Die Leica M10 (Review): Eine Kamera mit Herz. Und ein Review, das von Herzen kommt.

Seit über einem Jahr ist sie meine erste Wahl: Die Leica M10. Eine Kamera ohne Autofokus, ohne IBIS und technisch nicht mehr ganz so up to date. In wenigen Monaten wird es nämlich schon sieben Jahre her sein, dass die Leica M10 in Wetzlar vorgestellt wurde. Aber nicht nur, dass sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, sie ist auch sonst mit ganz schön viel Limitierungen ausgestattet. Wie kann es also sein, dass ich sie so intensiv nutze? Dass sie zum Beispiel auch meine Hauptkamera auf meinen Reisen nach Indien, Südafrika und Japan war?

Die Leica M10 mal ganz nüchtern betrachtet

Falls Du mit den M Kameras von Leica eher weniger vertraut sein solltest, dann stell‘ Dir die M10 erst einmal als kleinen, aber durchaus gewichtigen Kasten vor. Du wirst merken, dass der Klotz nicht so richtig gut in der Hand liegt. Ja, diese kleine Öffnung am linken oberen Rand ist tatsächlich der Sucher, durch den Du auch kein digitales Display sehen wirst. Dafür zeigen Dir kleine Linienpaare an, wo ungefähr (!) Dein Bildausschnitt beginnt und endet. Alles unter 28mm musst Du schätzen, alles über etwa 75mm wird echt tricky, dann siehst Du nämlich nur noch eine kleine Briefmarke in Deinem Sucher. Ach so, ich wünsche Dir gute Augen und dass Du ohne Brille fotografieren kannst. Sonst wird’s nämlich nicht gerade komfortabler.

Das Fokussieren ist mechanische Handarbeit und ich kann Dir versprechen, dass die ersten Bilder nie und nimmer scharf werden. Du wirst damit üben müssen, bist Du verinnerlicht hast, wie dieses Messsuchersystem wirklich funktioniert. Und vielleicht wird das auch für Dich der Grund sein, warum Du frustrierst die Leica M10 wieder beiseite legen wirst. Falls nicht, dann wirst Du aber ziemlich schnell merken, dass die Belichtungsautomatik und der automatische Weißabgleich nach doch sehr eigenwilligen Regeln funktionieren. Du könntest Dich auch darüber ärgern, dass die kürzeste Verschlusszeit gerade einmal eine 1/4000 Sekunde beträgt, ziemlich wenig, wenn Du bei Tageslicht gerne mit offenblendigen Linsen arbeiteten möchtest. Ach ja und nach etwas Erfahrung wirst Du einsehen, dass alles jenseits von ISO 3.200 auch nur für sehr spezielle Anwendungsfälle geeignet sein könnte.

Das ISO Rad wird Dir vermutlich ziemlich unpraktisch vorkommen, weil es echt umständlich zu bedienen ist. Darüber hinaus wirst Du auch keine programmierbaren Tasten an der Leica M10 finden, ganz zu schweigen von einer Videofunktion. Ohne einem Ersatzakku kannst Du nicht losziehen und zum Wechseln musst Du die Bodenplatte abnehmen, eine Reminiszenz an die analogen M Kameras. Dasselbe gilt auch für diesen einzigen SD Kartenslot, auch dieser versteckt sich unter der Bodenplatte, Du wirst also dauernd am „Platte ab und drauf“-machen sein. Und wenn es doof kommt, fällt sie Dir herunter, verbiegt etwas und lässt sich dann nicht mehr schließen. Was gleichbedeutend damit sein wird, dass die M10 dann den Betrieb verweigert.

Mit der Leica M10 im Presseauftrag unterwegs - auch das funktioniert.
Mit der Leica M10 im Presseauftrag unterwegs – auch das funktioniert.

