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Die Fuji X100V – eine Liebeserklärung

Eine Liebeserklärung an eine Kamera. Kann das gutgehen? Können technische Geräte überhaupt geliebt werden? Was bedeutet es, einen Fotoapparat wirklich gerne nutzen zu wollen? Können so bessere Bilder gemacht werden? Und warum nun ausgerechnet die Fuji X100V?

Die Fuji X100V - Liebe auf den ersten Blick.
Die Fuji X100V – Liebe auf den ersten Blick.

Schon seit Wochen hatte ich Reviews auf YouTube und in Blogs gelesen und eigentlich war es schon um mich geschehen, als Fuji die Kamera Anfang Februar der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Ende März habe ich mich schließlich selbst belohnt. Gerade hatte ich eine OP hinter mich gebracht und der deprimierende Corona Lockdown hatte begonnen. Ein Anruf beim Händler meines Vertrauens, bei Meister Camera in Hamburg und am selben Tag hatte ich die Kamera via Kurier in der silbernen Variante in meinen Händen.

Die fünfte Generation der X100 Serie

Angefangen hatte es 2011 als Fuji die erste Version der Serie auf den Markt gebracht hatte, die Fuji X100. Daraus ist schließlich die heutige Fuji X Serie rund um die APS-C Flagschiffe X-T4, X-Pro3 und X-H1 entstanden. Seit 2015 fotografiere ich mit dem X System und habe mir 2017 mit der X100S das Nachfolgemodell (S=Second) der “Ur”-X100 gekauft. Schon damals war ich begeistert von der kleinen Kamera und der ganz eigenen Charakteristik der Bilder. Allerdings haben mich sowohl der Autofokus als auch die geringe Batteriekapazität immer wieder zur Verzweiflung gebracht.

What a beauty: Die X100V.
What a beauty: Die X100V.

Ein Wochenende in Venedig mit gleich zwei kaputtgegangenen und nicht wiederaufladbaren X100S Akkus liess mich zur inzwischen erschienen vierten Auflage X100F (F = Fourth) greifen. Der Autofokus wurde verbessert, der kräftigere Fuji Standardakku wurde inzwischen verbaut und schließlich war ein Upgrade von 16 auf 24 Megapixel ein weiterer wichtiger Schritt. Das Herz der Kamera, nämlich das 23mm F2 Objektiv blieb jedoch ebenfalls unverändert wie das Äußere. Die X100F war also eine Traumkamera, die mich auf kurzen und langen Reisen begleitete. Und dafür ist die Serie aus meiner Sicht auch gedacht: Es ist die kleine Hübsche, die immer dabei ist.

Was an der Fuji X100V neu ist

Nun wissen alle Technikbegeisterten dass das Bessere der Feind des Guten sein kann. Und als die neueste Generation X100V (V = römisch 5) vorgestellt wurde, hatte ich mich in diese Neue verliebt – auf den ersten Blick. Was war nun ausschlaggebend?

  • Das überarbeitete 23mm Objektiv?
  • Das neue und praktische Klappdisplay?
  • Dass die Kamera nun spritzwassergeschützt ist?
  • Oder etwa das erstmalige Verändern des Aussehens?

Nun, die Fuji X100 gehörte für mich schon immer zu den schönsten Kameras. Mit ihrem Rangefinder-Style erinnert sie unweigerlich an die analogen Leicas und vermutlich ist die M6 von Leica die einzige Kamera, die der X100-Serie den Titel “most sexiest camera” je streitig machen könnte.

Die japanischen Designer haben nun ein äußerst gutes Händchen bewiesen und die klassische Linienführung noch konsequenter umgesetzt. Durch ein leichtes Neu-Arrangement der Elemente sieht die X100V noch klassischer aus, noch analoger. Wer die Serie bisher liebte, wird sie rein optisch noch attraktiver finden. Wer sie schon immer albern fand, der wird auch bei der V seinem Urteil treu bleiben.

