Nachdem wir uns im vergangenen Sommer in Dresden getroffen hatten, stand dieses Jahr Freiburg auf dem Programm – als Austragungsort der mittlerweile sechsten Auflage des Meet & Street, dem jährlichen Treffen der deutschsprachigen Street-Photography-Szene. Aus hamburgischer Sicht also erneut eine längere Anreise bis ins südbadische Freiburg, in die Stadt mit den vielen kleinen Bächle. Aber dazu später mehr.
Trotz der weiten Anreise fühlt es sich für mich wie ein Heimspiel an. Schließlich bin ich nur rund neunzig Kilometer von Freiburg entfernt aufgewachsen und im Schwarzwald zur Schule gegangen. Und auch das passt irgendwie zusammen, denn die ausrichtende Fotograf:innen-Gruppe ist das BlackForestStreets-Kollektiv.
BlackForestStreets
Stop! Ein Bericht über das Meet & Street muss mit diesen fünf Namen beginnen: Antje, Manuel, Bernie, Andy und Bernd sind es, die uns hier willkommen heißen und exzellente Gastgeber sind. Dass gerade einmal fünf Mitglieder hinter dem BlackForestStreets-Kollektiv stehen, merkt man dem Wochenende zu keinem Zeitpunkt an. Sie sorgen für eine wunderbare, familiäre Atmosphäre in Freiburg, die keine Wünsche offen lässt.
Beispiele gefällig? Schon am Vorabend sind wir geschätzte 100 Fotograf:innen, die in einem eigenen Bereich in der Hausbrauerei Feierling zusammenkommen. Es ist schon das erste Highlight für mich, dass das BlackForestStreets-Kollektiv uns als geschlossene Gesellschaft in diesem wunderschönen Biergarten anmelden konnte.
Ebenso professionell wie familiär fällt die offizielle Begrüßung am Samstagmorgen am Konrad-Adenauer-Platz aus. Neben den Akkreditierungsunterlagen bekommen wir Sonnenschutz und sogar eine Meet & Street Trinkflasche, inklusive QR Codes, wo wir Trinkwasser in der Stadt zum Auffüllen finden. Sagte ich schon, dass es extrem heiß ist?

Online stehen schon seit einigen Tagen mehrere Routen für Fotowalks zur Verfügung und so konnten sich die inzwischen wohl 200 Teilnehmer:innen nach Lust und Laune fotografisch austoben. Freiburg zeigt sich extrem entspannt, fotografisch äußerst abwechslungsreich und zumindest ich folge keiner der Routen, weil die vielen Gassen und verwinkelten Straßen immer wieder neue Überraschungen bereithalten.
Wer Freiburg sagt, sagt auch Bächle
Wenn Du einmal in Freiburg warst, kennst Du die Bächle. Die kleinen Wasserläufe ziehen sich seit dem Mittelalter durch die Altstadt. Ursprünglich dienten sie der Wasserversorgung und als Löschwasserreserve. Heute gehören sie einfach zu Freiburg. Und angeblich heiratet jede:r irgendwann eine:n Freiburger:in, die oder der versehentlich hineintritt.
Heute dienen die Bächle erstmal der Abkühlung. Es ist herrlich mitanzusehen, wie die Locals ihre Füße kühlen, während sie auf dem Pflasterstein sitzen, schnacken, Eis essen und es sich gut gehen lassen. Gleich doppelt fühle ich mich getriggert, das zu fotografieren, weil es so unique für diese Stadt ist. Und es den Freiburger:innen gleich zu tun. Mich barfuß ins kühle Nass zu begeben. Warum nicht eigentlich dort über Fotografie oder sogar über Fotobücher zu plaudern?
Die Open Gallery auf dem Augustinerplatz
Am frühen Samstagnachmittag folgt schließlich mitten in der Innenstadt die Open Gallery, auf dem Augustinerplatz. Wir alle durften bis zu zwei Prints vorab einreichen, die nun vom Kollektiv an Bauzäunen befestigt wurden. So kommen mehrere hundert Street Photography Aufnahmen zusammen, die Passanten gegen eine Spende erwerben können. Nach dem „Meet & Street“-Motto „Von der Straße für die Straße“ kommt so ein stattliche Spendensumme für die Freiburger Straßenzeitung Freiebürger zusammen. Ich habe zwei Bilder aus meiner Please Move Along-Serie abgegeben und ich freue mich, dass beide Prints am Nachmittag nicht mehr an der Wand hängen, also von Passanten schon erworben wurden.

Immer wieder sitzen wir am Bächle. Die Kameras liegen neben uns, jemand blättert durch ein Zine, ein anderer zeigt seine Bilder vom Vormittag auf dem Display. Zehn Minuten werden schnell zu einer Stunde. Und irgendwie passt genau das zu Freiburg.
Und dann ist da noch der Abschluss dieses – ich nehme es vorneweg – großartigen Treffens der deutschsprachigen Szene. Über den Dächern der Stadt blicken wir aufs Münster, genießen endlich eine kühlere, aus dem Schwarzwald wehende Brise. In einem der schönsten Biergärten überhaupt, dem Freiburger Kastaniengarten. Ein Radler hier, ein Wurstsalat dort, hier noch ein neues Zine, dort ein altbekannter Bildband. Die Zeit vergeht im Fluge, der wohl beste Gradmesser, wenn man eine gute Zeit zusammen hat.

Getoppt werden kann das wohl nur davon, dass ich doch lieber mit liebgewonnenen Fotograf:innen aus ganz Deutschland ein letztes Mal die Beine im Bächle baumen lasse, als (als eingefleischter Fußballfan) das WM Viertelfinale zwischen Norwegen und England zu verfolgen. Eigentlich undenkbar!
Danke Freiburg! Danke, BlackForestStreets!
So häufig habe ich in all den Gesprächen gehört, wie toll jede:r dieses Meet & Street fand. Deswegen möchte ich mir an dieser Stelle herausnehmen, mich im Namen aller Teilnehmer:innen bei Euch, Antje, Manuel, Bernie, Andy und Bernd, zu bedanken! Ich mache es kurz: Es war grandios!
Bleibt nur noch anzumerken, dass 2027 für mich das nächste Heimspiel ansteht. Ich freue mich unfassbar darauf, dass die Kesselobjektive am 10. Juli 2027 das kommende Meet & Street in Stuttgart ausrichten werden. Mal schauen, ob wir dann unsere Füße im Neckar baumeln lassen werden.
Zum Weiterlesen
Wie auch in den Vorjahren verlinke ich hier zu allen weiteren Meet & Street Artikeln.
Und hier meine Berichte zu den früheren Veranstaltungen (dort sind jeweils auch die Links zu den Berichten/Videos/Podcasts anderer Fotograf:innen):
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Hallo Florian und ganz lieben Dank für die gelungene Zusammenfassung des 6. Meet & Street . Ich bin unfassbar traurig gewesen nicht dabei sein zu können, doch nach Deinem Artikel schon wieder ein wenig versöhnt, regt die Phantasie zum Kopf-Kino an. Ich werde Freiburg bis zum nächsten Meet & Street in Stuttgart nachholen, um auch für die Opengallery Stuttgart einen Beitrag beisteuern zu können aus Freiburg… es grüßt Dich Inez aus Nürnberg alias pixsellpoint.
👀📷 See you in Stuttgart
Lieben Dank Inez. Freut mich, dass ich Dich damit etwas teilnehmen lassen konnte. Dann sehen wir uns in Stuttgart 🙂 liebe Grüße, Florian