Wenn Du meinen Blog schon länger liest, weißt Du, dass ich auf Reisen gerne beobachte. Mich interessieren weniger Sehenswürdigkeiten als das Leben dazwischen. Die kleinen Gesten, Begegnungen und Situationen, die einen Ort beschreiben, ohne ihn erklären zu wollen. Mit der Kamera suche ich deshalb selten nach dem Offensichtlichen. Vielmehr versuche ich, mich einem Ort anzunähern und irgendwann Teil seines Rhythmus zu werden. Genau das hat in Marokko nicht funktioniert.
Warum mein neues Fotografie-Zine anders geworden ist
Es gibt Reisen, die hinterlassen Erinnerungen. Und es gibt Reisen, die hinterlassen Fragen. Marokko gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Nicht, weil das Land unfreundlich gewesen wäre. Sondern weil ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass sich zwischen einem Ort und mir eine Distanz hält, die sich nicht einfach durch Zeit überwinden lässt. Immer wieder wurde ich weitergeschickt. Jemand zeigte in eine andere Straße. Ein anderer erklärte mir, dass es hier nichts zu sehen gäbe. Wieder jemand bedeutete mir, weiterzugehen. Manchmal freundlich, manchmal bestimmt, manchmal nur mit einer Geste.
Es war für mich irgendwie eine merkwürdige Erfahrung. Einerseits waren die Menschen unglaublich präsent. Es wurde gesprochen, beobachtet, erklärt und kommentiert. Andererseits blieb ich stets Besucher. Beobachter. Jemand, der zwar da war, aber nie wirklich ankam. Genau daraus entstand der Titel der vierten Ausgabe meiner Magazinreihe: Please Move Along!

Anders ist das Magazin auch geworden, weil es nicht in Farbe ist. Marokko, das schreit nach Farben, ja Schwarzweiß ist etwas, was nicht zwingend in den Kopf kommt. Ich habe es irgendwie gefühlt. Vielleicht weil es die Distanz abbildet? Weil ich – im wahrsten Sinne des Wortes – alles in Schwarzweiß aufteile? Gerade meine bisherigen Magazine – von Windows to Japan’s Soul über Beyond the Stadiums bis Pakistan. Ein Land am Morgen seiner Entdeckung – leben stark von Farbe als erzählerischem Mittel. In Marokko hatte ich jedoch zunehmend das Gefühl, dass Farbe eher ablenkt. Die Geschichte spielte sich nicht in den Fassaden oder Märkten ab, sondern in Blicken, Bewegungen und Gesten. Schwarzweiß schien mir dafür die ehrlichere Sprache zu sein. Die intimere Art meiner Fotografie.
Please Move Along! möchte Marokko nicht erklären. Es möchte auch keine Reisereportage sein. Vielmehr erzählt das Magazin von dem Versuch, sich einem Ort anzunähern – und von der Erkenntnis, dass Annäherung nicht immer bedeutet, anzukommen. Es ist nicht Pakistan, es ist nicht Neapel, es ist nicht einmal Köln oder Hamburg. Es ist Marokko, ein fotografisch für mich sehr schwieriges und ein sehr distanziertes Umfeld.
Die Serie erscheint ausschließlich in dieser Ausgabe und ist bewusst nicht für meine Website, Instagram oder andere Kanäle vorgesehen. Please Move Along! ist print only und als eigenständige Arbeit gedacht. Wenn Du die Geschichte spüren möchtest, dann ist sie nur Seite für Seite erlebbar – so, wie ich sie gedacht und sequenziert habe.

Ich freue mich sehr, dass die vierte Ausgabe nun fertig ist. Nach einigen Wochen des Fotografierens, Editierens, Schreibens und Gestaltens liegt Please Move Along! jetzt vor mir. Für mich ist es vermutlich die persönlichste Ausgabe der Reihe – gerade weil sie mehr Fragen stellt, als sie Antworten gibt.
Please Move Along! kommt im kleineren, zurückhaltenden A5 Format. Es finden sich 40 Aufnahmen, zu allermeist doppelseitig auf 84 Seiten, im Softcover mit Fadenbindung in Schweizer Broschur. Gedruckt in bester Qualität auf meinem Lieblingspapier, auf Kamiko Fly Shira, 150g. Schwarzweiß ist günstiger als Farbe – und daher freue ich mich, dass ich es für nur 12,50 Euro anbieten kann. Ab sofort in meinem Online Shop!




