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Lomografie für Anfänger: MIR 37mm f2.8 mit gedrehtem Frontelement

Ich nutze immer wieder gerne „Altglas“ an meinen Digitalkameras, also Objektive aus den letzten 70 Jahren, die für analoge Kameras hergestellt wurden, an modernen Sensoren aber eine vergessen geglaubte Charakteristik zu Tage bringen können (hier habe ich dazu schon berichtet).

Bei eBay habe ich diesen Sommer einen russischen Nachbau des legendären DDR Objektivs Zeiss Flekatgon 35mm von Carl Zeiss Jena erworben, gebaut ab Mitte der 1950er Jahre. Die zehn Lamellen des MIR 37mm f2.8 sorgen für ein besonderes Bokeh, es gilt als kleine Schwester des bekannten und bei Altglasnutzern sehr beliebten Helios 44. Mein Exemplar hat einen M42 Anschluss und ist sowohl mit einem Speedbooster aber auch mit einem einfachen Konverter problemlos zu adaptieren. Der eigentliche Clou liegt aber darin, dass das Frontelement unproblematisch entfernt und umgedreht werden kann.

Das MIR 37mm f2.8 an der Fuji X Pro2 (mit K+F Adapter M42-FX)
Das MIR 37mm f2.8 an der Fuji X Pro2 (mit K+F Adapter M42-FX)
Zwischen 30 und 50 Euro ist der Marktpreis bei eBay
Zwischen 30 und 50 Euro ist der Marktpreis bei eBay

Was das bringt? Die Adjustierung erzwingt eine konkave Linsenform, die ausschließlich das Objekt in der Bildmitte scharf erscheinen lässt. Alles was nicht unmittelbar in der Mitte ist, wird wunderbar verzerrt und unscharf. Eine Homage an die Lomografie-Bewegung – als gehackte russische Vintagelinse quasi in Reinkultur.

Wie ich darauf aufmerksam geworden bin? Ich bin über einen Blogartikel und das dazugehörige Video von Mathieu Stern gestolpert und seine Bilder und Videoaufnahmen haben mich sofort begeistert. Du kannst das Videotutorial hier sehen, inklusive einer Umbauanleitung, die wirklich sehr einfach ist. In wenigen Minuten hatte ich mein MIR 37mm f2.8 Objektiv entsprechend umgebaut und die Linse „von konvex in konkav“ gecheatet.

Nach dem Umbau: Das Frontelement ist extrem stark nach innen gewölbt ("konkav")
Nach dem Umbau: Das Frontelement ist extrem stark nach innen gewölbt („konkav“)

Dieser Objektiv-Hack macht wirklich Spaß und gibt die Möglichkeit, völlig andere Bilder zu machen. Es ist extrem schwierig genau in der Mitte scharf zu stellen (das Objekt muss wirklich exakt in der Mitte positioniert werden). Außerdem zwingt die Naheinstellgrenze von 70cm dazu, eher mittlere oder weiter weg entfernte Ziele zu testen. Ich habe ein paar Aufnahmen sowohl zuhause als auch im Hamburger Hafen gemacht. Es bedarf etwas Übung, die Führung des Objektivs finde ich sehr anspruchsvoll. Die Ergebnisse wissen jedoch zu gefallen.

Beispielbilder MIR 37mm f2.8

Das MIR 37mm f2.8 bei Offenblende und mit maximaler Nähe zum Objekt (Naheinstellgrenze 70mm). Die etwa 40 cm hinter dem Objekt angebrachte Lichterkette zeigt den Effekt sehr schön: Je weiter es zum Rand geht, desto stärker wird die Verzerrung.
Das MIR 37mm f2.8 bei Offenblende und mit maximaler Nähe zum Objekt (Naheinstellgrenze 70mm). Die etwa 40 cm hinter dem Objekt angebrachte Lichterkette zeigt den Effekt sehr schön: Je weiter es zum Rand geht, desto stärker wird die Verzerrung.
Hier zeigt sich die Schwierigkeit beim Fokussieren und "mittig" positionieren: Das Gesicht ist nicht ganz in der Mitte. Daher ist das linke Auge zwar scharf, nicht mehr aber das rechte Auge. Schuld ist nicht die Tiefenebene, sondern die Randlage außerhalb der Mitte.
Hier zeigt sich die Schwierigkeit beim Fokussieren und „mittig“ positionieren: Das Gesicht ist nicht ganz in der Mitte. Daher ist das linke Auge zwar scharf, nicht mehr aber das rechte Auge. Schuld ist nicht die Tiefenebene, sondern die Randlage außerhalb der Mitte.
Im Hamburger Hafen mit dem MIR 37mm f2.8
Im Hamburger Hafen mit dem MIR 37mm f2.8: Auf die Ferne funktioniert der Effekt wunderbar.

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