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Adobe Lightroom CC oder Lightroom Classic? Fragen, Antworten und Erfahrungen

Seit einigen Monaten nutze ich Adobe Lightroom CC. Und das nachdem ich jahrelang Adobe Lightroom Classic Anwender war. Und eigentlich auch ein sehr zufriedener Anwender. Aber erstens ist der Platz auf meiner Festplatte irgendwann ins Unendliche gewachsen und zweitens hat es mich immer mehr genervt, dass ich die Bildbearbeitung unterwegs nicht richtig machen konnte, ohne einen Rechner mitzunehmen. Adobe Lightroom CC verspricht nun genau für diese beiden Aspekte die ideale Lösung zu sein. Und das habe ich ausprobiert.

Adobe Lightroom CC
Adobe Lightroom CC

Adobe Lightroom Classic oder CC?

Wer sich mit Lightroom beschäftigt wird sich der Herausforderung stellen müssen, die verschiedenen Varianten und ihre Namen zu unterscheiden. Zum Unmut aller Anwender haben sich eben diese Namen in den letzten Jahren auch ständig geändert. Stand heute unterscheiden wir eine Version, die wir “stationär” auf einem PC oder Mac installieren (Lightroom Classic) und einer Version, die plattformübergreifend als App (Lightroom CC) fungiert (wobei auf PC oder Mac technisch ebenfalls eine Installation erfolgt und sich die CC Version – mit Einschränkungen – auch webbasiert abrufen lässt).

Die wichtigste Unterscheidung liegt nun daran, dass in Classic die Bilder auf dem Rechner lokal gespeichert werden (oder auf Festplattenlaufwerken / NAS Systemen). Bei CC hingegen werden alle Bilder in die Adobe Cloud geladen. Letztere Version beansprucht nicht nur eine Menge Speicherplatz in der Cloud. Viele Fotografen werden bemängeln, dass eine lokale Sicherung nicht ohne weiteres möglich ist und beim Zugriff auf die Daten eine (halbwegs schnelle) Internetverbindung benötigt wird.

Warum sollte man überhaupt zu CC wechseln wollen?

Lightroom Classic ist und bleibt die Pro Variante. Schließlich gibt es Funktionen, die es in der CC Version schlicht (noch) nicht gibt, dazu mehr unten. Ich habe mich damit beschäftigt, weil ich eine automatische Sicherung in der Cloud haben wollte. Hierzu habe ich mit pCloud experimentiert, eine Lösung, die durchaus Charme besitzt. Hier besitzt man ein virtuelles Laufwerk, in die ich die Lightroom Bibliothek direkt speichern kann (zum Beispiel hier beschrieben). Für mich hat diese Lösung aber nicht funktioniert, da meine (normale) Internetverbindung zur Cloud nicht schnell genug für RAWs und die Lightroom Bibliotheken ist. Lightroom CC bietet genau diese Möglichkeit der automatischen Speicherung.

Verlockend ist weiterhin, mit Lightroom CC plattformübergreifend zu arbeiten und letztlich auch Speicherplatz auf den Geräten zu sparen. Im Urlaub die Bilder auf dem iPad oder dem Smartphone bearbeiten und zuhause am “großen Rechner” den Feinschliff vornehmen? Genau das verspricht Adobe.

Ich kann es vorwegnehmen. Für mich funktioniert es. Nicht perfekt, aber mit Einschränkungen, mit denen ich leben kann. Und im Gegensatz zu den meisten meiner “Kollegen” (das mache ich an den vielen “Anti”-Artikeln zu CC in Foren und Blogs fest), möchte ich auch nicht mehr zurück zur klassischen Version.

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Wie funktioniert die Migration von Classic zu CC?

Die Migration von Lightroom Classic zu Lightroom CC ist relativ einfach. Adobe selbst stellt ausführliche Anleitungen dafür bereit (zum Beispiel hier). Vermutlich existiert ein großes Interesse, möglichst viele Anwender zu genau diesem Schritt zu bewegen, daher ist er nicht nur gut dokumentiert, sondern auch wirklich einfach zu bewältigen. Wichtig ist nur: Es gibt keinen Schritt zurück. Und man benötigt das Lightroom CC Abo mit 1 TB Speicherplatz. Alles Andere macht keinen Sinn.

Und damit ist man schon in der Diskussion der Preispolitik von Adobe angelangt. Auf der einen Seite das sogenannte “Foto Abo”, das Adobe Lightroom Classic und Adobe Photoshop enthält und mit 11,59 Euro im Monat zu Buche schlägt. Und es enthält auch Lightroom CC zum Ausprobieren, nämlich mit einer Cloud Speicher Anbindung von 20 GB. Aus meiner Sicht viel zu wenig, um es ernsthaft zu nutzen. Wir alle wissen, wie schnell 20 GB in der Fotowelt verbraucht sind.

