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Kultur, Kulinarik und Wandern – was man in Oslo alles machen kann

Die norwegische Hauptstadt Oslo besitzt das Image der aufgeräumten, überschaubaren und dennoch lebenswerten Stadt im Norden. Nicht wirklich viele Sehenswürdigkeiten, wechselhafte Wetterbedingungen und stolze Preise für das leibliche Wohlbefinden machen Oslo durchaus zu einem anspruchsvollen Touristen-Pflaster. Im August war ich ein paar Tage in Oslo und habe die Stadt von ganz unterschiedlichen Seiten kennengelernt.

Wenn man nicht gerade mit dem Auto und/oder der Fähre ankommt, ist der Flughafen Gardemoen der erste Berührungspunkt mit der norwegischen Hauptstadt. Bei den Einheimischen extrem unbeliebt aufgrund der Lage in einer Nebellandschaft und der angeblichen Unzuverlässigkeit was Pünktlichkeit und Gepäckabfertigung angeht, habe ich Gardemoen bei jeder meiner Reisen als äußerst angenehmen Flughafen erlebt. Der Anschluß an die Innenstadt ist extrem gut, regelmäßig fahren Expresszüge und etwas günstigere, aber fast genauso schnelle Regionalzüge nach Oslo-Sentralstasjon, dem Hauptbahnhof. Dieser gilt gleichzeitig als perfekter Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang, darum soll es von hier auch losgehen.

Das Wahrzeichen von Oslo: Die Oper.
Das Wahrzeichen von Oslo: Die Oper.

Was die Elbphilharmonie für Hamburg, ist die Oper für Oslo. Das Bauwerk ist beinahe ähnlich auffällig; Diskussionen um Sinn, Unsinn und Kosten des Projektes sind in beiden Städten ebenso bekannt wie Verzögerungen im Bau und der anschließenden Liebe der Bevölkerung zu ihren neuen Sehenswürdigkeiten. Nur wenige Schritte vom Hauptbahnhof entfernt, liegt die Oper direkt in der Nordsee, mit Anleihen an einen Eisberg. Das wirklich Besondere ist, dass das Dach der Oper begehbar ist, ein Großteil der Fläche kann entweder zu Fuß betreten oder mit einem E-Roller befahren werden (ich bin mir aber sicher, dass dieser Praxis schon bald ein Riegel vorgeschoben wird).

Die Oper kann auch von innen besichtigt werden, schon das Foyer ist ein architektonischer Traum, das sollte nicht verpasst werden. Wenige hundert Meter von der Oper entfernt befindet sich mit dem SALT, das krasse Gegenstück zur Oper – und es zeigen sich schon zu Beginn dieses kurzen Rundgangs die Gegensätze, die Oslo zu bieten hat.

Das SALT ist ein lebendiges Kunstprojekt, das die Form der Pyramide architektonisch in vielfacher Weise reproduziert. Es ist fast ein kleines Dorf, bestehend aus verschiedenen Gebäuden, die Filmvorführungen, Saunaaufgüsse, aber auch Essen- und Trinken bieten. Und damit ist das SALT Dorf auch ein beliebter Ort für das Feierabendbier der Osloer (angeblich befindet sich hier auch einer der größten Saunen der Welt).

Der "Tunnel" des Salt-Projektes
Der „Tunnel“ des Salt-Projektes

Direkt hinter dem SALT Projekt schließt sich die Festung von Oslo an, die Akershus Festning. Die Anlage aus dem 13. Jahrhundert ist eine gelungene Abwechslung zur sonst eher hektischen Stadt. Zwischen den ehemaligen Gutshäusern hindurch, kann man in kleine Parks wandern und vergessen, dass man sich gerade in der Hauptstadt Norwegens befindet. Vorbei an altern Mauern, dem Militärmuseum und wunderbaren Aussichtspunkten auf die Nordsee kommt man schließlich zum Neuen Fährhafen, der das Rathaus und das Nobel-Zentrum beherbergt (was während meines Besuchs gerade renoviert wurde).

Von hier aus eignet sich der Sprung auf die Karl Johans Magistrale, die wichtigste Straße von Oslo. Sie durchquert die Stadt einmal vom Bahnhof bis zum Schloß, wo der norwegische König Harald V. mit der Königin Sonja residiert, sofern die Fahne gehisst ist. Direkt hinter dem Schloss beginnt eine weitere wunderbare Parkanlage, die schließlich in ein mondänes Wohnviertel übergeht, das sich bis zum Vigelandparken zieht.

Dabei handelt es sich um eine der Hauptattraktionen, nämlich eine Sammlung von über 200 Statuen des Bildhauers Gustav Vigeland. Wer Statuen liebt, der wird begeistert sein, alle Anderen habe die Gelegenheit zu einem netten Spaziergang, mehr aber auch nicht. Wenn Du Vigelanden nicht besuchst, dann wirst Du nur wenig verpasst haben.