Die Fuji X100V mit dem kaum sichtbaren Klappdisplay
Die Fuji X100V mit dem kaum sichtbaren Klappdisplay

Wie schon bisher gibt es sie in zwei Varianten, in silber und in schwarz. Und beide spielen mit ihrer ganz eigenen Versuchung. Ist die schwarze so dezent hübsch wie unauffällig, so ist die silberne ein Blickfang und eine noch stärkere Anspielung auf die Vintage Kameras der 50er und 60er Jahre. Beiden gemeinsam ist die haptische Wertigkeit. Die Kanten und Rundungen wirken noch plazierter, das Gewicht unterstreicht die Kraft, die in der Kamera steckt. Die FujiX100V ist ein Handschmeichler, ein Fotoapparat, der dauernd in die Hand genommen werden möchte. Ein Stück Technik zum Verlieben.

Technik der 5. Generation

Aber hey, auch die technische Weiterentwicklung kann durchaus überzeugen: Der Spritzwasserschutz ist ebenso hilfreich wie das Klappdisplay, beides hatte ich bisher nicht vermisst, gibt mir aber vor allem bei schlechten Wetterbedingungen ebenso ein sicheres Gefühl wie auch beim Fotografieren aus Bodennähe. Der Spritzwasserschutz muss übrigens am Objektiv einmal “aktiviert” werden, Fuji empfiehlt ein entsprechendes Kit, ein einfacher UV-Filter mit Adapterring für ca. 15 Euro (Affiliate Link) kann diese Funktion jedoch schon erfüllen.

Die V mit Adapterring und UV Filter = Water Resistant!
Die V mit Adapterring und UV Filter = Water Resistant!

Wichtigster technischer Aspekt ist aus meiner Sicht die Überarbeitung des 23mm (35mm Kleinbild äquivalent) Objektivs. Mit Blende F2 steht bei dieser kompakten Bauweise wie bei den Vorgängern eine bemerkenswerte Lichtstärke zur Verfügung. Da ich in aller Regel offenblendig fotografiere ist mir bei den Vorgängermodellen immer wieder die leichte milchige Unschärfe, insbesondere an den Rändern, aufgefallen. Teils konnte man dies als Charakteristik des Objektivs verkaufen, teils hat es aber gestört und zum Abblenden gezwungen. Mit der Fuji X100V machen Nahaufnahmen richtig Spaß, Portraits (auf die ich aus privaten Gründen in den Beispielbildern verzichte) sehen wunderbar aus, der Hintergrund im Bereich drei bis ca. acht Meter verschwimmt wunderbar, das Bokeh ist fantastisch. Der fokussierte Bereich dafür knackscharf. Die Linse ist eine echte Weiterentwicklung und – man muss es noch einmal formulieren – bei kleiner Größe mit fantastischen Resultaten.

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Viele Fotografen schwören auch auf den Hybridsucher oder den aufgrund des Zentralverschlusses besonderen Blitzmöglichkeiten. Beides ist für mich nicht relevant, da ich beides auch nicht nutze. Mich überzeugen dafür die Videofunktionen und ich nutze den um eine Stufe verbesserten internen ND Filter sehr häufig. Dass inzwischen sogar ein 26 Megapixel Sensor verbaut ist, macht keinen allzu großen Unterschied, aber auch das nehme ich natürlich gerne mit. Und auch wenn mein Favorit die Simulation Classic Chrome ist, finde ich die neue Simulation Classic Neg Pro sehr spannend. Und schließlich weiss ich den erneut verbesserten Autofokus sehr zu schätzen.

Es gibt nichts, was ich an dieser Kamera vermisse. IBIS, mehr Lichtstärke, Vollformat – all das würde ich nehmen, ist in dieser Bauweise vermutlich nicht umsetzbar und möchte ich mir daher gar nicht erst wünschen. Viel diskutiert wurde das fehlende D-Pad. Doch nach den ersten paar hundert Bildern habe ich das Fehlen schon gar nicht mehr gemerkt …

Die fünfte Generation der 2011 eingeführten X-Serie in der 2020er Version.
Die fünfte Generation der 2011 eingeführten X-Serie in der 2020er Version.

Ich habe die Kamera im letzten Vierteljahr ausführlich genutzt. Ich habe sie beim Fahrradfahren dabei gehabt, beim Wandern, habe mit ihr gefilmt und sie (mit der X Pro2) für mein Corona Hamburg Projekt eingesetzt. Sie ist so klein und so kompakt. Und man möchte sie andauernd in die Hand nehmen. Vielleicht der größte Beweis: Die Fuji X100V hat sogar meine Leica Q ablösen dürfen. Ist das nicht Liebe?