Auf der anderen Seite das sogenannte “Lightroom Abo”, das monatlich ebenfalls 11,59 Euro kostet (alle Preise von der Adobe Seite im August 2020), aber eben weder Adobe Photoshop noch Adobe Lightroom Classic enthält, sondern nur Adobe Lightroom CC, dafür mit einer Cloud Kapazität von einem ganzen Terrabyte.

Bevor Du migrierst benötigst Du auf jeden Fall ein “Lightroom Abo”, das ausreichend Speicherplatz enthält. Und Du musst viel Zeit einplanen, schließlich wird Dein ganzer Katalog in die Cloud geladen. Und natürlich ist es ratsam, davor ein Backup zu machen. Denn wenn der Vorgang einmal eingeleitet ist, dann lässt er sich nicht mehr rückgängig machen.

Hilfreich ist das Plugin “Teekesselchen“. Damit solltest Du einmal vor der Migration Deine Bibliothek prüfen lassen und damit Duplikate entfernen. Noch einmal das angesprochene Backup durchführen und dann kann es losgehen. In meinem Fall waren es 31.542 Bilder, die von Classic direkt in die Cloud migriert wurden. Stück für Stück.

Es gibt einen Zwischenschritt – Du benötigst erst einen entsprechend großen Festplattenplatz (auch als externe Platte möglich), auf die alle Daten gelegt werden und von dort wird dann alles in die Lightroom Cloud geladen. Und ja, das hat in meinem Fall mehrere Tage gedauert. Aber nun sind alle meine Bilder – inklusive aller Bearbeitungen – von allen Endgeräten leicht erreichbar. Und in der Cloud gesichert, ohne Speicherplatz auf meinen lokalen Geräten zu verbrauchen. Ziemlich praktisch. Und das funktioniert auch wirklich richtig gut. Allerdings musste ich für die Bearbeitung neuer Bilder auch meinen Workflow umstellen.

Wie könnte der Workflow unter Lightroom CC aussehen?

Nun, meinen bisherigen Workflow habe ich hier ja schon einmal beschrieben. Auf was ich nun verzichten muss, ist der Feinschliff mit der Nik Collection oder den Einsatz von Luminar. Die Bilder müssen nämlich in Lightroom CC komplett “fertig” entwickelt werden, es gibt keinerlei Anbindung an weitere Systeme. Soviel zu den Nachteilen. Alles Weitere ist aus meiner Sicht super positiv.

Ich fotografiere wie bisher auch in RAW. Anschließend lade ich die Bilder alle in Lightroom CC. Dazu nutze ich ein iPad Pro der aktuellen Version und bearbeite dann auf dem iPad alle Bilder. Es ist natürlich nützlich, wenn Du etwas mehr Kapazität auf dem iPad hast, denn schließlich hat man nicht dauernd die Möglichkeit, die Bilder hochzuladen.

Im ersten Schritt vergebe ich die aus Lightroom bekannten Sternebewertungen. Sehr praktisch ist, dass Lightroom bei einer aktiven Internet Verbindung zuerst die Bilder mit hohen Bewertungen hochlädt. Damit weiß ich, dass meine Lieblingsbilder – die besten Shots – direkt gesichert werden. Währenddessen lege ich direkt meine Presets auf die Bilder – denn auch diese (sogenannte “Vorgaben”) werden zwischen den Geräten aktualisiert. Die folgenden Bearbeitungsschritte sind im Prinzip dieselben wie in Lightroom Classic. Etwas anders, aber durchaus erlernbar. Und so kannst Du Deinen Workflow auf jeglichem Endgerät völlig abschließen. Theoretisch sogar von jedem Rechner der Welt, denn Lightroom funktioniert auch webbasiert. Allerdings ist hier die Performance nicht wirklich praktikabel. Für mich am Wichtigsten: Alle Dateien sind – eine gute Internetverbindung vorausgesetzt – automatisch gesichert.

Adobe Lightroom CC auf dem iPad Pro
Adobe Lightroom CC auf dem iPad Pro: Sehr praktisch ist, dass die mit Sternen bewerteten Bilder zuerst in die Cloud übertragen werden.