Und schließlich wirst Du Dir auch immer bewusst sein, dass Du einen ziemlich wertvollen Gegenstand mit Dir herumträgst, der Begehrlichkeiten wecken kann. Auf den Du aber auch echt aufpassen musst, weil er ein empfindliches Messsuchersystem enthält, das bei einem Stürzchen auch schon mal seine Genauigkeit verlieren kann. Ziemlich dumm, wenn Dir das auf einer Reise passieren sollte. Denn zur Justage brauchst Du Profis und wenn Du Deine Kamera nach Wetzlar schicken lässt, dann kann das schon mal ein paar Wochen dauern, bis Du sie wieder zurück bekommst.

Florian, warum sollte man jetzt mit einer M10 fotografieren?

Harter Tobak, könntest Du nun einwenden. Und zu Recht fragen, warum man nun mit einer Leica M10 fotografieren sollte? Die einfache Antwort ist, weil sie mein Herz erobern konnte. Mit all – und vielleicht auch wegen – ihrer Schwächen. Ziemlich irrational sagst Du? Ja, antworte ich. Lass‘ mich mal ausholen!

Bis in den Frühsommer hatte ich mit der Leica M262 fotografiert (meine Erfahrungsbericht findest Du hier) und auch schon Erfahrungen mit der Leica M10-R (zum Beispiel mit der Akademie in den Seealpen) gesammelt und auch schon mal ein Wochenende mit der Leica M11 (ein Kurzbericht findest Du hier) verbracht. Den ganzen Frust beim Erlernen der Arbeit mit dem Messsucher konnte ich also ebenso überspringen wie das Zurechtkommen mit der generellen Bedienung. Als ich mir im Juli 2022 eine silberne Leica M10 zugelegt hatte, wusste ich also schon, was auf mich zukommen würde.

Bei eBay Kleinanzeigen hatte ich ein schönes Exemplar von einem Leica Fotografen aus Au-Haidhausen bei München entdeckt. Zumindest hatte er sich als Selbigen ausgegeben und mir sogar versichert, dass ich noch die Original-Rechnung mit dazubekäme, er müsse ja nur noch mit seinem Steuerberater noch einmal sprechen. Finde ich ja immer wichtig, so eine Original-Rechnung. Die Kamera traf nur wenige Tage später bei mir in Hamburg ein, so wie sie beschrieben war. An sich nichts zu meckern. Die Rechnung leider nicht. Über verschiedene Kanäle versuchte ich den Verkäufer immer wieder zu erreichen, leider ohne Antwort. Schließlich wollte ich meine M10 bei Leica mit der Angabe der Seriennummer und der Rechnung registrieren lassen.

Ihr ahnt es und es ist Wasser auf die Mühlen derer, die vor (ebay-) Kleinanzeigen immer warnen. Ich hingegen habe hier bisher nur gute Erfahrungen gemacht, sowohl als Käufer als auch Verkäufer. Gefühlt gab es bei mir schon Tage und Wochen, da habe ich mehr Nachrichten auf Kleinanzeigen als auf WhatsApp geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte … An dieser Stelle muss ich einmal mehr den grandiosen Leica Customer Care erwähnen. Dort hatte ich mein Anliegen geschildert und von dem Verkäufer und der fehlenden Rechnung aus Au-Haidhausen berichtet.

Ich hatte inzwischen auch verstanden, dass er nicht der „echte“ Vorbesitzer meiner Leica M10 sein könnte; sondern vielmehr eine Art Zwischenhändler, der in großer Stückzahl Leica Kameras und Zubehör auf Kleinanzeigen vertickt. Diese Vermutung wurde auch beim Customer Support gesehen und so kontaktierte Leica den auf der Seriennummer meiner M10 registrierten „echten“ Vorbesitzer und kümmerte sich darum, dass mein Exemplar nun auch mit meinem Namen in Wetzlar hinterlegt ist. Mal ehrlich, was ist das für ein toller Service? … Danke, Leica Customer Care!

