Ich wollte es wirklich wissen. Könnte die vor einem halben Jahr erschienene Leica M EV1 meine Leica M11 ablösen? Würde ich plötzlich vom ersten elektronischen Sucher in einer Leica M schwärmen – und mich nach all den Jahren tatsächlich vom klassischen Messsucher verabschieden? Ich musste es herausfinden. Also habe ich mir eine Leica M EV1 im Leica Store Hamburg ausgeliehen – und sie intensiv im Alltag getestet.
Warum ich die Leica M EV1 ausprobieren musste
Wenn Du zu meinen Stammleser:innen gehörst, erinnerst Du Dich vielleicht daran, dass ich immer wieder davon geschrieben habe, wie sehr ich mir eine Leica M mit elektronischem Sucher wünsche. Durchschauen und direkt sehen, wie das Bild aussehen wird. Erkennen, wo die Schärfe liegt (Focus Peaking), per Knopfdruck vergrößern (Magnification), nicht mehr an feste Sucherrahmen gebunden sein und selbst adaptierte Objektive so nutzen können, dass ich den tatsächlichen Bildausschnitt direkt im Sucher sehe. Es sind genau diese Vorteile eines elektronischen Suchers – so wie ich sie zum Beispiel von den Fuji Kameras kenne – die ich unbedingt auch in einer M erleben wollte. Falls Du Dich nicht erinnerst oder neu hier bist, zitiere ich mich ausnahmsweise einmal selbst:
Eine Leica M11 mit EVF? Yes please! Ohne wenn und aber, ich würde diesen Release so sehr feiern! Take my money and shut up, Leica!
aus dem Review zur Leica SL2S, vom Dezember 2021.
Es ist ja immer so eine Sache mit älteren Aussagen; die Skala reicht von „Was geht mich mein Geschwätz von gestern an“ bis „Ich ändere grundsätzlich nie meine Meinung“. So oder so, natürlich wurde ich hellhörig, je konkreter die Idee dieser Kamera wurde.
Von der Leica M11-V zur Leica M EV1
Denn immer wieder war in der Gerüchteküche von einem elektronischen Sucher die Rede, gleichzeitig hielt sich aber auch hartnäckig die Idee eines Hybridsuchers – also einer Kombination aus optischem und elektronischem Sucher, wie man sie aus Fujis X100- oder X-Pro-Serie kennt. Das hätte sich fast schon logisch angefühlt, eher als Evolution in einem Nachfolgemodell denn als Bruch.
Doch je näher der Release rückte, desto klarer wurde: Leica würde diesen Weg nicht gehen. Stattdessen zeichnete sich ab, dass erstmal keine Leica M12, sondern eine neue Kamera erscheinen würde, lange Zeit gehandelt als „Leica M11-V“, also als weiteres Derivat innerhalb der M11-Familie – ganz in der Tradition von Leica M11-P, Leica M11 Monochrom oder Leica M11-D. Gleiche Basis, andere Ausrichtung – ein Prinzip, das im M-System seit Jahren funktioniert.
Last Minute – wenige Tage vor dem offiziellen Erscheinungsdatum – sickerte durch, dass es schließlich eine Leica M EV1 werden würde. So kurzfristig, dass dem Vernehmen nach in den USA der Release um einige Wochen in den November verschoben werden musste. Zu kurzfristig war der Federal Communications Commission wohl die Umbenennung, hier war der Name Leica M11-V (angeblich) schon vorgesehen.
Was mich dabei bis heute irritiert: In der Praxis wirkt die Leica M EV1 weniger wie eine komplett neue Produktlinie, sondern eher wie eine konsequente Abwandlung der M11 – eine andere Perspektive auf dasselbe Fundament. Und genau deshalb fühlt sich dieser Schritt ungewohnt an. Denn eigentlich steht Leica in ihrer DNA ja für Klarheit, Reduktion und eine gewisse Stringenz. Für die Fokussierung – Du ahnst es schon – auf das Wesentliche. Eine neue Produktlinie hingegen verwässert das Sortiment und fühlt sich irgendwie nicht intuitiv an. Es erinnert mich mehr an ein komplexes und unaufgeräumtes Kameramenü.
Ist die Leica M EV1 überhaupt noch eine M?
