Die Leica M-EV1 mit 50mm: Auf der Suche nach der perfekten Ergänzung zur Q2, Teil 2 (ein Gastbeitrag)

Und hier kommt Teil 2 von Jens‘ Doppelbeitrag zur Leica Q3 43/Leica M-EV1. Damit ist das schon sein vierter Beitrag auf meinem Blog. Falls ihr den ersten Teil noch nicht kennt, lest doch erst diesen Bericht!

Die Leica M-EV1 mit einem Summicron 50mm – die bessere Lösung?

Angespornt durch das (Luxus-)„Crop-Dilemma“ der Q3 43 griff ich zur Leica M-EV1 mit dem 50er Summicron. Ich habe bereits in den 90er-Jahren erste Erfahrungen mit der Leica M6 sammeln dürfen und war deshalb nach so langer Zeit gespannt auf die moderne Umsetzung mit elektronischem Sucher.

Für mich besteht die Messsucher-Magie aus zwei Aspekten: Zum einen sieht man durch den Messsucher mehr als den späteren Bildausschnitt. Zum anderen zeigt der Messsucher unabhängig von der verwendeten Brennweite immer dieselbe Vergrößerung. Man muss in gewisser Weise die Fähigkeit haben, „das Bild im Kopf zu machen“. Der EVF der Leica M-EV1 hingegen zeigt immer exakt das, was das Objektiv sieht. Was für viele das Hauptargument für den Kauf sein dürfte, könnte für Messsucher-Puristen also fast schon ein Ausschlusskriterium sein.

Manueller Fokus – faszinierend, aber anspruchsvoll

An der Q2 nutze ich überwiegend den Autofokus. Wenn es schnell gehen muss – etwa in der Street Photography –, stelle ich auf manuelles Zone Focusing mittels Hyperfokaldistanz um und nutze den manuellen Fokus ansonsten im Makromodus oder für Porträts bei Offenblende. Die Umstellung auf rein manuellen Fokus an der Leica M-EV1 war trotzdem zunächst eine Herausforderung, weil kein AF-„Sicherheitsnetz“ vorhanden ist. Allerdings ist das haptische Erlebnis des manuellen Fokussierens mit einem echten 50er einfach unschlagbar (auch wenn der manuelle Focus-by-Wire der Q-Serie herausragend ist und meines Erachtens kaum vom butterweichen Lauf des 50er Summicrons zu unterscheiden ist).

Bei der Auswertung der Bilder am Rechner folgte jedoch eine gewisse Ernüchterung: Ich hatte viel Ausschuss durch Fehlfokus bei Offenblende. Sicherlich spielt mangelnde Übung beim manuellen Fokussieren eine Rolle. Verwackler durch Bewegungsunschärfe konnte ich ausschließen. Bleibt das Thema Focus Peaking. Dieses empfand ich als etwas zu ungenau für präzises Arbeiten bei f/2 – ungenauer als das der Q2. Nach meinem Empfinden ist der tatsächliche Tiefenschärfebereich deutlich kleiner als der durch das Focus Peaking angezeigte – und zwar unabhängig davon, welche Vergrößerung gewählt wird.

Ein weiterer Kritikpunkt: Obwohl der Sucher der M-EV1 mit 5,76 Millionen Bildpunkten identisch hoch auflöst wie der Sucher der Q3 43, wurde die Bildwiederholrate hardwareseitig von 120 auf 60 Bilder pro Sekunde gedrosselt – angeblich, um Akkulaufzeit zu sparen. Während die Q3 43 also flüssige 120 fps liefert, wirkt die M-EV1 bei Schwenks aufgrund der geringeren Bildwiederholrate deutlich unruhiger. Das führt bei dynamischen Motiven zu störenden Wischeffekten im Sucher.

Zwei Kameras, zwei Konzepte

Wie lautet also das Fazit dieses Vergleichs? Tatsächlich – und ihr ahnt es vielleicht – ist der direkte Vergleich, einmal von der Brennweite als Ausgangspunkt meines Experimentes abgesehen, eigentlich nicht zielführend. Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Kamerakonzepte, die unterschiedliche Bedürfnisse ansprechen.

Als 28-mm-Q-User ist die Q3 43 die beste Ergänzung – PUNKT.

Sie ist sensorseitig und vom Handling her eine hervorragende Kamera, die durch das jüngste Firmware-Update nochmals aufgewertet wurde. Auch wenn ich im ersten Teil über die 43-mm-Brennweite (zu nah an 28 mm und 50 mm) lamentiert habe und das Crop-Potenzial mit gemischten Gefühlen sehe („Perspektive vs. Bildwinkel“), wären beide Faktoren für mich letztlich keine Ausschlusskriterien für den Kauf der Q3 43.

Mit der M-EV1 betritt man hingegen die faszinierende Welt der Messsucher – Leica, neu interpretiert und auch vom Wunsch nach Wechselobjektiven getrieben. Weniger als die technischen Unterschiede sind bei mir die Lust am bewussteren Fotografieren mit manuellen Objektiven hängen geblieben. Man nimmt sich mehr Zeit für die Bildkomposition. Und wenn es in der Street Photography schnell gehen muss, schlägt Zone Focusing jeden Autofokus.

Die Suche geht weiter

Zur Kamera selbst: Die Leica M-EV1 gibt sich mit der gedrosselten Bildwiederholrate des Suchers und dem für meinen Geschmack (noch) zu ungenauen Focus Peaking zwei überraschende Blößen, die man bei einer Kamera dieser Preisklasse nicht erwarten würde. Unklar ist, ob Leica hier mit Software-Updates nachbessern kann, um das volle Potenzial der Hardware der M-EV1 auszuschöpfen. Ansonsten bleibt nur das Warten auf einen Nachfolger.

Vorerst bleibt meine treue Fujifilm X-E2 mit ihrem 35-mm-APS-C-Objektiv (äquivalent zu 50 mm Vollformat) meine Reisebegleiterin für die engeren Bildausschnitte. Die Suche nach der perfekten Leica-Lösung dauert also an. More to follow?

Jens‘ Bilder mit der Leica M-EV1

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