Die Leica M10 im Einsatz

Vom ersten Moment an habe ich sie ins Herz geschlossen. Mit drei Objektiven passt sie in eine kleine Tasche und trotzdem habe ich alles dabei, was ich benötige. Eigentlich ist das ja mal einer der Hauptvorteile: Du hast eine Kamera im Kleinbildsystem mit mehrere Gläsern und brauchst Dir um Größe und Gewicht wenig Gedanken machen. Die Leica M10 ist zwar ganz schön schwer, aber sie ist doch unfassbar kompakt. Und die Gläser – ganz egal ob Leica-, Zeiss- oder Voigtländer-Objektive – sind alle viel viel kleiner und leichter als die Pendants der Kleinbildsysteme für Nikon, Sony, Canon oder auch dem L-Mount System.

Dafür musst Du den fehlenden Autofokus in Kauf nehmen. Heißt für mich: entweder fotografiere ich offenblendig was geht (denn sonst könnte ich ja – überspitzt formuliert – auch mit einem APS-C System fotografieren) oder ich nutze den Zonenfokus. Bei Sonnenlicht Blende 8 oder 11, Verschlusszeit 1/500 oder kürzer. Je nach genutztem Objektiv und Situation stelle ich einen Schärfepunkt bei 1-3 Metern ein. Und alles was ich benötige ist – zack – scharf. Beide Techniken nutze ich sehr viel in Indien. Auf der einen Seite für die offenblendigen Portraits (die Serie „Faces of India“ habe ich komplett mit der Leica M10 und dem Voigtländer Ultron 28mm F2 fotografiert), auf der anderen Seite für alles was eher Richtung Street Photography geht (zum Beispiel mein Projekt „Dear India“ oder auch die Arbeiten in Kyoto und Osaka).

Im Zug in Indien mit der Leica M10
Mit der M10 irgendwo in Indien im Kerala Express, der einmal fast das Land durchquert. Von Trivandrum nach Delhi fährt man über 50 Stunden (ich war nur ein kurzes Teilstück mit dabei).

Mit der Leica M10 bin ich super unauffällig unterwegs. Oft habe ich den Punkt abgeklebt, um keine Begehrlichkeiten zu wecken. Überhaupt, dieser „Punkt“: Der Vorbesitzer hatte den originalen roten Leica Punkt entfernt und durch einen schwarzen Leica Punkt ersetzt. Darauf werde ich in Leica Kreisen oft angesprochen, ob ich eine Monochrom Kamera besitzen würde und beim Leica Service wäre das doch gar nicht gerne gesehen und so weiter und so fort (wer sich für den schwarzen Punkt interessiert, verfolgt diesen Diskussionsthread im Leica Forum).

Für mich ist das zweitrangig, ich klebe ihn hin und wieder ab (und beim Service in Wetzlar haben sie nur müde gelächelt). Und spätestens dann interessiert sich in einem Land wie Indien niemand mehr für meine Kamera. Dort gilt das Prinzip „je dicker die Kamera, desto geiler“ und so werde ich eher als ein seltsamer Vogel betrachtet und weniger Ernst genommen. Und bekomme die Bilder, die ich bekommen möchte.

Zugegeben, gerne würde ich bei herrlich sonnigem Wetter eine kürzere Verschlusszeit als 1/4000 Sekunde wählen können. Und wenn das Tageslicht etwas fehlt, dann vermeide ich es, die ISO zu weit nach oben zu ziehen, im Zweifel nutze ich erst Zeit und Blende um das fehlende Licht wett zu machen. Bis 1.600 finde ich das Ergebnis akzeptabel, bei 3.200 werde ich schon nervös. Es rauscht zu schnell zu auffällig, zumindest für meinen Geschmack. Wobei das entstehende „Korn“ in der Schwarz-Weiss Fotografie wirklich schön wirkt. Nicht aber in der Farbentwicklung.