Und damit spitzt sich auch die eigentliche Frage zu, die über allem steht: Ist die Leica M EV1 überhaupt noch eine M? Sie erscheint im Jubiläumsjahr, 100 Jahre Leica, und damit im Schatten einer Geschichte, die untrennbar mit dem Messsucher verbunden ist. Und jetzt kommt eine M ohne Messsucher. Kein Hybrid, kein Kompromiss, sondern ein klarer Schnitt. Genau das hat die Diskussionen entfacht – und genau das war auch der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Ich muss diese Kamera selbst fotografieren, um mir ein Urteil bilden zu können.

Ein Blick auf die Specs verrät es sehr schnell. In der M EV1 steckt technisch die M11. Nicht mehr und nicht weniger, denn die Unterschiede sind minimal, Leica hat dem neuen Modell neben dem EVF nur die Content Credentials verpasst und dafür aus Platzgründen das ISO Rad weggenommen. Das war’s schon mit den Unterschieden.
Heißt für mich auch, ich muss die Leica M EV1 gar nicht im herkömmlichen Sinn für mich testen. Denn ich kenne den Sensor sehr gut, ich kenne die Stärken und die Schwächen des Systems. Ja, ich kenne die Kamera bereits in- und auswendig. Bis auf die Arbeit mit dem EVF. Vielmehr möchte ich herausfinden, wie sie sich anfühlt, wie ich mit ihr klarkomme, wie ich den elektronischen Sucher nutze? Und vor allem, ob ich den Messsucher vermisse? (daher lege ich Euch mein Leica M11 Review ans Herz, wenn Ihr Bilder sehen wollt und/oder mehr zum Innenleben der M11/M EV1-Reihe wissen wollt).
Die Leica M EV1 in der Praxis
1.) Im Street Mode
Ich schnappe mir also die Leica M EV1, wechsele Speicherkarte und auch den Protektor (der natürlich auch passt), dazu mein Immerdrauf – das Voigtländer Ultron 28 (hier zum Review) – und fotografiere in Hamburg. Zum Beispiel auf dem Fischmarkt oder auf dem Dom. Mittendrin, das Leben einfangen, auf der Suche nach den Absurditäten im Alltäglichen. Und so wie ich hier shoote, nämlich im Zonenfokus, merke ich kaum einen Unterschied. Wenn ich aus der Hüfte schieße schon gar nicht, wenn ich den Sucher ans Auge führe, dann zucke ich kurz. Es fühlt sich an, als hätte ich eine Leica Q oder eine andere beliebige Systemkamera am Auge. Aber es irritiert mich so wenig, wie es mir hilft, es ist einfach da.
Nur wenn ich mich länger auf eine Szene einschieße, wenn ich stehenbleibe und meinen Frame komponiert habe, wenn ich warte, bis jemand ins Bild läuft, dann vermisse ich den Messsucher. Denn mit diesem würde ich jetzt sehen, was um mein Bild herum passiert, das geht mit dem EVF der Leica M EV1 leider nicht. Dafür sehe ich die 28 Millimeter viel besser, denn als Brillenträger muss ich bei der Leica M11 schon mal schätzen, so richtig sehe ich nicht immer alle Ecken.
Ich merke schnell, dass die klassische Straßenfotografie nicht das richtige Genre ist, um die Möglichkeiten der M-EV1 zu testen. Denn ob ich die eine Kamera oder die andere nehme, ich merke keine Unterschiede. Nur das ISO Rad vermisse ich ab und an. Nämlich immer dann, wenn ich von „ohne Blitz“ (Auto ISO) auf „Blitzfotografie“ (feste ISO, 400/800) wechsele, dann muss ich nämlich ins Menü.
2.) Im Fokus Mode
Um die EV1 auszureizen, beginne ich also auch mal offenblendiger zu fotografieren. So, dass ich sehr genau scharf stellen muss und den Sucher wirklich benötige. Und dass ich die 5,76 Millionen Bildpunkte bei einer Vergrößerung von 0,76 genau testen kann (was nebenbei auch die 3,68 Millionen Bildpunkte des Visoflex 2 für die Leica M11 deutlich schlägt).
