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Auf den Spuren der Geschichte. Ausflug nach Danzig.

Sie gilt als die stolzeste Perle an der Ostsee. Seit hunderten von Jahren ein Handelszentrum und seit jeher auch im Fokus der Geschichte, allen voran natürlich als Auslöser des Zweiten Weltkriegs an der Westerplatte. Danzig, im polnischen Gdansk, ist eine Reise wert, ob kulturell oder geschichtlich. Oder eben beides.

Vom Flughafen Lech Walesa sind es nur 20 Minuten bis in das Zentrum von Danzig, das sich in die Rechtstadt und die Altstadt aufteilt. Touristisch im Fokus ist dabei die Rechtstadt, hier finden sich etwa das bekannte Krantor, das Mottlauufer, das Grüne Tor und der Langen Gasse.

Blick auf die Mottlau, im Hintergrund ist das Krantor zu erkennen.
Blick auf die Mottlau, im Hintergrund ist das Krantor zu erkennen.

Praktischerweise sollte man für Danzig drei Tage einplanen. Einen (vermutlich gleich den ersten) Tag für einen Spaziergang durch die Rechtstadt und die Altstadt, einen Tag für die fantastischen Museen der Stadt und schließlich einen Tag für einen Ausflug nach Novy Port, Oliva und Sopot.

Architektonisch herausragend ist vor allem die Lange Gasse zwischen dem Goldenen und dem Grünen Tor. Tagsüber schieben sich allerdings Unmengen von Touristen durch diese Prachtstraße. Zu den vielen Reisebussen mit deutschen Rentnern gesellen sich auch immer mehr Kreuzfahrtreisende, die für einen Tagesstop auch Danzig ansteuern. Früh morgens und spät abends ist nicht nur weniger los, sondern auch das Licht viel schöner. Ebenso sollten die beiden Aussichtspunkte des Rechtstädtischen Rathauses und der imposanten Marienkirche kurz nach der Öffnung oder kurz vor Schließung besucht werden. Die Aussicht lohnt sich in jedem Fall und man bekommt einen ersten Eindruck über die 460.000 Einwohner Metropole und deren Lage in der Nähe zur Ostsee an Weichsel und Mottlau.

Das rechtstädtische Rathaus und die Lange Gasse (von der Marienkirche aus gesehen).
Das rechtstädtische Rathaus und die Lange Gasse (von der Marienkirche aus gesehen).

Mit den Gewässern ist es etwas kompliziert hier in Danzig. Die bekannte Uferpromenade erstreckt sich entlang der Mottlau. Diese wiederum fließt in einen Seitenarm der Weichsel, der so genannten „Toten Weichsel“, die an der Westerplatte in die Ostsee mündet. Die eigentliche Weichsel, immerhin der längste Fluss von Polen, fließt genaugenommen gar nicht mehr durch Danzig, sondern mündet einige Kilometer östlich in die Danziger Bucht.

Um die Stadt herum fallen neben dem vielen Wasser vor allem die Hafenanlagen und Werften auf. Hier schlug 1980 die Geburtsstunde der Solidarnosc-Bewegung und mit einem zugegebenermaßen etwas polnischen Blick auf die Geschichte auch der Startschuss für den Fall des Eisernen Vorhangs 1989. An dieser Stelle ist das Europäische Zentrum der Solidarnosc zu empfehlen. Ein vor wenigen Jahren errichteter Neubau birgt ein sehr anschauliche Museum der Solidarnosc Bewegung. Verpassen sollte man auch auf keinen Fall eine Liftfahrt auf das Dach des Gebäudes, mit einem hervorragenden Blick auf die Altstadt und das Werftgelände.

Im Europäischen Zentrum der Solidarnosc.
Im Europäischen Zentrum der Solidarnosc.

Dienstags ist übrigens Museumstag, das heißt, dass in allen Häusern der Stadt gilt freier Eintritt. Mein Besuch fiel in der Tat auch auf solch einen Dienstag, der zudem auch noch verregnet war. Entsprechend voll sind dann die Museen und man sollte schon am Vormittag sein kostenloses Ticket ziehen um lange Schlangen zu vermeiden – oder sogar wegen Überfüllung abgewiesen zu werden.

In Danzig sind mehr oder weniger alle Highlights fußläufig zu erreichen. So ist es vom Solidarnosc Museum auch nicht weit zum zweiten großartigen Haus, dem Museum des Zweiten Weltkriegs. Der Rundgang durch die erst 2017 eröffnete Ausstellung beginnt mit dem Versailler Vertrag, räumt dem Kriegsbeginn mit den ersten Schüssen von der Westerplatte 1939 einen großen Raum ein und endet mit den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki. Im Fokus dabei natürlich immer die besondere Rolle der polnischen Nation zwischen den Deutschen und den Russen und der „noch spezielleren“ Position von Danzig. Das Museum habe ich (wie auch die Solidarnosc-Ausstellung) als äußerst beeindruckend wahrgenommen. Die Gestaltung ist interaktiv, im Laufe des Rundgangs passiert man einen Nachbau einer Danziger Einkaufsstraße kurz vor dem Krieg und später läuft man dann durch eine völlig zerstörte Straßenszenerie. Viele Touristen verbinden die Museen mit einer Schiffahrt zur Westerplatte und dem Besuch des dortigen Denkmals. Ich habe das bei meinem ersten Besuch in Danzig als Student schon einmal gemacht, daher verzichte ich auf den mehrstündigen Ausflug. Am kommenden Tag komme ich aber mit dem Fahrrad der Westerplatte äußerst nahe – und das ist die bessere Variante.