Die Belichtungsautomatik treibt mich zur Verzweiflung. Mal viel zu hell, mal viel zu dunkel. Die Leica M10 macht, was sie will. Das wäre zu verkraften, schließlich fotografiere ich ausschließlich im DNG/RAW-Format. Aber – und hier kommt ein weiterer Aspekt zum Tragen – am Sensor merke ich, dass die Kamera beinahe schon sieben Jahre auf dem Buckel hat. Während ich aus den Tiefen richtig viel retten kann, ist bei einer Überbelichtung wenig bis nichts zu machen. Wenn Du einmal „zu hell“ fotografierst, dann ist Dein Bild verloren. Daher arbeite ich mit der Leica M10 grundsätzlich um eine Blendenstufe unterbelichtet – von vornherein. So kann ich halbwegs sicherstellen, dass ich in der Nachbearbeitung noch ausreichende Reserven habe.

Was daran aber echt nervt? Stell‘ Dir vor, Du hast gerade ein spontanes Portrait geschossen und möchtest Deinem Gegenüber einen schnellen Blick auf Dein Display gönnen? Das, was die fotografierte Person dort sieht, ist dank der Unterbelichtung immer viel zu dunkel. Und eigentlich möchtest Du ja zeigen, dass Du Dir gerade extra viel Mühe gegeben hast, ein:e gute:r Fotograf:in bist und ein besseres Bild erzeugst als mit dem Smartphone. Irgendwie doof, oder?

Und dann wäre – gerade bei den Portraits – ja noch „die Sache mit dem Messsucher“. Der ist bei der Leica M10 richtig gut, ich sehe wirklich wann die Schärfe sitzt, keine Frage. Mit Übung klappt das reibungslos. Aber ich bin ehrlich, gerade wenn es schnell gehen muss, liege ich oft daneben. Weil ich es auch liebe mit F1.4 oder mit F2 zu fotografieren. Ihr wisst es natürlich, mit dem Messsucher arrangiere ich den Schärfepunkt in der Bildmitte. Verschiebe ich dann und lege das Motiv auf eine der Drittelschnittpunkte, dann laufe ich Gefahr, die Schärfeebene zu verändern und baue einen weiteren Risikofaktor in meine Wertschöpfungskette ein. Auch daher verhaue ich das ein oder andere Bild.

Es sind auch die Limits, die mich zur M greifen lassen

Zusammengefasst: Eigentlich sind es für mich ganz viele Einschränkungen, die so eine Leica M10 mitbringt. Man könnte die Liste ja ewig weiterführen, wenn ich die Kriterien anbringe, die wir Fotograf:innen von anderen Marken gewohnt sind: IBIS, Megapixelmonster, Makrofunktionen, spritzwassergeschütztes Gehäuse, zweite Speicherkarte und und und – alles Fehlanzeigen.

Nein, es sind genau die Limitierungen, die – neben der tollen Ästhetik und der unverwechselbaren Haptik – den Unterschied ausmachen. Das Leica Marketing selbst claimt das ja mit der Reduzierung auf das Wesentliche. Und das kann ich nachvollziehen, denn wenn ich mit der Leica M10 unterwegs bin, dann konzentriere ich mich auf die Fotografie. Ich setze mich damit auseinander, ich arbeite mit der Kamera, ich bin mit ganzem Herzen bei der Sache. Und ich bin regelrecht im Tunnel. Weil ich all meine Fähigkeiten reinschmeissen muss, damit ich ein gutes Bild bekomme.

Wenn Du nicht mit einer Leica M fotografierst, dann verstehst Du das vielleicht nicht auf Anhieb. Wenn ich es Dir erklären müsste, würde ich den Vergleich mit der Diskussion um Sinn und Unsinn von Festbrennweiten heranziehen. Während (und das meine ich systemunabhängig) Zoom Gläser viel komfortabler sind, musst Du Dich bei der Nutzung von Festbrennweiten mit dem Ausschnitt viel detaillierter auseinandersetzen. Und erreichst dadurch unter Umständen bessere Ergebnisse.