Fotografisch bin ich mit der Fuji X100V wunschlos glücklich. Vielleicht werde ich ihr den Weitwinkelkonverter WCLX100 schenken, dann könnte sie mich sogar noch mit 18mm Aufnahmen überraschen …

Ergänzung (02.08.2020)

Es freut mich, dass meine “Liebeserklärung” so häufig gelesen wird und dass ich hierzu immer wieder Rückfragen bekomme. Mehrmals waren die Fragen dabei, welche Einstellungen ich an meiner X100V vorgenommen habe und wie ich meine Bilder bearbeite.

Ich fotografiere grundsätzlich in RAW+JPG und habe die Simulation “Classic Chrome” voreingestellt. Warum JPG? Ich kann bei Bedarf schnell ein Bild aufs Handy laden und versenden. Und noch wichtiger: im Sucher sehe ich dann automatisch die Chrome Variante, auch wenn ich später in Adobe Lightroom nur mit dem RAW weiterarbeite.

Schärfe, Tonwerte, Weißabgleich – das alles bleibt bei mir in den Voreinstellungen unberührt, das passiert in der Nachbearbeitung am Rechner (Lightroom Classic) oder inzwischen noch lieber am iPad Pro (Lightroom (cloudbasiert/früher CC).

Wichtig ist die ISO Einstellung, die steht auf Automatik mit drei Obergrenzen, nämlich 800, 1600 und 6400. Je nach Notwendigkeit. Ansonsten habe ich häufige Funktionen auf die Schnelltasten gelegt, bei mir den ND Filter, den Selbstauslöser und die Konnektivität zur App. Und damit muss ich eigentlich nie in die – ehrlich gesagt – nicht ganz klar benannten und daher verwirrenden Fuji Menüs.

Eigentlich lädt die Kamera dazu ein, alles in JPG zu machen und vorab Einstellungen vorzunehmen (dazu auch ein sehr lesenswertes Buch von Thomas B. Jones). Ich habe das versucht, aber letztlich bleibe ich RAW Shooter und seitdem ich auf einen Workflow mit dem iPad Pro umgestellt habe, geht das viel schneller und mobiler für mich. Dazu gibt es demnächst einen eigenen Artikel (Update: hier habe ich darüber geschrieben). Wenn Du wissen willst, wie ich Fuji RAWs (also auch von der X100V) in Lightroom Classic bearbeite, dann kannst Du das am Beispiel meines Berichtes zur Landschaftsfotografie hier nachlesen.

Meine Empfehlungen zum Weiterlesen / -schauen:

  • Zuerst das Offizielle: Die Fuji Pressemitteilung zur X100V
  • Thomas B. Jones ist eine der bekanntesten deutschsprachigen Fuji Fotografen. Sein Podcast mit Falk Frassa “Die Photologen” Pflicht. Er hat mehrere YouTube Videos zur Kamera veröffentlicht, zum Beispiel dieses hier.
  • Mein Lieblingblog zur Fotografie ist Qimago. Mehrdad hat hier ein sehr tolles Review zur X100V geschrieben.
  • Ken Rockwell gilt als der Gott der Kamera- und Objektivreviews. Auch er vergibt der Edelkompakten Bestnoten: “Unless you already have an X100F (…), this Fuji X100V is the best camera you can get for fixed-lens people, family, group and travel photography.”
  • Der Kanadier Take Kayo aka bigheadtaco ist einer der sympathischsten Foto YouTuber. Seine Reviews insbesondere zu Fuji und Leicas sind legendär. Klick klick klick zum Review der V.
  • Und schließlich darf das Urteil des legendären Fuji X Photographers Jonas Rask aus Dänemark nicht fehlen: “If I could have only one camera and one lens it would be an X100. (…) I have not hesitated in calling the X100F the best camera in the world, and the X100V has just topped the X100F by a wide margin. (…) The X100V is indeed my desert island camera.” Sein Text und seine Bilder, äußerst lohnenswert!

Fuji X100V Beispielbilder

2 Antworten auf „Die Fuji X100V – eine Liebeserklärung“

Sehr schöner Bericht und auch sehr schöne Fotos. Wurden die Fotos nachgearbeitet?

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