Im Museum des Zweiten Weltkriegs.
Im Museum des Zweiten Weltkriegs.

Überall in der Stadt sind Fahrräder zu mieten (übrigens auch E-Scooter und Roller können problemlos via App angemietet werden), jedoch sind Fahrradwege recht rar und generell wechselt Kopfsteinpflaster mit nur mäßig ebenen Asphalt ab. Dies ist der Grund, warum in der Regel nur Mountainbikes mit extra dickem Profil gemietet werden können, der Zustand ist zudem häufig fragwürdig – ich hatte mit meinem Rad gleich drei Pannen. Fahrradstadt ist Danzig bislang genauso wenig wie Fahrradvermieterstadt. Wer es aber versucht und Glück hat, der bekommt ein deutlich anderes Danzig zu Gesicht als nur die Hochglanz-Postkarten-Ansichten der Langen Gasse. Ich radele an den Werftanlagen vorbei, durch Wohnsiedlungen der 70er Jahre. Auf dem Weg in das mondäne Sopot passiere ich das bernsteinfarben leuchtende Stadion Energa Gdansk und die Arbeiterstadt Novy Port.

Hier lohnt sich der Besuch des Danziger Leuchtturms aus zweierlei Hinsicht. Erstens befindet sich der im viktorianischen Stil erbaute Leuchtturm direkt gegenüber von der Westerplatte (und von hier fielen auch die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs) und zweitens ist der Leuchtturm das letzte Exemplar weltweit, das mit einer Zeitkugel Seefahrern die genau Zeit übermittelte – wie früher auch in Greenwich. Eine kleine Fotoausstellung und eine nette Sitzgelegenheit runden diesen Ausflug auf dem Weg nach Sopot ab.

Die Seebrücke in Sopot. Im Hintergrund ist das Grand Hotel zu erkennen.
Die Seebrücke in Sopot. Im Hintergrund ist das Grand Hotel zu erkennen.

Sopot selbst ist das Seebad der Danziger und seit jeher beliebtes Ausflugsziel der Städter, ob zum Baden, Entspannen oder Flanieren. Dem Ort kann man ein gehobenes Flair auf keinen Fall absprechen. Der Strand in der Danziger Bucht ist alleine schon sehenswert, aber die schneeweisse Seebrücke (die längste ihrer Art in Europa) und das Grand Hotel in Sopot versprühen eine ganz eigene Eleganz. So wundert es auch nicht, dass für die Seebrücke ein Obolus entrichtet werden muss und die Preise generell deutlich höher liegen als „drüben“ in Danzig (immer noch deutlich unter deutschem Niveau).

Sopot ist nicht nur mit dem Rad gut (1,5 Stunden) zu erreichen, sondern auch mit der Bahn. Vom Hauptbahnhof Danzig fahren alle paar Minuten Züge nach Sopot, für umgerechnet gut einen Euro ist man in 15 Minuten direkt am Meer. So ist auch ein kurzer Ausflug von Danzig aus unkompliziert und schnell möglich. Erwähnenswerte Abstecher sind die Strände von Brezno oder die Vorortidylle von Oliwa.

Um einen Besuch in Danzig kulinarisch abzurunden rate ich vom berühmten Goldwasser dringend ab, dafür aber die verschiedenen Pierogy zu probieren. Mein Tipp für die Stadt ist das kleine Restaurant Nova Pierogova. Aus regionalen Zutaten werden die berühmten polnischen Teigtaschen serviert – mit den Varianten Pierogi Ruskie (Käse, Kartoffeln, Zwiebeln), Pierogi z Lososiem (Lachs, Tomaten, Käse, Basilikum) und Pierogi Wegetarianskie (Spinat und Fetakäse) habe ich gleich drei verschiedene Arten getestet und kann sie alle uneingeschränkt empfehlen.

Pierogi Ruskie (links) und Pierogi z Lososiem.
Pierogi Ruskie (links) und Pierogi z Lososiem.

Was gibt es noch zu empfehlen? Mein Lieblingscafé in Danzig wäre das Jozef K im Industrie-Style der 50er Jahre. Unzählige alte Souvenirs wie Telefone, Filmzubehör, antike Lampen und Wasserrohre/-armaturen aus den Nachkriegsjahren versprühen einen ganz eigenen Charme. In Kombination mit einem wirklich guten Kaffee.

Die Frauengasse.
Die Frauengasse.

Und schließlich darf ein Besuch in der Frauengasse nicht fehlen. Auch hier gilt: Am besten spät abends in der Dämmerung, wenn die um Bernstein feilschenden Touristen in den Restaurants sitzen. Dann ist auch die Zeit des Fotografierens gekommen. Danzig bietet mit den Wasserspiegelungen unglaublich schöne Motive. Das Krantor, das Grüne Tor, die eben genannte Frauengasse und einmal mehr die Lange Gasse sind sicherlich die Top-Locations. Entlang der Mottlau existiert seit kurzer Zeit auf beiden Seiten des Flusses eine Promenade und so kann auch die „bekannte“ Seite von Danzig aus noch mehr Perspektiven abgelichtet werden.

Das Krantor an der Mottlau.
Das Krantor an der Mottlau.

Danzig mag als Städteziel deutlich weniger bekannt sein als Barcelona, Rom oder Paris. Bietet jedoch für einen drei- bis fünftägigen Ausflug sehr viel Abwechslung, geschichtliches Interesse vorausgesetzt.

Eine Auswahl an Bildern findest Du hier.

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