Dieses Prinzip kannst Du auch auf die Arbeit mit einer M anlegen. Auch hier musst Du Dich viel stärker mit der Fotografie an sich auseinandersetzen. Und je „älter“ Deine Leica M ist, desto stärker treten diese Aspekte hervor. Denn on top auf die Fotografie mit dem Messucher und ihre Limitierungen kommen die Einschränkungen durch die ältere Technik (Stichwort ISO, Stichwort Sensor, Stichwort Verschlusszeiten).

Die M10 bei der Reinigung bei Klaus Gamber im Leica Store Nürnberg
Die M10 bei der Reinigung bei Klaus Gamber im Leica Store Nürnberg

Wenn ich mit der Leica M10 fotografiere, dann weiß ich also, dass ich alles geben muss. Dann gehe ich aus meiner Komfortzone heraus, dann konzentriere ich mich auf die Fotografie und bin mit ganzem Herzen dabei. Gleichzeitig weiß ich auch, dass ich alles mit an Bord habe habe, um ein perfektes Bild zu machen. Ohne, dass mir etwas geschenkt wird. – Genau diesen Gedankengang habe ich ziemlich gut wieder finden können auf dem bekannten Technikblog von Philipp Reeve.

[…] With a digital Leica M camera […] you have to be a mix of sentimentalist and masochist to enjoy that whole process, especially so, when you are used to any modern camera from Japan. But honestly, I think this is part of the fun for many people: the challenge to get a good shot is simply bigger here, so it feels more rewarding when you manage to do it.

BastianK in seinem Leica M10 Review auf phillipreeve.net

Ich kenne mich. Und daher ist da für mich was dran, an dem von Bastian beschriebenen Mix von Sentimentalen und dem Selbsteinschränkenden. Ein Gefühl, das Du sicherlich kennst, wenn zum Beispiel auch heute noch der Analogfotografie etwas abgewinnen kannst. Nein, für die M10 möchte ich den strapazierten Vergleich zur Filmfotografie nicht bemühen. Aber die besondere Beziehung zwischen Mensch und Kamera, das kann sie ähnlich gut, die Leica M10. Eben weil da doch so etwas wie ein Herz sein muss.

Hallo Leica, einen Wunsch hätte ich dann doch noch!

Die Leica M10 und ich, das passt. So viel steht schon mal fest. Aber bei einer Sache, da möchte ich mit Leica und den M Fanboys in den Ring steigen. Ich bin zwar Nostalgiker und ich liebe mechanische Dinge; als Brillenträger muss ich aber das verlangen, was viele Leica M Jünger mit Gotteslästerung gleichsetzen würden:

Gebt uns eine Leica M11 oder eine Leica M12 mit einem elektronischen Viewfinder. Geht mit der Zeit. Öffnet Euch so, wie Ihr auch mit dem Schwenkdisplay (Leica Q3) oder der fehlenden Bodenplatte (Leica M11) über Eure Schatten gesprungen seid. Und verzichtet damit auf den Messsucher. Eine EVF-M würde eine Kamera mit Herz bleiben. Für mich und für viele andere Brillenträger:innen!
Für Rückfragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung! 😉

Mein Leica M10 Zubehör

Ein paar Worte zum passenen Leica M10 Zubehör. Ich habe zwar keinen Handgriff, keine Daumenstütze und auch keine Korrektionslinse. Aber folgendes Zubehör ist für mich unverzichtbar:

