Fuji X100V Review: Meine Erfahrungen nach drei Jahren intensiver Nutzung

Vor etwas mehr als drei Jahren hat Fujifilm die X100V auf den Markt gebracht. Schon ein paar Wochen vorher – als die Kamera angekündigt wurde – war mir klar, dass ich direkt bei Erscheinen zuschlagen würde. Zu verlockend waren die angekündigten Fortschritte gegenüber dem Vorgänger X100F. Und zu schön sah sie auf den Werbeaufnahmen aus.

So orderte ich die Kamera während des ersten Corona Lockdowns und noch am selben Tag brachte mir der Fahrradkurier von Meister Camera in Hamburg die X100V vorbei. Ich konnte also direkt loslegen (und damit direkt Material für meinen später im Jahr erschienenen Bildband Lockdown Hamburg fotografierte). Seither begleitet mich die Kamera wie keine Andere. Es wird also Zeit für ein Fuji X100V Review – aus einer Langzeitperspektive!

Tatsächlich ist die X100V die Kamera, mit der ich – über die letzten drei Jahre gesehen – am Meisten fotografiert habe. Und ich habe auch hier auf diesem Blog am Meisten darüber geschrieben (alle Artikel habe ich verlinkt; zwischendrin, wenn es passt, aber auch noch einmal gesammelt ganz unten). Ich habe sie in vielen Ländern und auf vielen Reisen mit dabei gehabt. Oft habe ich sie einfach in den Rucksack oben rein gelegt und manchmal aber auch als alleinige Kamera auf längeren Reisen im Einsatz gehabt. Ich kenne sie folglich inzwischen in- und auswendig.

Sehr emotional habe ich ja schon in meiner „Liebeserklärung“ über die X100V berichtet, in meinem ersten Review – nach einer Nutzungszeit von etwa vier Monaten. Seitdem sind einige Jahre vergangen und unsere Beziehung ist wirklich gefestigt, auch wenn ich inzwischen auch einige Macken von ihr kennenlernen durfte. Wie das eben so ist. Ich werde in diesem Fuji X100V Review also das Rad nicht neu erfinden und auch keine völlig andere Meinung haben. Aber ich möchte sie nach über dreijähriger Nutzung etwas einordnen. Und sie auch möglichen Alternativen gegenüberstellen.

Denn schließlich – und das muss man bei der Fuji X100V auch in den Ring werfen – ist sie völlig (over-) hyped. Seitdem ein paar junge Fotograf:innen auf Tiktok (folgt hier mal dem Hashtag x100V auf TikTok) die Kamera ständig stolz präsentieren, ist sie nicht mehr nur Fotoapparat, sondern auch Trend-Accessoire. Und das treibt die Nachfrage ganz gewaltig nach oben. Dummerweise steht dem – dank Covid – ein stark limitiertes Angebot gegenüber. Oder anders gesagt: Die X100V ist nicht zu bekommen. Außer Du zahlst für eine Gebrauchte mehr als für eine (nicht erhältliche) Neue. Oder Du hast einfach Glück.

Daher: Was ist dran am X100V Hype? Ist sie wirklich so wahnsinnig toll, wie uns suggeriert wird? Ist sie vielleicht doch overhyped? Was gefällt mir an ihr und was gefällt mir weniger?

Fuji X100V Review: Was mir gefällt

Lass mich ganz oberflächlich anfangen. Begegnen wir der X100V zu aller erst „von außen“. Denn was zuerst auffällt, das ist sicherlich ihr Aussehen. Dafür wird sie ja auch gehyped. Die Kamera ist für mein Dafürhalten einfach wunderschön, ich denke dabei an meine silberne Ausführung (auch wenn ich mir heute wahrscheinlich eher eine schwarze X100V zulegen würde. Sie ist etwas weniger auffällig, aber fast genauso schön).