Dabei ist mir vor allem wichtig zu verstehen, wie schnell und wie genau das Focus Peaking ist, also wie sich die farblich gekennzeichneten Schärfekanten im EVF verhalten. Tja, was soll ich sagen? Sie sind schnell und akkurat, zumindest für meine Verhältnisse. Natürlich kenne ich bereits die Urteile vieler Fotograf:innen, wonach die Technik der Leica M EV1 im Vergleich zum Klassenprimus, dem Nikon Z System mit seinen Fokushilfen, veraltet sei. Ich hingegen staune erstmal, was ich alles an Schärfeebenen sehen kann und wie smooth das geht. Meine Benchmarks heißen allerdings auch „nur“ Leica Q2, Leica SL2-S, Fuji X100VI und Fuji X-T5 – letztere in älteren Firmware Versionen, wohlgemerkt.
Es ist die reinste Freude, auch mal „am Rand“ scharf zu stellen und nicht mehr reframen zu müssen, also von der Mitte aus an die Ränder zu ziehen. Natürlich dauert es immer einen Minimoment, bis die Vergrößerung (die ich mir auf die Funktionstaste neben den Auslöser gelegt habe) anspringt, aber das ist völlig in Ordnung. Schließlich bin ich ja mit einer M unterwegs. Es muss nicht immer alles sofort da sein.
Natürlich teste ich auch das Fokussieren unterhalb der 70 Zentimetergrenze, bei meinem Ultron ist das zum Beispiel möglich. Aber ich verwende auch andere Brennweiten, endlich sehe ich mit meinem 40er wirklich den echten Bildausschnitt. Je teliger ich werde, desto klarer treten die Vorteile zu Tage. Und während ich mit der Leica M EV1 Erfahrungen mache und sie teste, gehe ich in Gedanken einmal durch, ob ich in meinem Fotoschrank nicht noch eine Telebrennweite habe, mit der ich wirklich einmal Leica M „Neuland“ betreten könnte.
3.) Im Altglas Mode
Als ich noch mit Fuji fotografiert habe, habe ich auch viel mit Altglas experimentiert, also mit älteren Objektiven, die aus der analogen Zeit stammen. Etwas, das Leica M Fotograf:innen ja irgendwie im Blut liegt, schließlich geht das M System mit seinem Anschluss bis ins Jahr 1954 zurück und wer mag, kann mit dem M39 Gläsern sogar noch deutlich ältere Linsen adaptieren. Außerhalb dieser beider Welten jedoch war weiteres Altglas bisher nicht nutzbar (Visoflex- und Displayfotografie einmal außen vor gelassen).

Für dieses Experiment habe ich ein 70 Jahre altes Steinheil Objektiv ausgewählt. Ganz einfach deswegen, weil ich die 200 Millimeter Brennweite unbedingt an der Leica M EV1 einmal ausprobieren wollte. Beim Tele-Quinar 200mm f/4.5 handelt es sich um ein Glas, das vom Münchner Hersteller C.A. Steinheil & Söhne 1956 in mehreren Anschlussvarianten auf den Markt gebracht wurde, meine Version hat ein M42 Anschluss und lässt sich mit einem M42/M-Adapter daher easy an der EV1 nutzen. Typisch für das Tele-Quinar sind die 14 Lamellen, die für sehr runde Unschärfekreise sorgen – ein Grund für das oft gelobte Bokeh. Optisch also eher „klassisch“ als klinisch: moderate Schärfe, niedriger Kontrast, aber sehr angenehme Hintergrundauflösung – typisch für Steinheile dieser Zeit (falls Du interessiert bist, ich biete es hier auf Kleinanzeigen aus erster Hand – aus dem Nachlass einer Bekannten – an).
Es ist schon ein sehr ungewöhnliches Gefühl, ein solch langes und schweres Objektiv an der M zu haben. Ich halte das Set nicht am Body, sondern am Tubus und mit der aufgesetzten Gegenlichtblende fühlt es sich an, als wäre ich ein Wildlifefotograf.

