf Anordnung, direkt unter dem Auslöser.
Liegt gut in der Hand. Hat ein praktisches schwenkbares Display. Und wirklich genial: Die Drei-Knopf Anordnung, direkt unter dem Auslöser.

Die Drehräder haben die richtige Größe und zeigen die wichtigten Funktionen klar und übersichtlich. Am Besten gefallen mir die drei Buttons direkt unter dem Auslöser: Nebeneinander sind Weißabgleich-, ISO- und Belichtungskorrektur angebracht. Die Knöpfe mit dem Zeigefinger zu drücken und mit dem Daumen gleichzeitig das Wahlrad zu drehen klappt prima – ich habe das schon verinnerlicht, da stand der Schalter am Objektiv noch auf „manuell“.

Das Display lässt sich zur Seite ausschwenken und dabei einmal komplett drehen, d.h. Selfies sind super einfach und Filmer können sich selbst sehen. Ich habe weder ein Selfie gemacht, noch habe ich mit der Kamera auch nur eine Sekunde gefilmt (aber gerade dafür soll sie laut einiger Tests auch sehr geeignet sein). Aber ich habe das Display sehr zu schätzen gewusst. Aufnahmen aus Bodennähe sind super komfortabel und zusätzlich kann man auch wunderbar „um die Ecke“ fotografieren. Und auch der Sucher lässt für mich keine Wünsche öffnen. Hier gibt es nicht zu Meckern!

Ein Wort zum Kit-Objektiv

Mit ausgeliehen habe ich das Kit-Objektiv, das Panasonic zur S5 auch standardmäßig beilegt, ein 20-60mm F3.5-5.6. Ich bin kein Freund von Kit-Objektiven, ihr einziger Vorteil besteht darin, dass sie im Paket mit der Kamera äußerst günstig sind. Oftmals ist die Qualität aber auch dementsprechend.

Das Kit-Objektiv der S5: ein 20-60mm F3.5-5.6.
Das Kit-Objektiv der S5: ein 20-60mm F3.5-5.6.

Was bei den technischen Angaben auffällt sind zwei Dinge. Erstens ist der Brennweitenbereich von 20-60 Millimeter ziemlich ungewöhnlich. Da ich aber sehr gerne weitwinklig fotografiere und weniger im (auch im gemäßigten) Telebereich, finde ich das eine sehr interessante Spanne im Vergleich zur klassichen Zoombrennweite von 24-70 Millimeter.

Zweitens ist eine Anfangsblende von F3.5 natürlich deutlich weniger lichtstark als das, was ich sonst gewohnt bin. Und das merke ich direkt bei den ersten Aufnahmen. Als ich am Nachmittag die ersten Aufnahmen mache (und da steht die Fokussierung wie oben erwähnt tatsächlich noch auf „manuell“), ist es in Hamburg bewölkt und das grau in grau verlangt schon nach mehr Lichtstärke. Der Stabi gleicht das allerdings aus, und so kann ich Aufnahmen mit 1/10 Sekunde und länger ganz ohne Probleme machen.

Umgekehrt kann ich schon weit vor der absoluten Dunkelheit Langzeitbelichtungen durchführen. ISO runter, Stabi aus und die Blende ganz zu. Die Beugungsschärfe schlägt ziemlich heftig zu, aber es handelt sich ja auch „nur“ um ein Kit-Objektiv. Die Verzeichnung ist am weitwinkligen Ende extrem, kann in Lightroom aber korrigiert werden.

Kurzum: Diese Linse kann man sich zulegen, muss man aber nicht. Ich finde, wer sich eine spiegellose Vollformatkamera diesen Kalibers anschafft, kann sich auch ein hochwertiges Objektiv kaufen. Ein 20-60 anstatt eines 24-70 in einer Premium-Version fände ich jedoch durchaus spannend.