  • Ersatzakkus: Zwei Stück habe ich immer dann dabei, wenn ich einen ganzen Tag lang unterwegs bin. Die Akkuleistung ist nämlich eine echte Schwachstelle bei der Leica M10. Leider sind die Akkus mit derzeit 160 Euro auch noch sauteuer (Link) und einen Dritthersteller gibt es meines Wissens auch nicht. Autsch.
  • Protektor: Das ist ein echter Geheimtipp. Bei Amazon bekommt Ihr diesen schönen Lederprotektor, der handgefertigt aus Italien kommt. Und gleichzeitig noch etwas Grip bietet (Amazon Affiliate Link). Habe ich auf Reisen gerne dabei, wenn ich länger unterwegs bin.
  • Kameragurt: Hier wechsele ich zwischen dem eleganten und zurückhaltenden schwarzen S Strap von Deadcameras (Link) und Paddys knallrotem Seemannsgarn (Link). Welchen ich benutze ist mehr eine Sache nach Lust und Laune.
  • Leica Visoflex: Auch das ist nochmal ein deutliches Investment, das ich aber lohnt, wenn Du häufig a) weitwinkliger als 28mm b) teliger als 75mm oder c) generell gerne offenblendig fotografierst. Ja, er verschandelt die Kamera und leider zieht er Akkuleistung und offenbart auch nicht wirklich ein gutes Display, aber an sich verbessert der Visoflex Deine Treffergenauigkeit ungemein. Und was ziemlich unüblich ist, aber d) wenn Du Leica-fremdes Altglas adaptieren möchtest, auch dann ist es wirklich easy! Dass der Visoflex auch noch die GPS Daten in die EXIF Dateien schreibt, ist eine Eigenheit, von der ich schließlich nur Notiz genommen habe (Link).
Leica M10
Die Leica M10

Vom Zubehör ist es nicht mehr weit zu den Taschen oder gar zu den Objektiven. Und eigentlich wollte ich diesen Bericht mit einem Abriss über meine Lieblingsobjektive an der Leica M10 abschließen (Teaser: hier gibt schon mal einen Bericht zu meinem „Immerdrauf“). Aber hey, das wird zu viel und zu lang, irgendwann lest Ihr die Artikel sonst nicht mehr zu Ende.

Vielleicht mache ich das ein anderes Mal. Falls Ihr lesen wollt, welche Gläser ich wann und warum an der Leica M10 verwende, dann lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Abschließende Gedanken zur M10

Die Leica M10 und ihre Einschränkungen. Ein Widerspruch, der mich dazu gebracht hat, dass ich mich für diese Kamera als meine Hauptkamera entschieden habe. Wenn Du ein:e treue:r Leser:in meines Blogs bist, dann weißt Du, dass ich mir nicht so ganz sicher war, dass ich die M10 auf meine Weltreise mitnehmen würde. Heute kann ich festhalten: Ich würde es wieder tun!

Auch wenn mich diese Limitierungen und dieses Herz auch schöne Ergebnisse gekostet haben. Weil ich zu langsam war, weil das Licht gefehlt hat oder weil ich einfach nicht gut fokussiert habe. Und ich bin ehrlich, es gibt Dinge, die mich wirklich nerven. Einige Dinge davon kann der Nachfolger Leica M11 besser (Akkuleistung, mehr Möglichkeiten zum Croppen, besserer Dynamikumfang, kürzere Verschlusszeiten – um nur ein paar Punkte zu nennen), andere Aspekte werden aber auch in künftigen M Modellen systembedingt erhalten bleiben.

Und so greife ich natürlich auch zu anderen Kameras. Weil ich gerne analog fotografiere und/oder auch gerne einen Autofokus nutze. So war ich auf meiner letzten Reise nur mit der Leica Q2 unterwegs. Ihr wisst es, ich hatte folglich einen Autofokus im Gepäck. Und 47 Megapixel. Sowie einen elektronischen Viewfinder. Und eine ganze Reihe weiterer Annehmlichkeiten, die ich alle sehr genossen habe.

Zurück zu meiner Leica M10, mit der ich in den letzten 15 Monaten äußerst intensiv unterwegs gewesen bin. Die Arbeit mit ihr hat mich gefordert und ich hatte wirklich viel Zeit, mich an sie zu gewöhnen. Den Messsucher beherrsche ich inzwischen beinahe im Schlaf und ich weiß, wie ich mit den DNG Dateien umgehen muss. Ich kenne die Schwächen und ich weiß, was ich an ihr habe. Ich kann mich auf die Robustheit verlassen (sie ist nicht einmal ausgefallen – schöne Grüße an meine Zweitkamera X100V und ihr Hitzeproblem in Indien) und ich liebe ihr Aussehen und ihre Haptik. Und ja, ich liebe auch, wie meine fotografierten Personen auf die Leica M10 reagieren. Denn auch sie sehen, dass dieses Stück Technik eine Ikone mit Herz ist.