Sie erinnert mich an die schönen Messsucherkameras vergangener Jahre. Gerade im Gegensatz zu den Vorgängern X100 bis X100F ist sie noch etwas filigraner. Die Optik wurde etwas angepasst, ich finde die X100V noch etwas symmetrischer und noch etwas schöner. Und natürlich ist die Kamera wahnsinnig kompakt, ja sogar klein. Man darf ja nicht vergessen, welche Technik in der Schönheit steckt und welche Qualität die Optik mit sich bringt. Schaut Euch einmal vergleichbare APS-C Objektive mit der (gecroppten 35mm äquivalenten) Brennweite von 23mm und einer Lichtstärke von F2 an. Hat man dies vor Augen, wird klar, wie klein die X100V wirklich geworden ist. Dazu die vielen hübschen und auch praktischen Rädchen. Wer ein Faible für die ursprüngliche, analoge Bedienung von Kameras hat, wird begeistert sein, da kann Dein Fotograf:innenherz nur einen Sprung machen. Das kann gar nicht anders sein.

Eine weitere Verbesserung zur X100F ist die Wetterfestigkeit. Und das ist immer noch ein Plus im vergleichen zu vielen Kameras aus dem Markt. So ganz schlimm fand ich es nie, dass der Spritzwasserschutz erst „hinzugekauft“ werden muss. Du musst nämlich erst ein Zubehör erwerben, dass Du auf das Objektiv schraubst, bevor Du mit gutem Gewissen ins Unwetter kannst. Warum ich es nicht so schlimm finde, dass dieser Schutz nicht von Haus aus dabei ist? Nun, vielleicht weil ich ihn an dieser Kamera auch nicht sooo wichtig finde. Vielleicht aber vielmehr weil die Billigvariante der Dritthersteller nur ein überschaubares Investment darstellt? Nein, an der reinen Ausstattung kann und will ich nicht meckern. 26 Megapixel im APS-C Sensor, dazu das wirklich exzellente Objektiv, gut nutzbare ISO-Werte bis 3.200, Filmsimulationen. Ganz ehrlich, was willst Du mehr?

Fuji X100V Nisi UV Filter
Ein Fuji X100V Review ohne die Äußerlichkeiten auf den Punkt zu bringen? – X100V: a beauty!

Es ist ja schon alles mit an Bord. Und noch viel mehr, wie zum Beispiel der eingebaute ND Filter. Vielleicht das Feature, das ich an anderen Kameras am Meisten vermisse. Sowohl für Langzeitbelichtungen als auch für offenblendiges Fotografieren in der Sonne finde ich das einfach genial. Beinahe ebenso exklusiv ist der optische Sucher, den ich zuschalten kann (was ich selten mache, aber gerade in den letzten Monaten habe ich dieses Feature zu schätzen gelernt). Oder wie unique ist denn bitte die Möglichkeit mit den beiden Konvertern die 23mm-Brennweite auf 18mm oder auf 33m anzupassen?

In den letzten drei Jahren hat auch der Markt auf die anhaltende Nachfrage der Fuji X100V reagiert. War Zubehör am Anfang noch Mangelware, gibt es inzwischen unzählige Taschen oder Handgriffe (hier habe ich über das Zubehör geschrieben). Sehr gerne nutze ich das Filtersystem von NISI (auch hier habe ich dazu geschrieben) an der Kamera. Und damit ist die X100V auf einmal schon ein Rennpferd für die Landschaftsfotografie. Obwohl sie so klein und so kompakt ist. Oder gerade deswegen?

Du merkst es schon, die Kamera hat es mir angetan und sie hat sich wirklich beweisen können. In diesem Fuji X100V Review denke da zum Beispiel auch an den Einsatz in einem der krassesten Alpenunwetter der letzten 40 Jahre, bei dem am Ende sogar die Rettung mit dem Hubschrauber stand (irgendwann schreibe ich dazu einen Bericht, versprochen!). Kein Problem für die Fuji X100V. Oder an das Holifest in Indien, nachdem ich drei Wochen später noch Farben an den Füßen hatte, die nicht abgehen wollte. Die Kamera hat das einwandfrei mitgemacht – ohne Farbe anzunehmen oder eine bleibende Beeinträchtigung erfahren zu haben. Die Kamera hat geliefert, wäre da mal nicht die Sache mit der Wärmeentwicklung. Stichwort Overheating.