Was aus der S5 herauskommt

Die Ergebnisse haben mich wirklich begeistert – immer unter Berücksichtigung, dass eben dieses Kit-Objektiv keine Bestwerte erzeugen kann. Aber unabhängig davon ist der Dynamikumfang wirklich beeindruckend. Sowohl in den Höhen als auch – noch besser – in den Tiefen kann viel korrigiert werden, die S5 ist hier sehr dankbar. Ihr dürft natürlich nicht vergessen, dass ich Fuji Kameras mit ihrem kleineren Sensor gewohnt bin. Was ein Vollformatsensor im Unterschied zu APS-C leisten kann, wurde mir bei der S5 einmal mehr klar. Vor allem in der Landschafts- und/oder Lowlightfotografie ist der Unterschied von Vorteil. Auch das Rauschverhalten habe ich getestet, bis ISO 3.200 klappt das ohne Probleme, danach erkenne ich zumindest ein Rauschen, das mich stört. Auch hier ist der Vorsprung zu APS-C erkennbar. Aber seien wir ehrlich, er ist deutlich geringer. Rein subjektiv hätte ich mir bei der ISO Performance eine Schippe mehr versprochen.

Ein kompaktes und leistungsfähiges Gesamtpaket, ohne Frage. Ich bin durchaus angetan.
Ein kompaktes und leistungsfähiges Gesamtpaket, ohne Frage. Ich bin durchaus angetan.

Viele Erfahrungsberichte beleuchten das Thema Autofokus. Und gerade die S5 steht hier in der Kritik, nicht zeitgemäß zu sein. Sie verfügt nur über einen Kontrastfokus, laut vieler Fotografen deutlich zu wenig. Ich kann dazu wenig bis nichts sagen. Während meines Testwochenende habe ich den Autofokus kaum auf die Probe stellen müssen, ich habe hin und wieder auch manuell fokussiert. Die Bilder, die ich mit dem Autofokus gemacht habe, sind jedoch durchgehend scharf. Und wenn Du eine Unschärfe erkennst, dann liegt das an den geschlossenen Blendenwerten rund um F20 und F22. Wie oben schon beschrieben hat die Beugungsschärfe auf einigen meiner Beispielbilder gnadenlos zugeschlagen.

Und? Lege ich sie mir nun zu?

In der Regel weiß man nach einem gemeinsamen Wochenende, ob es klappen könnte oder ob nach dem ersten Rendezvous keine weiteren mehr folgen werden. Und so ist es auch mit der Panasonic Lumix S5. Ja, es könnte klappen. Die Kamera ist nicht zu groß, sie unterstützt mich mit ihrer Technik in allen relevanten Punkten und sie liegt auch noch richtig gut in der Hand. Ach ja, das Menü ist auch noch übersichtlich und intuitiv. Auf den ersten Blick passt es also.

Was hingegen fehlt ist die Emotion. Das Gefühl, das eine Leica M transportiert. Die Emotion einer Leica Q. Der Appeal einer Fuji X-Pro. Oder die Schönheit einer Fuji X100V. Ihr wisst es, ich mag den Retro-Style, ich mag die Seele dieser Kameras.

Aber ich mag ihr noch einmal eine Chance geben. Weil ich gut mit ihr kann. Und weil diese „L-Mount-Allianz“ eine verdammt gute Sache ist. Auch wenn die Panasonics noch eine Nische sind.

Erst kürzlich hat Sigma die Contemporary I-Series vorgestellt. Kleine, extrem hochwertige Objektive. Dazu noch mit einem Blendenring. Eine Objektivreihe, die wunderbar an die S5 passen könnte und dieser Kamera genau den mir fehlenden Retro-Touch geben könnte. Die ersten Testergebnisse sind jedenfalls schon mal sehr vielversprechend.

Und daher werde ich die S5 sicherlich noch ein weiteres Mal in die Hand nehmen!