Mit diesem Set steige ich die vielen Stufen auf den Bunker am Heiligengeistfeld hoch, dort wo man eine wunderbare Aussicht auf den Hamburger Dom, den Jahrmarkt, hat. 200 Millimeter sind extrem und an einer M natürlich auch eine wackelige Angelegenheit. Es fällt mir schwer, korrekt zu framen, ich bin es einfach nicht gewohnt, so telig zu fotografieren. Aber es funktioniert einwandfrei. Durchschauen, fokussieren, vergrößern und nach justieren, damit die Schärfe auch genau sitzt. Altglas-Test bestanden! Teletest ebenso!
Ich adaptiere schließlich auch noch das ein oder andere Minoltaglas aus meinem XD7-Set und freue mich darüber, dass diese wirklich hochwertigen Objektive nun einen neuen Einsatzzweck finden. Denn diesen Punkt sollte man bei den Neuerungen um die EV1 nicht vernachlässigen. Der EVF eröffnet nun eine unscheinbare Bandbreite an spannenden Objektiven. Und das zu Schnäppchenpreisen an einer Leica M.
Was gibt’s zu meckern?
Nun, erstaunlich wenig. Es dauert immer einen Moment, bis ich das erste Bild machen kann. Im Gegensatz zur Leica Q3 ist hier „nur“ der Prozessor der dritten Generation verbaut, was die Kamera etwas behäbig wirken lässt. Im Vergleich zur M11 fällt das allerdings kaum auf – auch sie braucht ja einen Augenblick, bis sie aufwacht. Deshalb schalte ich meine M11 unterwegs ohnehin nicht aus, sondern lasse sie im Standby-Modus, um jederzeit schussbereit zu sein. Und genau so handhabe ich es auch mit der EV1.
Der Akku? Leert sich gefühlt nicht schneller als bei der M11. Für eine Fischmarktsession brauche ich einen Akku und „ein Mü“ mehr – das ist bei beiden Kameras gleich. Beim Fokussieren hingegen bin ich mit der EV1 oft einen Tick langsamer. Ich glaube, das liegt daran, dass ich mich weniger „im Bild“ fühle. Im Messsucher sehe ich direkter, näher, irgendwie unmittelbarer. Dafür liege ich dort aber auch häufiger mal daneben, also beim Scharfstellen. Unterm Strich würde ich deshalb sagen: Elektronischer Sucher und Messsucher gleichen sich in der Praxis aus – was die Trefferquote angeht, ist der Share of Ausschuss vermutlich derselbe.
Und dann ist da noch etwas sehr Subjektives. Nicht oft, aber immer wieder fehlt mir bei der EV1 ein Stück Charme – etwas, das schwer zu greifen ist. Es ist dieses Messsuchergefühl, das die Kamera naturgemäß nicht hat. Und das ich, in Kombination mit dem, was ich nicht mehr „drumherum“ sehe, tatsächlich vermisse. Ehrlich gesagt hätte ich das nicht erwartet. Ich, der (Verweis nach oben) immer einen elektronischen Sucher wollte, ertappe mich dabei, wie ich genau dieses Rangefinder-Gefühl vermisse. Aber nein – wirklich zu meckern habe ich nichts. Ich hätte „nur“ gerne genau diese Technologie in meiner M11. Stichwort „Hybridsucher“.
Ist die Leica M EV1 nun eine M?
Die Frage wurde in den letzten Monaten oft gestellt und Antworten gab es dabei viele. Die Leica M EV1 hat eigentlich alles, was bisherige Ms auch hatten, nur eben keinen Messsucher. Traditionalisten monieren nun häufig, dass genau dieser Messsucher für das M stehe. Die Gegenposition indes lautet zumeist, dass es der seit 1954 existierende M Mount sei, der eine M zu einer M mache.
Ich möchte die Frage eher mit dem M Gefühl beantworten. Eben dieser ganz eigenen Kraft, die diesem Kameratypus innewohnt. Wenn man sie anfasst, wenn man sie zum Auge führt, wenn man den Auslöser betätigt. Und auch diese Einzigartigkeit, wie der oder die Fotografierte reagiert. Nämlich anders als auf andere Kameras. Eine Leica M kommt mit einem eigenen Gefühl, sowohl für uns, die mit ihr fotografieren als auch für die, die fotografiert werden. Daher wäre die korrekte Ergänzung zur Frage, ob die Leica M EV1 eine M ist, ob sie sich auch so anfühlt?