Fuji X100V Review: Was mir weniger gefällt

Und damit bin ich schon am Hauptpunkt, der mir ganz und gar nicht gefällt. Schon ganz zu Beginn ist mir aufgefallen, dass die Kamera bei längerer Bedienung warm wird. Eigentlich kein Problem für mich, ich bin ja kein Filmer und generell ein relativ entschleunigter Nutzer. Ich habe die X100V also nie als Power-User bedient, was die Hitzeentwicklung sicherlich fördern würde.

Bereits im Frühjahr 2020, also kurz nach Erscheinen der Kamera gingen die Stichworte „Overheating“ und „Heat Gate“ durch die Fuji Foren. Fujifilm selbst ist schnell aktiv geworden und hat der X100V schon im Mai 2020 ein neues Power Management verpasst, mit der extra dafür releasten Firmware 1.10. Ich hatte das Thema spätestens damit für mich abgehakt. Was juckt mich das, wenn die Kamera warm wird? Mitten im Winter könnte das sogar von Vorteil sein. Ziemlich naiv, meine Gedanken. Bis ich vor ein paar Monaten damit in Indien war.

Im südindischen Sivakasi hat sich die X100V regelmäßig abgeschaltet, weil es ihr zu heiß geworden war. Ich habe sie auch ausführlich auf der Straße genutzt, in der Mittagshitze. Wir reden aber nicht von horrenden Temperaturen, sondern nur vom südindischen Winter und damit von vielleicht 28 oder 29 Grad Tagestemperatur, in der Sonne auch mal ein paar Grädchen mehr. Jedenfalls aber von Temperaturen, die in südlichen Gefilden durchaus üblich sind. Und das ging mir gewaltig auf die Nerven. Denn alle paar Minuten mahnte mich die X100V an, dass sie zu heiß werden würde. Ich solle sie bitte abschalten. Was blieb mir anderes übrig? Abschalten und warten bis sie sich erholt – während die schönsten Motive natürlich schon vorüber gegangen sind. Meine Leica M10, die ich dann in den Folgetagen genutzt habe, hat darüber nur müde gelächelt. Die indische Hitze? Wärmeentwicklung? Unbekannt.

Gleiches Spiel ein paar Wochen später bei den oben genannten Holifesten. Immer wieder musste ich die Kamera abschalten und warten, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Hätte ich Kühlpads dabei gehabt, hätte ich sie darin eingewickelt. Meine Ansprüche an ein professionelles Werkzeug hat die X100V in Indien nicht erfüllt. Und sie wäre auch im südeuropäischen Sommer in die Knie gegangen, vermutlich überall dort, wo es eben auch mal etwas wärmer wird.

Und nein, der Grund war auch nicht das Filmen mit der X100V. Hätte ich in der höchsten Auflösung und Bildrate viele Minuten lang Videos aufgenommen, hätte ich sogar Verständnis dafür. Wenn die Überhitzung und damit die Abschaltung der Kamera aber bei einfachen Fotoeinsätzen, also bei Stills, vorkommt, dann bin ich enttäuscht. Weil mich mein Werkzeug im Stich lässt. Künftig wird die X100V also auch mal zuhause bleiben müssen. Zumindest dann, wenn es in wärmere Gefilde gehen wird.

In meinem Artikel zum möglichen Nachfolger der X100V habe ich auch den Batteriedeckel moniert. Weil er wirklich fummelig ist und er der hochwertigen Anmutung der Kamera nicht gerecht wird. Ich würde mir etwas wertigere und größere Knöpfe an der X100V wünschen. Ich habe keine großen Hände, aber seit dem Fehlen des D-Pads (vom Vorgänger X100F) ist ja eigentlich ausreichend Platz auf der Rückseite der Kamera vorhanden, um eine etwas bessere Bedienbarkeit zu gewährleisten.