Im Vigelandparken
Im Vigelandparken

Alle bisher beschriebenen Sehenswürdigkeiten sind gemütlich an einem Tag abzuwandern – wahlweise natürlich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit E-Scootern. Beides ist in Oslo problemlos möglich.

Bei schlechtem Wetter lohnt sich der Abstecher auf die Museumsinsel, hier ist allen voran das Frammuseum zu nennen. Ausführlich wird über die norwegische Seefahrt informiert, unter anderem kann die „Fram“, das Expeditionsschiff von Roald Amundsen, besichtigt werden. Die Geschichte des Rennens um die Eroberung des Südpols wird lebhaft und sehr lohnenswert beschrieben.

Ein Gutwetterausflug ist der Trip zum Holmenkollen, der ältesten und traditionellsten Skisprungschanze der Welt. Mit der Linie 1 kann man in 23 Minuten direkt vom Nationaltheater zur Station Holmenkollen fahren; die Bahn „klettert“ die Berge von Oslo Stück für Stück hinauf, so dass die Fahrt an sich schon ein Erlebnis ist. Von der Bahnstation aus ist es noch etwa eine Viertelstunde bis man an der Schanze ist.

Wie eine Schlange am Berg: Die Holmenkollen Skisprungschanze
Wie eine Schlange am Berg: Die Holmenkollen Skisprungschanze

In die Schanze ist ein Skimuseum integriert, im Skimuseum wiederum befindet sich auch der Besucheraufzug auf den Schanzenturm. Es lohnt sich wirklich, direkt zur Öffnung des Museums da zu sein, ansonsten droht eine sehr lange Warteschlange, da der Aufzug nur eine kleine Kapazität hat und die Fahrt „nach oben“ dauert. Die Aussicht lohnt auf jeden Fall – der Ausflug zur Schanze war für mich jede Minute wert.

Von hier aus habe ich mich auf eine Halbtageswanderung durch die Nordmarka begeben, dem Naherholungsgebiet der Osloer. Von der Schanze aus folge ich der Straße Holmenkollveien bis nach drei Kilometern die Straße einen harten Knick macht. Hier geht es für etwa fünf Kilometer quer durch die Nordmarka bis zum Wanderheim Ullevalseter. Parallel befinden sich Wege für Langläufer, Forstwege und schmale Wanderpfade – letztere bieten die schönste Route. Im Wanderheim werden Kaffee, Tee und Zimtschnecken geboten und hier ist man wirklich von jedem Trubel einer Großstadt entfernt und kann die norwegische Einsamkeit schon genießen. Durch die wunderbare Seenlandschaft von St. Aklungen geht es von hier aus noch einmal etwa fünf Kilometer bis zur U Bahn Station von Sognsvann – von hier ist man wieder in 21 Minuten am Hauptbahnhof. Zusammen mit dem Besuch der Holmenkollen-Schanze ist diese Wanderung von etwa 15 Kilometern ohne steile Anstiege inmitten der wunderbaren Nordmarka ein perfekter Tag „draußen“ – für jeden Oslo Besucher.

In der Nordmarka
In der Nordmarka

Abschließend noch meine Gastrotipps – und ja, Oslo ist natürlich sehr teuer. Das muss man einfach abschütteln und „vergessen“. Dann kann man in Oslo ausgezeichnet essen und trinken.

  • Direkt an der Nordsee: Natürlich gibt es in der norwegischen Hauptstadt frischen Fisch und Meeresfrüchte. Das Fiskeriet Youngstorget ist ein kleines Restaurant, das in den bestehenden Fischhandel integriert wurde: Fischsuppe, Fish & Chips, Krabben, Ceviche. Es gibt wirklich alles, was das Herz begehrt. Abends muss allerdings reserviert werden.
  • Achtung Hipster Alarm: Im Foodcourt Oslo Street Food ist die junge Szene von Oslo beim Essen zuhause. Aus türkischer, italienischer, griechischer, japanischer, vietnamesischer, peruanischer, und mexikanische Küche kann gewählt werden, auf Wunsch vegan inklusive Beyond Burger. Abgerundet wird das Ganze durch eine Bar mit einem hervorragenden Craft Beer Angebot. Zudem noch fair für norwegisches Preislevel.

Oslo ist auf jeden Fall einen Ausflug wert, in zwei bis drei Tagen sollte man jedoch schon alles gesehen haben und – zum Beispiel – ins Fjordland weiterziehen (dazu demnächst mehr).

Eine Auswahl an Bildern findest Du hier.

Mein Linktipp ist der Bruder Leichtfuss, dessen Bericht mich durchaus zu dem ein oder anderen Ausflug inspiriert hat (wie man unschwer erkennen kann):

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