Zum Weiterlesen

Beispielbilder

11 Gedanken zu „Mein Rendezvous mit der Panasonic Lumix S5“

  1. Hallo Florian,

    Ich bin durch Jörns Buch über die Fujifilm X 100V und dein darin enthaltenem Interview auf deine Webseite gelangt.

    Einige der Berichte/Erfahrungen habe ich bereits mit Interesse gelesen, vor allem deine Wanderung und die Bildstrecke dazu, fand ich sehr gut.

    Deine Erfahrung mit dem „Leica-Look“ hingegen, empfinde ich – allerdings auch bei anderen Bloggern – immer als ein bisschen zu ehrfürchtig vor einer Marke, die ihren Nimbus aus der Vergangenheit und einem unglaublichen Preismarketing bezieht. Werden alle „modernen“ Marken an dem technisch Machbaren zu vertretbaren Preisen gemessen, so ist man bei Leica immer irgendwie ein wenig nachsichtig. Natürlich besitzen die M-Modelle eine „gefühlte“ Wertigkeit, aber zu welchem Preis? Die Faszination dieser Marke ist gutes Marketing.

    Warum ich Dir aber einen Kommentar hinterlasse, ist dein Beitrag zum Kleinbildformat. In der Tat werde auch ich ständig von Zweifeln geplagt, ob APS-C wirklich ausreichend für meine Fotos ist, oder ob man doch auf das VF wechseln sollte.

    Im vergangenen Jahr habe ich mich dann im Frühsommer dazu entschieden, eine Nikon Z6 zu erwerben. Zu dieser Zeit war Nikon das Bashingthema in den einschlägigen Foren und bei den meisten Video-Verkäufern (Influencer).

    Klar, Nikon hatte in den vergangenen Jahren sehr viele Fehler gemacht, angefangen bei der Produktpolitik, über zu viele technische Fehler, bis hin zu einer nicht akzeptablen Liefersituation.

    Aber Nikon war aus meiner Sicht, beim Start des Z-Systems überhaupt nicht extrem falsch aufgestellt, im Gegenteil! Die Preise der Kameras waren im Vergleich zum Markt okay, und die Objektive waren keine seltsamen Exoten, wie Canon sie präsentierte und somit für normale Konsumenten ansatzweise bezahlbar. Ich glaub nicht, dass viele Enthusiasten sich derart schwere und teure Optiken wie das 2,0/28-70mm von Canon leisten können. Auch wenn diese Linsen natürlich in den Sozialen Medien für Furor gesorgt hatten.

    Aber außer den „Haben-Wollen“ Effekt, scheint der Nutzen fragwürdig.

    Also, ich habe mir die Z6 geholt. Mit dem Kit 24-70/4. Und deine Aussage, dass diese Kamera ein Spielzeug sein soll, kann ich absolut nicht nachvollziehen! Das Gehäuse machte einen absolut robusten Eindruck, ist wetterfest, die Tasten lassen sich mit einem fühlbaren Druckpunkt bedienen, der Auslöser ist butterweich und der Sucher (jedenfalls für mich) eine Offenbarung. Das Kit ist optisch sehr gut (sag nicht ich, sagen viele Testberichte), lediglich das arretieren im „Sleep-Modus“ finde ich nicht so toll, aber irgendwas ist ja immer.

    Aber gerade im Vergleich mit Panasonic finde ich deine Aussage überraschend! Denn was soll diese Kamera denn besser können als die Z6 ll? Gut, das ewige Thema des nicht Videotauglichem Display, das mag sein. Aber der Rest? AF? System? Preise? Handling? Software? Und was die Zukunftsperspektiven anbelangt, da wackelt Panasonic im Fotobereich ebenso wie Nikon, wenn nicht mehr.

    Ich möchte nicht, lieber Florian, deine Freude an der Panasonic schmälern, schließlich ist es ja gut, dass es mehrere Marken gibt und somit Auswahl, aber ich finde einfach deine pauschale Aussage gegenüber Nikon absolut falsch und diese bleibt auch noch unkommentiert deinerseits. Das finde ich irgendwie schwierig.