Ich muss dabei an das „Schiff des Theseus“ denken. Dieses alte philosophische Gedankenexperiment, bei dem über die Jahre hinweg nach und nach alle Teile eines Schiffes ersetzt werden. Erst einzelne Planken, dann größere Bauteile, irgendwann vielleicht sogar der Mast. Stück für Stück verschwindet das Original, fast unbemerkt, ersetzt durch Neues. Und doch liegt da am Ende immer noch ein Schiff im Hafen, mit demselben Namen, derselben Form, derselben Geschichte. Die zentrale Frage – und denkt gerne dabei an die M – lautet: Ist es noch dasselbe Schiff oder nur eine perfekte Kopie seiner selbst und damit schon ein ganz anderer Kahn?
Natürlich ist es bei der Leica nicht ganz so radikal. Aber die Richtung ist für mich erkennbar. Schon bei der Leica M11 ist mit der Bodenplatte ein Stück Tradition verschwunden, mit der Leica M EV1 nun der Messsucher (und mit ihm auch das ISO-Rad). Und trotzdem: Das Schiff segelt weiter. Die Handgriffe sind vertraut, die Balance in der Hand ist dieselbe, der Blick durch den Sucher – auch wenn er ein anderer ist – führt noch immer zu dieser besonderen Art zu sehen. Die Kamera zwingt Dich nicht in ein anderes Arbeiten, sie verschiebt nur leicht den Kurs. Vielleicht wurde nicht der Mast ersetzt, sondern nur die Segel neu gesetzt?
Genau deshalb fühlt es sich für mich so an, als wäre Leica sich mit der EV1 erstaunlich treu geblieben. Zumindest ist das das Gefühl, das ich hatte, als ich sie einige Tage intensiv genutzt habe. Ohne Wenn und Aber: Leinen los! Natürlich ist die Leica M EV1 eine Leica M.
Ist sie auch eine Leica M für mich?
Ich sehe die vielen Kritiken, die den EVF und insbesondere das Fokussystem noch nicht als ausgereift betrachten. Und ja, vermutlich ist die Technologie – etwa bei Nikon – aktuell noch einen Schritt weiter. Auch beim Prozessor wäre Luft nach oben: mehr Geschwindigkeit, mehr Reaktionsfreude, insgesamt etwas mehr „State of the Art“. Aber all das ändert nichts an meinem grundsätzlichen Eindruck. Ich kann es kurz machen: Auch in dieser ersten Version ist die EV1 für mich ganz klar eine potenzielle Leica M.
Und damit komme ich allmählich zu meinem Fazit. Denn in diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf eine frühere Aussage von mir zurückkommen. Denn erst vor ein paar Monaten hatte ich mir in einem Blogbeitrag die Frage gestellt, ob mir die Leica M EV1 wohl gefallen würde. Und ob mir an meiner bisherigen Kamera etwas fehlen würde:
Ich werde sie mir ausleihen und Dir dann sagen können, ob ich den Messsucher wirklich vermisse. Jetzt, wo ich ihn beinahe blind beherrsche. Würde ich ihn gehen lassen? Ich bin selbst gespannt.
aus dem Review zur Leica M11, vom Dezember 2025.
Also?
Ich finde, Leica hat mit der EV1 ein sehr gelungenes Modell auf den Markt gebracht (Notiz nach Wetzlar: Die Namensgebung und damit die Einführung einer neuen Produktlinie ist allerdings ein echter Fail!). Die Kamera eröffnet neue Möglichkeiten und spricht gleichzeitig eine neue Nutzergruppe an. Ein EVF in einer M ist eine echte Innovation – und es ist ziemlich klar, dass diese Technologie erst am Anfang steht. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wohin sich das noch entwickeln wird.
Mein Fazit zur Leica M EV1 (vs. Leica M11)
Nun, in meinem Leica M EV1 Test wollte ich wissen, ob diese Kamera meine M11 ablösen kann. Jetzt weiß ich es: Sie könnte. Aber ich will es nicht. Denn hätte ich noch keine M11, dann wäre die EV1 meine Kamera. Mir ist allerdings klar geworden, dass ich den Messsucher wirklich vermissen würde.
