Bruno Barbey – „The Italians“ (Fotobuch Plauder Ecke #34)

Mitten im Sommer lautet das Motto „Urlaubslektüre“. Alle um mich herum fahren in den Urlaub, nur ich bleibe in Hamburg. Also muss ich mir den Urlaub nach Hause holen. Und was liegt da näher als ein Fotobuch über Italien? – Thomas hatte derweil Urlaub in den Niederlanden gemacht und das Buch „Flatlands“ von Henrik Spohler vorgestellt (hier findet Ihr seinen Blogeintrag dazu).

In den letzten Jahren bin ich immer wieder über Bruno Barbey gestolpert, das letzte Mal erst in der Vorbereitung zur Meet & Street Sonderfolge, in der ich ein Kompendium von David Gibson besprochen hatte. Genau in diesem Buch ist mir wieder einmal Bruno Barbey in die Quere gekommen, mit einer Aufnahme aus seiner Serie „The Italians“, fotografiert in Neapel.

Wer ist Bruno Barbey?

Hierzulande ist Barbey weniger bekannt, zumindest im Schatten vieler namhafter Fotograf:innen. Er wurde 1941 im marokkanischen Rabat geboren und war seit 1966 Mitglied der renommierten Fotoagentur Magnum Photos. Er bereiste über hundert Länder und dokumentierte zahlreiche politische Ereignisse. Gleichzeitig interessierte ihn aber immer das Leben auf der Straße – die kleinen Momente des Alltags, Begegnungen und das Miteinander der Menschen.

The Italiens von Bruno Barbey

Genau das macht auch Barbey erste Arbeit The Italians aus, er war gerade einmal 20 Jahre alt geworden. Das Buch entstand nämlich in den 1960er-Jahren und es zeigt das damalige Italien in all seinen Facetten: religiöse Prozessionen, spielende Kinder, Straßenszenen, Arbeiter, elegante Gesellschaft und Fußball. Auffällig ist dabei, wie häufig Barbey nach Neapel zurückkehrt. Keine andere Stadt nimmt im Buch einen vergleichbaren Raum ein.

Diese Arbeit über Italien fasziniert mich fotografisch, aber ich bin auch beeindruckt vom Mut Bruno Barbeys, in seinen jungen Jahren nach Italien zu reisen, um Robert Franks The Americans und René Burris Die Deutschen quasi zu erweitern. Macht Euch doch gerne ein eigenes Bild von diesem Buch und der Verwandtschaft zu Franks und Burris Arbeiten.

In dieser 34. Ausgabe unseres Podcasts werfe ich außerdem einen Blick auf ein weiteres Werk Barbeys, nämlich seine Arbeiten in Marokko. Seit den 1970er Jahren fotografierte er immer wieder das Land, in dem er geboren wurde.

In diesem Land wird einem Fotografen die Ausübung seines Berufes nicht immer leicht gemacht, und er muss lernen, mit dem Mauerwerk zu verschmelzen. Man muss entweder heimlich und dann auf eigene Gefahr Aufnahmen machen oder sich mit unendlicher Geduld die Zulassung zu dieser Welt verdienen (…) Die Seele Marokkos lasst sich nur mit Respekt einfangen.

Bruno Barbey im Vorwort von „Marokko. Ein Porträt meines Landes“

Auch dieses Werk ist für mich ein purer Genuss, auch weil ich ja erst in Marokko war. Obwohl beide Orte – Italien und Marokko – kaum unterschiedlicher sein könnten, entdecke ich in Barbeys Bildern beider Bücher dieselbe fotografische Haltung: das Interesse an Menschen, dem Leben auf der Straße und den kleinen Geschichten zwischen den großen Ereignissen. Ich möchte Euch Bruno Barbey wärmstens empfehlen. Hört rein in unsere Podcastfolge!

  • erschienen: ‎Herbst 2022
  • Verlag: ‎ Delpire & Co.
  • Gewicht 800 g / Maße 21 x 18.5 cm / 184 Seiten
  • Sprache: ‎ Französisch (u.a. auch in Englisch, Spanisch & Italienisch erhältlich)
  • ISBN-13: ‎ 979-1095821526
  • Neu: 42 Euro

Zum Weiterlesen

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