    Ich lade dich gerne ein, mal zusammen auf Tour zu gehen, dabei kannst Du dann mit meiner Nikon arbeiten und mir danach erklären, was daran so schlecht ist. Denn ich glaube, dass auch du hier einfach den negativen Berichterstattung gefolgt bist und dir kein eigenes, wirkliches Bild gemacht hast.

    Und im Vergleich Fuji zu Nikon? Hier bin ich bei Dir (und dem Leica-Gefühl), dass die Fuji mehr Spaß machen. Mit ihren vielen Ecken und Kanten. Würde ich aber professionell arbeiten, dann sehe es wahrscheinlich/vielleicht anders aus. Aber das muss ich nicht mehr, heute geht es nur noch um Freude an Technik & Fotografie.

    Grüße
    Walter

    Antworten
    • Hallo Walter,

      ganz herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar zu meiner Erfahrung mit der Panasonic Lumix S5. Ich freue mich immer wieder, dass meine Erfahrungen gelesen werden und umso mehr, wenn sich daraus auch ein Dialog ergibt. Ich schreibe Dir hierzu noch einmal separat per E-Mail.

      Zur Nikon Z-Serie: Ich habe (leider) gar keine Erfahrung mit den spiegellosen Nikons. Vor über zehn Jahren habe ich eine Nikon DSLR besessen, mit der ich wirklich total happy war – Bedienung, Handling, aber auch die Bildresultate. Und in der Tat wären die spiegellosen Nikons auch deshalb für mich eine Vollformatalternative.
      Wie ich im obigen Bericht geschrieben habe, sieht sie für mich aber aus wie eine Spielzeugkamera. Das ist natürlich total subjektiv und man könnte einwenden, dass das Aussehen einer Kamera völlig egal sein sollte/könnte. Auch daher mag ich so gerne Fuji und Leica. Weil sie einfach so schön aussehen und weil man sie gerne in die Hand nimmt. Über die Bildqualität kann ich wirklich gar nichts sagen, aber ich gehe davon aus, dass sie über jeden Zweifel erhaben ist. Ich lass mich gerne vom Gegenteil überzeugen und würde wirklich gerne einmal eine Nikon Z testen.

      Viele Grüße, Florian

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  2. Hallo Florian,

    ein sehr schöner Bericht, der mich deshalb interessiert hat, weil mich das Thema „Vollformat oder APS-C“ – konkret: L-Mount oder Fujifilm X – auch einige Zeit umgetrieben hat. Auch für mich ist die Reisefotografie ein wichtiges Thema und natürlich fotografiere ich alles Mögliche in meinem Umfeld, Architektur, Natur, Makros, wenn ich nicht verreise.

    Mit Nikon-Geräten habe ich ca. 30 Jahre fotografiert, zuletzt mit D800 und den üblichen dicken Gläsern. Dadurch, daß Objektive und Kameras immer größer, auffälliger und schwerer wurden, habe ich vor einigen Jahren entschieden, daß dieses System nicht mehr für meine Reisefotografie geeignet ist, habe bis auf die letzte analoge F6 alles verkauft und bin ins Fuji-X-System eingestiegen. Ich wollte mich zum einen nicht mehr zum Lastenesel meiner selbst machen, zum anderen wurde ich in zunehmendem Maße von Aufsehern bei Sehenswürdigkeiten „angepflaumt“, die mir das Fotografieren untersagen oder nur gegen eine saftige Gebühr ermöglichen wollten, weil ich Profi sei (große Geräte!). Und da ich solche Diskussionen z.B. auf Russisch, Ukrainisch, Rumänisch……….. nicht führen kann, habe ich auf das kleinere Fujifilm X-System umgestellt und auf eine gewisse Unauffälligkeit der Gerätschaften geachtet. So weit, so gut.