Fuji X100V Thumbrest
Fuji X100V

Auch mit der verbauten Software stehe ich etwas auf Kriegsfuss. Für meinen Geschmack könnte das Menü viel aufgeräumter sein. Und dann verstehe ich nicht, warum manche Einstellungen nicht möglich sind. So kann man den Wechsel zwischen Sucher und Display eigentlich ganz gut einstellen. Hängt mir die Kamera aber vor dem Bauch und ich will mit ausgeklapptem Display (was ja auch ein Segen ist, schöne Grüße an die Leica Q2 zum Beispiel) fotografieren, so springt immer wieder der Sensor an und deaktiviert das Display. Hier müsste es doch eine Lösung geben, dass der Sensor etwas genauer arbeitet und/oder die Einstellungen im Menü alle Varianten zulassen, also Bilder anzeigen nur im Sucher, Menü über das Display zum Beispiel. Das hätte ich bei den Holifesten gefeiert. Nun ja, vielleicht ein sehr spezieller Wunsch, vielleicht scheitere ich aber auch an meinen eigenen Fähigkeiten und bekomme das nicht korrekt eingestellt.

Wenn ich in diesem Fuji X100V Review noch einen weiteren sehr speziellen Wunsch äußern dürfte, dann ist es die Verbesserung der Haptik beim (manuellen) Fokussieren des Objektivs. In den letzten Monaten habe ich mich zunehmend der Street Photography gewidmet und nutze (mit anderen Kameras) dabei die Technik des Zonenfokus. Also zum Beispiel bei strahlendem Sonnenschein Blende 8 mit einer Fokussierung am Objektiv auf 1.5 oder 2 Meter. Und schon ist beinahe alles scharf – von vorne bis hinten. Ist mit der X100V nur schwer möglich, weil „Autofocus by wire“ die genutzte Technik ist. Es gibt weder eine Anzeige am Objektiv, noch gibt es „einen Anfang“ oder „ein Ende“ am Objektiv. Das Drehen ändert das Arrangement der Gläser in der Linse nämlich nicht auf mechanische Weise, sondern es wird elektronisch bestimmt. Und damit ist das pragmatische Arbeiten auf hyperfokale Distanz nur schwer möglich.

Ach ja, und dann wäre da noch die App von Fujifilm. Sie gehört einfach erneuert, denn leider funktioniert sie extrem langsam und unzuverlässig – wenn sie denn funktioniert. Schaut Euch Erfahrungsberichte dazu an, eigentlich gibt es nur negative Bewertungen. Aber das ist ein Fuji Problem per se, nicht eines der X100V.

Ansonsten? MIhr ahnt es, eine perfekte Reisekamera. Nach wie vor liebe ich sie. Mir fällt wirklich nichts mehr ein, was ich nicht an ihr mag.

Fuji X100V Review: Fazit & Alternativen

Was ich nun völlig außer acht gelassen habe? Das, was aus der Kamera rauskommt. Weil es ohne Zweifel nichts zu Bemängeln gibt, wenn es um die Bildqualität geht. Ich jedenfalls liebe diesen Look, vor allem mit den Fuji-Filmsimulationen Classic Chrome, Classic Negative und Acros mit Rotfilter. Optik, Handling, Bildqualität – auch nach drei Jahren intensiver Nutzung bin ich voll des Lobes. Die X100V hat mich in all den Jahren überzeugt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Zauber etwas nachgelassen hat. Nach wie vor ist sie eine perfekte Reisekamera. Sie ist vor allem richtig toll, wenn ich sie ergänzen kann um die Konverter (ich bin ja sowieso der Meinung, dass 28mm bis 50mm in der Kleinbildwährung eigentlich ausreichen, um fast alles zu machen) und um die Nisi-Filter. Ergänzt um den Spritzwasserschutz und um einen schönen Ledergurt ist die X100V ein Schätzchen, das es immer schaffen wird, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Völlig verdient.