Auf dem iPad Pro funktioniert der Workflow wirklich super smooth. Man benötigt hierzu den entsprechenden Adapter von Apple zur SD Card (in meinem Fall mit meinen Kameras). Hilfreich ist auch der Apple Pencil. Mit diesem Paket ist die Bearbeitung so easy, dass ich ehrlich gesagt, gar nicht mehr zurück zu Classic möchte.

Was ist in Lightroom CC (noch) nicht möglich?

Bis hierhin hört sich das alles nach einer perfekten Lösung für ambitionierte Hobbyfotografen an. Die Wahrheit beinhaltet allerdings auch, dass einige Funktionen in Lightroom CC schlichtweg nicht bereit stehen. An dieser Stelle ist es wichtig, dass ich über den aktuellen Stand schreibe. Der Blick in die Glaskugel dürfte wohl verheißen, dass früher oder später Adobe komplett auf eine CC Variante umstellen könnte und die fehlenden Funktionen nachliefern wird. Aber soweit ist es – jetzt im August 2020 – noch nicht.

Mit der aktuellen CC Lizenz ist es nicht möglich, Panoramen oder HDR Dateien zu erstellen, wie es Anwender von Lightroom Classic kennen (Update 22.08.2020: Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung dieses Berichtes hat Adobe beide Funktionen schon nachgeliefert). Noch viel deutlicher merke ich, dass mir die Funktion fehlt, virtuelle Kopien zu erstellen. In Classic habe ich das gerne gemacht, wenn ich ein Bild anders entwickeln wollte. Also einen Monchrome Vergleich mit einer Farbentwicklung. Oder die Entwicklung nach verschiedenen Formaten. Das ist im Endeffekt der Punkt, den ich am schmerzlichsten vermisse. Ich würde mir wünschen, dass Adobe hier sehr schnell nachbessert.

Gibt es denn eigentlich Dinge, die CC viel besser kann?

Ehrlicherweise gibt es auch eine Sache, die in CC phänomenal ist und die ich aus Classic nicht gekannt habe. Und das ist die künstliche Intelligenz der Personenerkennung. Adobe Lightroom CC scannt die komplette Bibliothek und prüft dabei alle Gesichter. Die Machine Learning Algorithmen sorgen dafür, dass Gesichter erkennt werden und zu Personen zusammen gefasst werden. In meiner über 30,000 Bilder umfassenden Bibliothek schaffte es Lightroom sowohl die Kinderbilder meiner Oma mit den Bildern meiner Oma im hohen Alter zu connecten und sie zu einer Person zusammen zu fügen. Das ist nicht nur extrem erstaunlich, sondern auch äußerst praktisch. Um bei meiner Oma zu bleiben: In Lightroom CC wähle ich den Reiter “Personen”, klicke sie einmal dort an und sehe alle Bilder aus meiner Bibliothek, die von Adobe mit meiner Oma erkannt wurden. Und das sind gefühlt 95% aller Bilder von Oma – von 1910 bis 1990. Händisch hätte ich das selbst nie hinbekommen.

Gerade bei großen Bibliotheken ist das total genial – und zugleich auch ein wenig spooky. Aber dieser Beitrag soll weniger über Prinzipien des Datenschutzes referieren, sondern über einen möglichen Umstieg auf Lightroom CC informieren. Und wenn Du häufiger mehrere Bilder einer Person benötigst – ob für Hochzeiten, für Geburtstage oder für andere Feierlichkeiten – dann ist das schon richtig genial. Denn mit einem Klick hast Du (fast) alle Bilder dieser einen Person parat.

Was sollte besser werden an Lightroom CC?

Abgesehen davon, dass Lightroom CC nicht alles kann und meine Wunschliste ganz klar aus 1.) Virtuelle Kopien, 2.) Panoramen und 3.) HDR Erstellung (Update 23.08.2020: inzwischen möglich) besteht, gibt es auch echte Bugs. Und das sollte von Adobe unbedingt verbessert werden.

Um es kurz zu machen. Eigentlich funktioniert alles richtig gut. Bildverwaltung, Synchronisierung, Bildbearbeitung. Wenn es an den Punkt des Exports kommt, dann zeigt Lightroom CC seine krassesten Schwächen. Vielleicht liegt es auch an meiner Konfiguration, aber ich schaffe es nicht, mehrere Bilder gleichzeitig von den mobilen Geräten zu exportieren und per AirDrop zum Beispiel auf das iPhone zu laden. Gleiches gilt auch für weitere Exporte von mehreren Dateien. Und das nervt nicht nur, das hemmt auch die komplette Arbeit auf den mobilen Endgeräten.