Die Fotografie mit dieser Kamera ist eine andere Fotografie. Nicht mehr und nicht weniger.

Zum Weiterlesen

Beispielbilder

Ihr wisst ja, eigentlich macht das Glas das Bild. Daher ist das mit den Beispielbildern einer Kamera ja so eine Sache. Und natürlich gibt es auch bei mir ein Postediting in Lightroom. Aber ich weiß, dass Ihr immer gerne Bilder schaut – geht mir ganz genauso. Daher einfach eine zufällige Auswahl an Bildern aus Hamburg, Berlin, Tschechien, Indien, Südafrika und Japan. Natürlich alle fotografiert mit der Leica M10. Mehr gibt es in den verlinkten Artikeln auf diesem Blog.

26 Gedanken zu „Die Leica M10 (Review): Eine Kamera mit Herz. Und ein Review, das von Herzen kommt.“

  1. Lieber Herr Renz, ich kenne sie nicht. Aber ich freue mich jedes Mal, wenn sie einen neuen Bericht auf ihrem Blog geschrieben haben. Ich liebäugele seit einiger Zeit mit einer Leica Kamera und ich da kommt mir ihre Meinung gerade zu recht. Haben sie herzlichen Dank für diese tollen und interessanten Ansichten sowie für die vielen ansprechenden Aufnahmen. Text und Bilder sind für mich ein wahrer Genuss. Machen sie bitte weiter so. Derweil träume ich von einer Leica. Herzliche Grüße aus Hanau, Herbert Frahsch

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  2. Hallo, schöner Bericht und ich kann es verstehen. Mir geht es mit der X100V ähnlich. Aber ich habe mal eine andere Frage:
    Du schreibst, daß du den Gurt öfters mal wechselst. Halten das die Schlüsselringe am Seemannsgarngurt aus? Ich habe nämlich auch welche vom Paddy und bei mir sind die Schlüsselringe vom wechseln schon „verzogen“.
    VG Jens

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    • Besten Dank, Jens!
      Ich muss das insofern relativieren, als das ich nicht so oft wechsele. Auf den Reisen hatte ich den schwarzen, unauffälligen Gurt. Hier in Hamburg lieber den roten Gurt. Heißt also, dass ich vielleicht vier oder fünfmal hin- und hergewechselt habe.Und das halten die Schlüsselringe schon aus, es nervt halt nur, weil es jedes Mal immer etwas dauert und ich vorsichtig sein muss, damit es die Ringe eben nicht verzieht – so wie Du es beschreibst! Viele Grüße, Florian

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  3. Hallo, Florian!
    Deine „nüchterne Betrachtung“ habe ich besonders aufmerksam gelesen! Sie bestärkt und „tröstet“ mich darin, dass eine Leica M für mich doch wohl nichts ist. Umlernen, Lehrgeld zahlen, dafür bin ich doch wohl zu alt! Zu sehr habe ich mich über die Jahre an all den Automatismus gewöhnt. Zudem schont der Entschluss, die Finger von der Leica zu lassen, das Portemonnaie !
    Mit epubli habe ich gerade mein erstes kleines Buch gemacht und warte auf das Ergebnis per Post.
    Viele Grüße Volker

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  4. Ich bin über eine Nennung im Fuji X Forum auf diesen Artikel gestossen und kannte deinen Blog bisher nicht. Nun habe ich erst einmal viel zu tun, wenn ich alles nachlesen möchte. Dein Erfahrungsbericht zur M10 gefällt mir sehr gut. Er macht Lust auf die Kamera, zeigt mir doch auch wie anspruchsvoll das fotografieren ist und dass es wohl auch einen grossen Verzicht darstellt. Also an vielen Funktionen, die ich als Fuji X-Pro 3 Fotograf gewohnt bin.
    Vielen Dank und weiter so! Pierre