Für mich hat sie aber eine kleine Schippe an Anziehungskraft verloren. Ich bin genervt von der Hitzeentwicklung unter extremen Bedingungen. Ich würde mir ein paar kleinere Verbesserungen wünschen. Und ich nehme sie nicht mehr jedes mal als „Immer-Dabei-Point-and-Shoot“ mit in meine Freizeittasche. Diesen Platz hat seit ein paar Monaten die Konica Big Mini 201 eingenommen. Nur weil sie a) noch kleiner ist, b) wirklich resistent gegen jede externe Einwirkung (Hitze z.B.) ist und c) als analoge Kamera einen noch größeren Überraschungsfaktor hat. Auf Parties also die perfekte Hosentaschenkamera.

Du ahnst es schon. So ganz ernst meine ich das nicht, dass eine analoge Point & Shoot meiner Fujifilm X100V den Platz streitig machen könnte. Die Fuji X100 V bleibt eine große Liebe, die mich wirklich durch dick und dünn begleitet hat. Bisher mehr als drei volle Jahre. Aber weil ich auf den Nachfolger schiele, so überlege ich nun auch, mich von der X100V zu trennen.

Es gibt aber auch Alternativen. Zuvorderst sicherlich die Leica Q2 mit ihrem 47 Megapixel starken Kleinbildsensor (bei einem überragenden Summilux 28mm F1.7), einen direkten Vergleich habe ich ja auf diesem Blog gemacht. In Kürze soll auch die Leica Q3 vorgestellt werden, vermutlich ist sie „noch besser“ und kommt mit noch mehr Megapixeln um die Ecke. Und vielleicht auch endlich mit einem Klappdisplay. Was uns beim Vergleichen aber bremst, sind Preis (die Qs sind viel viel teurer) und die Kompaktheit (die Qs sind auch viel größer).

Fuji X100V (links) oder Leica Q2 (rechts)?
Fuji X100V (links) oder Leica Q2 (rechts)?

Wäre da noch der Blick zur Ricoh GR-Serie. Ebenfalls im APS-C Kleid gehüllt bietet die Kompakte einen 24 Megapixel-Sensor mit einem fest verbauten (KB-äquivalenten) 28mm F2.8 Objektiv. Und Ricoh hatte vor nicht allzulanger Zeit noch eine zweite Variante auf den Markt gebracht, die Ricoh GRIIIx mit einem (KB-äquivalenten) 40mm F2.8 Objektiv. Beide Modelle sind mit Abstand noch kompakter als die Fuji X100V. Allerdings müssen auch beide ohne Sucher auskommen. Und da ich zu dieser Spezies gehöre, die einfach einen Sucher zum Fotografieren benötigen, kommen beide Ricohs für mich leider nicht in Frage.

Weitere kompakte Kameras mit festverbauter Brennweite? Da würden mir nur noch Exoten einfallen. Wie die kürzlich eingestellte Zeiss ZX1 oder die Sony RX1RII. Beide in punkto Preis jenseits von Gut und Böse. Und beides Modelle, die sich (vermutlich – so mein Eindruck) nicht durchsetzen konnten.

Man könnte als Alternative noch die Fuji XE-4 mit dem XF 27 2.8 in den Ring werfen. Das ist zwar keine Kamera mit fest verbautem Objektiv, kommt aber optisch und vom Setup an eine X100V ran, zumindest in die Nähe. Und Du könntest dann sogar Objektive wechseln. Zugegebenermaßen, das ist aber ein anderes Spielfeld.