Würde ich häufiger offenblendig fotografieren, mehr mit Teleobjektiven arbeiten oder hätte ich Schwierigkeiten mit dem Messsucher, dann würde ich ernsthaft über ein Upgrade nachdenken. Aber so, wie ich heute fotografiere, ist die Leica M EV1 für mich schlicht kein Upgrade – sondern eine Alternative.
Und natürlich wünsche ich mir das, was Ihr längst zwischen den Zeilen gelesen habt. Eine Leica M12 mit einem Hybridsucher. Denn ja, ich will den EVF.
Aber den Messsucher will ich nicht mehr gehen lassen!
Pro & Contra im Überblick Leica M EV1 vs. Leica M11
Ich habe im Folgenden einmal alle Pros und Cons aufgelistet, die mir aufgefallen sind. Immer aus Sicht eines Leica M11 Besitzers (viele der folgenden Punkte sind natürlich bei klassischen Ms auch mit Visoflex oder mit Display möglich)
Pro
- Fokussierung auch außerhalb der Bildmitte
- Fokussierung unterhalb der 70 Zentimetergrenze
- Nutzung von Brennweiten auch unterhalb von 28 Millimetern
- Nutzung von Brennweiten außerhalb der Sucherrahmenvorgaben, wie zB 40mm
- deutlich besserer Fokuskomfort bei Telebrennweiten
- Umgehen des Parallax „Fehler“
- Insgesamt mehr Komfort für Menschen mit schlechteren Augen und/oder Brillenträger:innen
- Nutzung von Altglas jenseits von M und M39
- 35g leichter (was nicht wirklich spürbar ist)
- In der Neuanschaffung 800 Euro günstiger (7.950 vs. 8.750 (April 2026))
- Nicht zu vernachlässigen: Die Kamera ist wartungsärmer, es muss kein Messsucher justiert werden
Contra
- Ich sehe nicht, was um das Bild herum passiert (im Vergleich zur klassischen Messsucherfotografie)
- Die Aufwachzeit nach dem ersten Einschalten nervt!
- Tatsächlich ist die Fokussierung im Zweifel mit dem Messsucher schneller und akkurater (sofern Du geübt bist!)
- Das fehlende ISO Rad schmerzt hin und wieder. Denn ab und zu will ich von Auto ISO auf eine feste ISO wechseln (zum Beispiel fürs Blitzen). Dann muss ich ins Menü. Und genau das macht ja die M so charmant, dass ich eigentlich alles „außen“ einstellen und sehen kann.
- Völlig subjektiv: Die M11 sieht schöner aus, bei der M EV1 fehlt das Messsucherfenster. Außerdem ist die leicht andere Belederung der M EV1 zu Q-esk…
Danke an den Leica Store Hamburg, dass ich die M EV1 ausführlich testen durfte!
Mein Leica M11 Zubehör (passt auch zur Leica M EV1):
Ich packe Euch hier zur Ergänzung einmal mein Zubehör zur Leica M11 rein, das ich regelmäßig nutze, das passt ganz gut zu diesem M EV1 Review:
- Ersatzakkus: hatte ich bei der M10 immer zwei oder sogar drei Stück dabei, reicht bei der M11-Serie einer. 175 Euro kostet das Original (Link), seit Neuestem gibt es auch Dritthersteller Akkus von Pantona => Amazon Affiliate Link)
- Protektor: Wie schon bei der M10 vertraue ich auch bei der M11 auf den schönen Lederprotektor, der handgefertigt aus Italien kommt. Und gleichzeitig noch etwas Grip bietet (Amazon Affiliate Link). Und ja, er passt auch für die M EV1, habe ich ausprobiert.
- Kameragurt: Ich mag den eleganten und zurückhaltenden schwarzen S Strap von Deadcameras (Link).
- Fast draufgeklebt ist mein Lieblingsobjektiv, das Voigtländer Ultron 28mm F2. Darüber habe ich ein ausführliches Review geschrieben.