    Inzwischen ist Fujifilm allerdings auch auf die Technik-„Geek and Freak“-Linie eingeschwenkt (X-T4, X-Pro3, X100V, X-S10). Die Menüs sind inzwischen unübersichtlich wie die von Sony, weil jeder Killefitt, der Fujifilm aus scheinbar berufenem Munde zugerufen wird, hinein programmiert wird und natürlich ausufernde Video-Fähigkeiten, die mich nicht interessieren, eingebaut werden. Im Gegenzug werden Direktzugriffstasten abgeschafft, weil man sich einen cleanen Leica-Look aus Marketing-Gründen verschaffen will. Durch beide Maßnahmen werden die Kameras deutlich schlechter bedienbar als ihre Vorgänger. Ich jedenfalls habe X-Pro3 und X100V nach 1/4 Jahr der Nutzung u.a. aus dem oben genannten Grund wieder verkauft und bleibe bei meinen älteren Gehäusen X-H1 und X-E3 für die Reisefotografie.

    Die X100V wurde durch eine Leica Q ersetzt, die ich von ihrer unkomplizierten Bedienung und ihrem äußerst sparsamen Menu sehr schätze; die Bildqualität des Vollformatsensors iVm dem Summilux 1,7/28 ist einfach umwerfend. Eins führt bekanntlich zum anderen: So wuchs bei mir der Wunsch, auch wieder eine Vollformatkamera mit Wechselobjektiven zu haben und ich entschied mich wegen des Bildlooks, der sparsamen aber logischen Ausstattung mit Bedienelementen und des übersichtlichen Menüs (z.B. ohne 18 Filmsimulationen) für die Leica SL. Nein, ich bin kein Krösus, man kann diese Kameras in Wetzlar im Werksverkauf, kaum gebraucht, refurbished und mit Werksgarantie, zum Preis eines neuen japanischen Technikboliden der Mittelklasse erwerben. Und es müssen auch nicht unbedingt 5000-€-Leica-Gläser dran: Die Lumix-S-Objektive – insbesondere die „Certified by Leica“ ausgezeichneten – sind sehr gut, auch nicht unbedingt Schnäppchen, aber das sind Canon-R- und Nikon-Z-Objektive auch nicht mehr, passen aber dank L-Mount an die SL und liefern daran sehr gute Ergebnisse ab.

    Und jetzt komme ich zum Punkt: Abgesehen von dem gar nicht mal so schlechten und vom Brennweitenbereich sehr interessanten 20-60er gibt es von Panasonic zu der an sich reisefotografietauglichen S5 außer dem 1,8/85 keine kleinen, für Reisefotografie geeigneten Objektive. Ja, es gibt die praktischen kleinen Objektive der i-Serie von Sigma, die von der Bildleistung solide bis sehr gut sind, von der Fassungsqualität ausgezeichnet, aber nicht nur einen Sigma-eigenen Farblook mitbringen, der mir persönlich nicht gefällt, sondern auch die Sony-E-Bedienlogik haben, und die ist gegenüber der Leica-/Lumix-Bedienlogik genau umgekehrt, weshalb ich Sigma 2/35, 2,8/45 und 5-6,3/100-400 OIS nach kurzer Zeit wieder verkauft habe. Die Lumix-S-Objektive, außer den beiden oben genannten, sind aber so groß, auffällig und z.T. auch schwer (ich habe 4/16-35, 4/24-105 OIS, 1,4/50 und 4,5-5,6/70-300 OIS), daß auch eine „kleine, leichtere“ Lumix S5 diese Vollformater – jedenfalls für mich – nicht reisefotgrafietauglich macht.