Mein Fazit kurz und knapp: Es führt kein Weg an der X100V vorbei, wenn Du eine kompakte Kamera möchtest, die auch noch sexy sein soll. Und die – am Wichtigsten – Dir eine maximale Bildqualität ermöglicht. Nur wenn Du Dir wirklich was gönnen kannst und auch willst, dann solltest Du über eine Leica Q2 – oder auch Leica Q3 – nachdenken. Zu Lasten der Kompaktheit, das versteht sich von selbst. Leider kann ich damit den X100V-TikToker:innen mit handelsüblichen Argumenten kaum entgegen treten. Sind wir ehrlich, irgendwie haben sie ja recht. Und leider regeln immer noch Angebot und Nachfrage die Preise.

@Fujifilm: Ihr müsst einfach die Verfügbarkeit verbessern und den Nachfolger in ausreichenden Stückzahlen auf den Markt bringen. Eigentlich ein echtes Luxusproblem, oder Fujifilm?

Wo kann man die X100V denn noch kaufen? Und was ist nun mit dem Nachfolger?

Vielleicht bis Du auf diesen Artikel gestossen, weil Du Dich fragst, ob und wo Du die Kamera kaufen sollst und kannst. Das „ob“ haben wir geklärt. Das „wo“ ist indes noch offen.

Letztlich hast Du aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten. Erst einmal natürlich gebraucht bei eBay Kleinanzeigen und Co. Ich finde das ja immer eine gute Plattform. Was mit aber nicht gefällt ist, dass viele Leute die X100V für deutlich über ihren (ursprünglichen) Wert verkaufen, die Knappheit also gnadenlos ausnutzen (während ich das schreibe ist einer der ersten Treffer auf eBay Kleinanzeigen ein gebrauchtes Exemplar für 1.800 Euro). Auf der einen Seite sind das die Mechanismen von Märkten, das ist mir klar. Anderseits finde ich das aber nicht unterstützenswert. Da würde ich Dir schon eher die X100F, also den Vorgänger empfehlen. Eine tolle Kamera, die Bildqualität ist annähernd dieselbe, allerdings musst Du beim Objektiv kleinere Abstriche machen. Für derzeit 700 bis 900 Euro wirst Du zuschlagen können. Das wäre meine Empfehlung an Dich. Mehr Preis-Leistung bei einer Edelkompakten geht derzeit nicht! Außerdem wird die X100F vermutlich relativ preisstabil bleiben. Kommt der Nachfolger der X100V, dann werden die Preise womöglich auf ein Niveau von um die 1.000 Euro sinken.

Wenn Du aber unbedingt eine neue X100V haben möchtest, dann würde ich auf jeden Fall zum lokalen Händler gehen und dort nachfragen. Und zwar immer wieder. Schön häufig habe ich von Erfolgsstories gehört, bei der tatsächlich regelmäßig ein- oder zwei Exemplare angekommen sind. Es ist zwar so, dass die X100V derzeit vergriffen ist. Es ist aber nicht so, dass nicht hin und wieder neue Kameras „vom Band rollen“ und zu den Händlern kommen. Leider eben nur viel zu Wenige. Davon solltest Du Dich aber nicht beeindrucken lassen, sondern viel mehr den Kontakt zum lokalen Händler suchen.

Und dann ist da noch die Frage nach dem Nachfolger, also der X100VI oder der X100V2 oder der X200 – it’s your choice. In einem eigenen Artikel habe ich darüber letztes Jahr schon geschrieben und gemutmaßt, wann und mit welchen Features die Kamera auf den Markt kommen wird. Eigentlich ist die Neue schon überfällig – betrachtet man die bisherigen Innovationszyklen. Auf der anderen Seite gibt es bis heute noch nicht einmal handfeste Gerüchte, was die Kamera mit sich bringt, geschweige denn ein Timing. Oder gar den Namen der Kamera. Hin und wieder gibt es sogar Stimmen, die behaupten, es würde gar keinen Nachfolger mehr geben. Allerdings – und das ist ganz subjektiv – bin ich mir sicher, lange wird es nicht mehr dauern!