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  5. Sehr schöne Fotos und ein guter Bericht. Trotzdem will ich es nicht so recht verstehen, warum man mit einer so teuren Kamera so viele Einschränkungen in Kauf nimmt. Du schreibst ja, dass die Kamera völlig veraltet ist und viele Schwächen besitzt. Für dasselbe Geld hättest du doch auch eine moderne Kamera mit Autofokus und vielen Objektiven kaufen können und sogar noch bessere Fotos machen können, oder?
    Nichts für ungut, Max

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    • Vielen Dank, Max. Du hast natürlich recht, wenn man das ganz objektiv betrachtet. Ich war mit einer veralteten Kamera unterwegs und hätte mit demselben Budget ein anderes System mit – auf dem Papier – besseren Werten mitnehmen können. Wie anders die Fotos dann wären, weiss ich nicht. Aber ich habe die M10 zum Beispiel auf meiner langen Auslandsreise wirklich sehr gerne dabei gehabt und ich mag die Bilder, die entstanden sind.
      Viele Grüße, Florian

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  6. Kann ich total nachvollziehen, das du beschreibst. Auch ich habe mir vor ein paar Monaten eine M10 zugelegt. Ich kenne die Krankheiten die du erwähnst. Aber ich komme immer besser damit klar. Und irgendwann kommt vielleicht auch mal ein Upgrade zu einer Nachfolgekamera, da sehe ich mich schon … Viele Grüße und ich hoffe auf weitere Leica Berichte! Michael

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  7. Ich folgte deinem Gespräch mit Michel Birnbacher in seinem Podcast. Du hast darüber gesprochen wie du mit der M10 in Indien warst. Ich würde mir auch wünschen wenn du noch etwas über die Objektive schreiben könntest. Grüße aus Berlin von Richard

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  8. Auch ich komme vom Michel 🙂 Sehr gut beschriebener Bericht zur M10 und wirklich tolle Fotos. Interessant fand ich auch was du zu Lightroom Mobile gesagt hast. Das ist hängengeblieben und werde ich ausprobieren. Hab Dank!

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  9. Hallo Florian,
    top Website. Herzlichen Glückwunsch hierzu! Meine Frage: ich besitze eine Q2, mit der ich sehr zufrieden bin. Ich denke darüber nach mir eine eine M10 oder M11 zu kaufen. Wie gross ist aus Deiner Sicht der Bildqualitätsunterschied zwischen M11/M10 und der Q2? Kannst Du anhand der Fotos erkennen mit welcher Kamera fotografiert wurde?
    Mite besten Grüßen,
    Carsten

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    • Hallo Carsten, ganz vielen Dank!
      Sehr gute Frage: Also die M10 ist im Vergleich zur Q2 tatsächlich etwas unterschiedlich. Die Q2 hat die Nase vorn in der Qualität insbesondere ab ISO 1600. Generell sind die Dateien auch etwas zickiger was Helligkeit angeht, der Dynamikumfang ist spürbar schlechter. Und natürlich kannst Du weniger croppen. Also ja ich erkenne im DNG definitiv den Unterschied. Näher dran bist Du mit der M10R. Liebe Grüße Florian

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  10. Hallo Herr Renz

    Schöner Bericht, tolle Fotos – und überhaut, feine Webseite! Auch ich bin froher Besitzer einer M10 – mit vier Voigtländer-Objektiven. Alles wunderbar. Ich schliesse mich Ihren Wünschen an Leica an: eine (inzwischen M12 oder so) Kamera mit M-Bajonett, elektronischem Sucher und IBIS. Müsste doch machbar sein – und wäre eine Wucht. Und ja, ja, ich weiss, es heisst immer, das geht nicht – beim Klappdisplay hiess es das auch. Bis dann die Q3 kam…. Also, die Hoffnung stirbt zuletzt…

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