Dabei funktioniert es, mehrere Dateien bei der Arbeit auf dem stationären Rechner zu exportieren, es dauert aber immer ewig, bis die Bibliotheken geladen werden. Letztlich funktioniert die Exportfunktion auf keinem der möglichen Endgeräte richtig gut. Die Wartezeit – sofern es auch wirklich funktioniert – ist erheblich, auch bei einer schnellen Internetverbindung. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Wo ich noch großes Potential sehe, sind die Geofunktionen. Das würde ich eher auf einen perspektivischen Wunschzettel setzen. Hier wird bislang noch gar nichts genutzt. Alle Daten sind hinterlegt, aber es gibt keinen eigenen Bereich (wie bei den Personen), es gibt kein einfach zugängliches Kartenmaterial.

Und jetzt?

Letztlich muss jeder Fotograf selbst einschätzen, welche Variante am Besten funktioniert. Ich bin nach dem einfachen Test-Kontroll-Prinzip vorgegangen und habe beide Lightroom Varianten eine Weile parallel genutzt. In Verbindung mit einem iPad Pro – gerade auf Reisen – hat sich für mich sehr schnell der Vorteil der CC Variante gezeigt. Es ist komplett unkompliziert und gleichzeitig ist die komplette Fotodatenbank in der Cloud gesichert (Adobe stellt übrigens ein Tool bereit, um die Daten aus CC lokal zu sichern).

So hoffe ich darauf, dass die beschriebenen Bugs ausgemerzt werden und die fehlenden Funktionen in der Cloud Funktion noch nachkommen.

Wenn ich so die Blogs und die Foren verfolge, bin ich mit meiner Meinung relativ alleine auf weiter Flur, dass unterm Strich Lightroom CC besser funktionieren kann als Lightroom Classic. Die Frage ob Classic oder CC erinnert mich etwas an die Frage Spiegelreflex oder Systemkamera vor einigen Jahren. Für viele ist Classic die einzig ernsthafte Version. Ich kann diese Einschätzung nur bedingt nachvollziehen. Denn wer eine mobile Lösung sucht und viel auf Reisen ist, für den wird CC – bei allen (noch) vorhandenen Schwächen – vermutlich die Lösung sein.

Lasst uns abschließend einen Blick auf die Preise werfen. Und zwar nicht auf die Rate Card von Adobe, sondern auf die Marktpreise. Das “Foto Abo” für Adobe Lightroom Classic User ist mit etwas Glück immer wieder mal zu einer Jahresgebühr von 90-100 Euro zu erstehen (dazu solltest Du einen Agent bei MyDealz einrichten). Macht also ganz grob einen Kostenfaktor von 8 Euro im Monat.

Mehr oder weniger dauerhaft gibt es die Cloud Variante für 39 Euro im Jahr. Der Dealclub bietet das seit einigen Monaten an, macht dann letztlich etwas mehr als 3 Euro im Monat. Ein gutes Argument, das Dir eventuell die Entscheidung erleichtern könnte.

ProContra
Automatische Sicherung in der CloudVirtuelle Kopien anlegen nicht möglich
Weniger Festplattenbedarf auf EndgerätenFehlende Funktionen Panorama / HDR (inzwischen möglich)
Mobiler Workflow / Einheitlichkeit auf allen EndgerätenExportfunktion mit Bugs
Personenerkennungkeine Anbindung von Plugins (Nik Collection u.B.)
Preis deutlich günstiger (Marktpreis ca. 39 statt ca. 99 Euro/Jahr)kein Photoshop enthalten im Paket
Das mobile Arbeiten macht viel mehr Spaß / Arbeiten mit dem Apple Pencil
Der (subjektive) Versuch einer Pro- und Contra Liste nach dem Umstieg

Zugegeben, das ist wirklich ein sehr nerdiger Beitrag. Wenn Du Lightroom Classic Nutzer bist, dann mache es doch einfach wie ich und nutze ein paar Monate CC und Classic parallel und achte darauf, welche Variante Du in welcher Weise benutzt. Für einen Test reichen die im Foto Abo enthaltenen 20 GB aus.

Wenn Du Fuji oder Sony User bist, dann könnten auch die kostenfreien Capture One Express Versionen für Dich interessant sein. Oder sogar die Vollversion von Capture One. Viele Anwender sind sehr begeistert davon. Ich hatte mir das auch überlegt, allerdings fehlt mir hier erstens die Cloud Sicherung und zweitens gibt es keine mobile Variante für das iPad.

Und beide Aspekte sind für mich der entscheidende Schritt in die technische Zukunft. Adobe hat mit Lightroom CC geliefert. Nicht ganz perfekt, aber richtig gut!

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