- Mein neuer Lieblingsblitz ist der Flash Q20 von LightPix Labs; ich habe inzwischen deutlich zu viel Blitze… 😉 (Amazon Affiliate)
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Zum Weiterlesen
- Die Produktseite zur Leica M EV1
- Review Keith Wee
- Review Jonathan Slack
- YouTube Qimago
- YouTube Petapixel
- YouTube Mike Chudley
Meine bisherigen Leica M Artikel findest Du hier
- Leica M10R (2020)
- Leica M262 (2022)
- Leica M11 (2022)
- Leica M10 (2024)
- Leica M11 (2025)
- Eine Übersicht, mit welchen Objektiven ich die M11 nutze, findest Du auf in meinem „What’s in the Bag“ Artikel.
Leica M EV1 Bilder
Nach diesem Review folgt keine Bildergalerie, wie ich das sonst mache, nachdem ich mit Kameras länger unterwegs war. Wenn Euch der Output interessiert, dann schaut Euch das M11 Review an, da finden sich viele Bilder von mehreren Kontinenten, so lange begleitet mich schon die M11.
Im Folgenden zwei handvoll Bilder von der Leica M EV1 mit adaptiertem Altglas.
Steinheil Tele-Quinar 200mm f/4.5







Minolta 135mm f/2.8





Toller Artikel, Florian.
Ich finde vor allem spannend, dass du genau das beschreibst, was ich selbst immer wieder empfinde: Dass es bei der M eben nicht um Spezifikationen geht, sondern um dieses schwer greifbare „Gefühl“. Und dass man erst merkt wie wichtig der Messsucher ist, wenn er plötzlich mal nicht mehr da ist obwohl man sich vorher jahrelang einen EVF gewünscht hat.
Was ich mich nach dem Lesen frage: Glaubst du, dass sich dein Eindruck mit der Zeit noch ändern würde? Also wenn du die EV1 nicht nur ein paar Tage, sondern ein halbes Jahr nutzen würdest? Würde man sich an den EVF „gewöhnen“ oder bleibt dieses Gefühl, das was fehlt?
Und noch was: Dein Altglas-Teil hat mich echt angefixt. Genau das ist für mich ehrlich gesagt eines der stärksten Gründe für die EV1.
Danke für den differenzierten Blick – hebt sich angenehm von den üblichen „besser/schlechter“-Vergleichen ab.
Herzliche Grüße Hans Olaf
Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine Frage. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich mein Eindruck ändern würde, nur wenn ich die M EV1 länger benutzen würde. Ich glaube im Augenblick wäre der entscheidende Punkt, wenn mir das Arbeiten mit dem Messsucher zu anstrengend werden würde, weil die Augen nicht mitmachen. Oder eben wenn es ein Modell mit Hybridsucher gäbe… Liebe Grüße, Florian
Sehr gut geschrieben, schön zu lesen.
Macht Spaß. Aber…..
Nichts für ungut, ich bin aber anderer Meinung. Ein EVF in der M aber keinen Messucher? Dann ist es auch keine Leica M. Würde ich nie kaufen und auch nie unterstützen. Da frage ich mich wo das enden soll und was Leica noch wegnimmt.
Am Ende bleibt ja dann nichts mehr übrig von dem, was die M mal ausgemacht hat. Erst die Bodenplatte, jetzt der Messsucher… was kommt als nächstes? Touch-only? Menü wie bei jeder anderen Kamera? Gab es nicht schon ein Gerücht bei der schon keine Knöpfe mehr an der Kamera waren?
Für mich war die M immer genau das Gegenteil davon. Reduktion, bewusst fotografieren, eben nicht alles können müssen. Knöpfe, Haptik, Messucher. Wenn ich EVF will, gibt’s genug Alternativen. Dann nehme ich meine Sony.
Mag sein, dass das technisch alles Sinn macht, aber für mich verliert Leica da ein Stück Identität.
Danke Mike für diesen langen Beitrag und Deine Punkte, kann ich aus Sicht eines Traditionalisten nachvollziehen und vor allem aus Sicht von jemandem, der nebenbei noch mit anderen Kameras fotografiert, Du scheinst also die M als das entschleunigende Gegenstück zu nutzen. Fair aus dieser Sicht. Und das Gute ist, dass die EV1 ja keine M11 ersetzt, sondern ergänzt…
Nice Read. Schiff des Theseus 😂 wieder was gelernt!
Danke 😉