Es bleibt und es wird spannend! Bis dahin: Die X100V ist wahrlich eine tolle Kamera und nach drei Jahren intensiver Nutzung kann ich sie Dir – mit ein paar wenigen Einschränkungen – wärmstens ans Herz legen!

Habe ich irgend etwas zur Fuji X100V vergessen? Dann schreibe es unten in die Kommentare!

Links – zum Weiterlesen

Fuji X100 Review: Bilder

Hier findest Du einen Querschnitt aus dem Bildmaterial, das ich zeigen darf und kann. Denn ich habe auch ein paar Auftragsarbeiten mit der X100V gemacht, die ich hier natürlich ebenso wenig zeige, wie Bilder mit Menschen auf meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Daher überwiegen Landschaftsaufnahmen und „Stills“ gegenüber Menschenaufnahmen und/oder Portraits.

12 Gedanken zu „Fuji X100V Review: Meine Erfahrungen nach drei Jahren intensiver Nutzung“

  1. Hallo Florian,

    so langsam finde ich es fast erschreckend, wie parallel offenbar unsere Gedankengänge sind. Auch ich habe schon seit einer Woche einen zweiten Artikel (nach meinem langen Review vor drei Jahren) über die X100V vollkommen fertig als Entwurf und warte nur darauf, dass ich ihn nach dem nächsten WE mit aktuellen Bildern aus Antwerpen posten kann. Hammer!

    Mein Fazit wird übrigens eher noch weniger bis gar nicht kritisch ausfallen. Interessant ist Dein Hinweis auf das Hitzeproblem. Ich hatte das noch nie und war bis heute davon ausgegangen, dass es wenn nur beim Filmen auftritt. Das sie dann warm wird, fühlt man ja – hatte ich damals auch sofort gemerkt. Nur hatte ich real noch nie eine Abschaltung. Ich habe aber mal nachgedacht und sie komischerweise noch nie bei wirklich großer Hitze dabeigehabt. Diesen Sommer soll sie aber nach Rom und Sardinien mit… bin mal gespannt. Wollte sie eigentlich als einzige Kamera mitnehmen…

    VG Peter

    Antworten
    • Hallo Peter, ich bin schon sehr gespannt und freue mich darauf, Dein Urteil zu lesen! Und ich freue mich, dass wir eine gemeinsame Sichtweise, sogar ähnliche Timings haben. Vielleicht sollten wir uns mal abstimmen? 😉 Und wir sollten zusammen shooten gehen! Würde mich sehr freuen!
      Erstmal viel Spaß und tolle Eindrücke in Antwerpen!
      Viele Grüße, Florian

  2. Hallo Florian,
    Ich habe meine X100V im Herbst 2020 gekauft, sogar für etwas unter der UVP, 1399,- €, das waren noch Zeiten 😉
    Ich wusste damals schon nicht, ob schwarz oder Silber, es ist Silber geworden und ich bin happy damit. Gepimpt habe ich sie mit einer Daumenstütze, einem Auslösebutton, einer eckigen Gegenlichtblende und getragen wird sie mit einem Seemannsgarngurt von Patrick Ludolph. Ich könnte sie stundenlang anschauen. Technisch bin ich mit ihr absolut zufrieden, eigentlich bräuchte ich nichts anderes. Das Hitzeproblem kenne ich auch nicht, ich hatte sie aber auch nicht in extremen Bedingungen mit. Die Frage ist, ob 30°C schon extrem sind. Die X100V hat auch meine Art der Fotografie stark verändert. Ich bin jetzt viel mehr auf der Straße unterwegs. Gespannt bin ich auch, was da so vielleicht als Nachfolger kommt, aber brauchen würde ich keine. Das war ein schönes Fazit von dir und weiterhin viel Spaß mit der X100V
    VG Jens

    Antworten
    • Hi Jens, sehr spannend zu hören, welches Zubehör Du verwendest und wie Du mit der Kamera gar klarkommst. Und dass sie auch bei Dir die Art der Fotografie verändert. Viele Grüße, Florian