    Daher habe ich für mich entschieden, mit 2 Systemen zu fotografieren, Fuji-X für die Reise, Leica SL für stationär. Und nein, es ist gar nicht mal so viel aufwendiger und teurer als 1 System für alles: Früher hatte ich 10-12 Fujifilm-X-Objektive, um alles abdecken zu können, heute habe ich davon noch 4 für die Reise und ein Makro, sowie 4 Objektive für das Vollformatsystem. Und eins will ich noch hinzufügen: Die Leicas und auch älteren Fujis haben den „Look and Feel“, den ich mag (die neueren Fujis nur noch den „Look“), mit dem ich gerne fotografiere. Die Lumix S5, die m.E. technisch eine wirklich ausgezeichnete Kamera ist, hat den für mich nicht!

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    • Danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar, das ist ja nicht nur wegen der Länge schon fast ein eigener Artikel eigentlich. Ich finde die Sichtweise sehr spannend, dass Du die älteren Fujis auf der einen Seite hast und ein Vollformat-System, wenn Du nicht auf Reisen bist. So ähnlich könnte es bei mir in Zukunft auch sein. Vielleicht auch ein GFX Mittelformatsystem?
      Ich werde hierzu sicherlich auch in der Zukunft weiter schreiben, im Augenblick bin ich mit dem X System immer noch sehr happy … Deine Punkte mit dem Look & Feel kann ich absolut verstehen. Mir geht es ganz ähnlich!

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  3. Hallo Kater Carlo, bei der Bedienung der neuen Fujififilm – Kameras bin ich ganz bei dir, z.B. u.a. bei der E4 fehlt mir das 2 Drehrad und der Fokusmodus – Schalter.
    Darum habe ich mir eine gebrauchte Fujifilm X-T20 gekauft. Ich gebe mein Geld für
    Foto – Touren aus. Die Kunst ist mit den Zufrieden zu sein was man hat bzw. sich leisten kann. Man muss nicht alles kaufen man kann z.B. KB Kamera leihen.
    Florian Renz wie wäre ein Vergleich der Foto – Qualität mit X-T30 + T30 II + E4.
    Schöne Grüße aus dem Schwarzwald Jens Paul.

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    • Hallo Jens, die Bildqualität sollte bei XE-4, X-T30 und X-T30II identisch sein, es ist derselbe Sensor verbaut mit den 26MP verbaut. Zum Vorgänger sollten die Unterschiede auch nur marginal sein, außer den 2MP. Die Unterschiede bei den Modellen liegen eher im Handling, der Performance, zusätzlichen Funktionen und der Software. Viele Grüße, Florian

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  4. …spannend, und für mich sehr hilfreich. Nach vielen Jahren Pause binI ich wieder zur Fotografie gekommen. Als in den Foto Fachgeschäften nur noch Pixel- Roboter zu finden waren, hatte ich die Lust verloren und meine komplette Analog-Ausrüstung verkauft. Canon,Minolta , Zeiss und einige andere Marken wurden gewandelt in Euro. Erst als meine Tochter sich für eine Reise um die Welt vorbereitet hat und ihren alten Vater um Ratschläge für ein Fotoequipment bat, kehrte vor 2 Jahren meine Lust am Bild zurück. Nun bin ich bei der Lumix S5 gelandet und habe sie mit dem Sigma 28-70 mm f/2.8 gekoppelt. Eine Vernunft- Ehe, für eine Liebesheirat mit Fuji , Olympus oder gar Leica fehlt mir der Mut. Noch !.? 2023 sind meine fotografischen Flitterwochen, und wenn die Bilder- Liebe bestand haben sollte, könnte ich mir mit einer Fuji oder Olympus auch eine Geliebte vorstellen. Könnt ihr das nachvollziehen ? Grüße von Bernd Schubert aus Oberbayern

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    • Lieber Bernd. Ich kann das total nachvollziehen. Ich würde einfach mal mit einer gebrauchten Fuji wie der X100F, der X Pro 2 oder der X-E3 beginnen, einer der älteren Modelle, die günstiger gebraucht zu haben sind. Dazu eine lichtstarke Festbrennweite und fertig ist Deine „Geliebte“. Probiers aus! Das geht mit wenig Mut.
      Grüße, Florian

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