  3. Hi Florian,

    wenn ich mal in wieder Hamburg bin (ich liebe diese Stadt), melde ich mich. Relativ fest vorgenommen habe ich mir zumindest die Photopia… 🙂

    Mich lässt Dein Bericht zur Hitzeabschaltung einfach nicht in Ruhe. Ich habe lange überlegt, ob und wo ich die Kamera bei wärmeren Temperaturen dabei hatte. Das war wirklich nicht so oft, aber immerhin mindestens einmal im echt heißen Sommer im äußersten Süden Griechenlands, also deutlich jenseits der 30 Grad. Ich hatte bis heute weder eine Abschaltung noch eine einzige Hitzewarnung. Allerdings habe ich sie da nie stundenlang, z.B. durch eine Stadt laufend, intensiv genutzt. Muss ich mir mal dieses Jahr genauer anschauen…

    VG,
    Peter

    Antworten
    • Sehr gerne, sag Bescheid wenn Du in Hamburg bist, sonst spätestens zur Photopia.
      Meine Hitzeerfahrungen sind leider wirklich nervig, weil ich immer wieder aufhören musste, zu fotografieren. Vielleicht liegt es aber auch einfach an meiner Kamera und sie wird allmählich zu einer alten Dame 🙂

  4. Hallo Florian, danke für diesen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ich kann in ganz großen Teilen deine Erfahrungen teilen. Das Hitzeproblem kenne ich auch von meiner x100V. Es tritt aber tatsächlich nur in extremen Situationen auf. Ich hatte das in Marokko in der Wüste. Seitdem ich das einmal hatte, trage ich bei großer Hitze die Kamera nicht mehr am Körper, sondern in der Tasche und schütze sie so vor direkter Einstrahlung und zu großer Hitze. Wie bist du in Indien damit umgegangen? Grüße, Jakob

    Antworten
    • Hi Jakob, Deine Frage ist total berechtigt. Und ich habe jetzt echt schon ein paar Reaktionen erhalten, die mir das Hitzeproblem bestätigen und ein paar Reaktionen, die das so nicht kennen. Ich muss sicherlich einräumen, dass ich die x100V in Indien offen am Körper getragen hatte. Und damit war sie auch der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Insofern könnte man auch argumentieren, dass da vermutlich viele Kameras in die Knie gehen würden. Ich habe vermutlich eine ganz normale X100V, die einfach super extremen Bedingungen ausgesetzt war. Viele Grüße, Florian

  5. Spannender Artikel! Ich hab die X100V jetzt seit ca. 4 Monaten und bin ziemlich zufrieden. Ich hatte vorher immer mal wieder digitale Kameras daheim (Bridge Kamera, ne mittlere DSLR, ne Sony RX100 IV), bin aber immer wieder zurück auf meine Nikon FM und AF35 gegangen.

    Seit der X100V ist das anders.

    Ein Wort zum Gebrauchtmarkt: Kleinanzeigen ist völlig kaputt. Dort sind zu 95% Betrüger unterwegs, wenn man eine X100V will. Ich übertreibe nicht, ich hab mir das 2 Monate angetan. Am Ende hab ich ein Gesuch geschrieben und jemand aus dem Nachbarort hatte eine abzugeben. Ich würde solche Artikel nie mehr über Kleinanzeigen per Versand kaufen.

    PayPal mit Käuferschutz hilft hier übrigens auch nicht, siehe „Dreiecksbetrug mit PayPal“.

    Antworten
    • Hey Tom, herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Kleinanzeigen ist manchmal ein heißes Pflaster, meine Erfahrungen sind dort wirklich ausnahmslos gut. Aber es gibt halt wirklich unverschämte Anbieter und auch Nachfrager. Wenn man die umschifft, dann klappt es. Leider kommen die bei der X100V derzeit zu häufig vor … viel Spaß weiterhin mit Deinem Exemplar! Florian

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