Er hat es wieder getan. Nun schon zum dritten Mal schreibt Jens Benninghoff auf meinem Blog. Und ich freue mich, dass er direkt an seine Erfahrungen mit der Leica Q2 aus Vietnam und Südafrika anknüpft…
Ich liebe meine Leica Q2. Hier auf dem Blog von Florian habe ich bereits zwei Leica Q2 Reiseberichte veröffentlicht (hier Vietnam und hier Südafrika) und die Kamera hat sich für mich in der Reise- und Street-Fotografie absolut bewährt. Doch als jemand, der in der DSLR-Ära das 24-70mm Zoom als „variable Festbrennweite“ schätzte, vermisse ich gelegentlich eine echte 50mm-Linse.
Zwar nutze ich gerne den 35mm-Crop der Q2, doch der 50mm-Modus ist für mich eher ein Notbehelf. Das liegt weniger an der Auflösung (die mit 15 Megapixeln immer noch ordentlich ist), sondern am fehlenden Look: Die Kompression und das Freistellungspotenzial eines echten 50mm-Objektivs lassen sich nicht einfach durch das Beschneiden einer 28mm-Weitwinkelaufnahme ersetzen.
Um Alternativen im Leica-Portfolio zu testen, habe ich die aktuelle „Test Drive“-Aktion genutzt. Im Hamburger Leica Store lieh ich mir nacheinander eine Leica Q3 43 und eine Leica M EV-1 mit dem 50mm Summicron f/2 für jeweils anderthalb Tage aus.
Vorab: Dies werden (hoffentlich) keine klassisches Technik-Reviews – Florian hat hier bereits ein ausführliches Review der Leica M EV-1 geschrieben. Vielmehr geht es um mein subjektives Gefühl: Wie schlagen sich diese Kameras als 50mm-Zweitgehäuse neben meiner Q2? Los gehts in diesem ersten Teil mit der Leica Q3 43, im zweiten Teil folgt die Leica M EV-1 und mein Fazit.
Die Leica Q3 43: Vertraut und doch ganz anders?
Als Leica Q2-Nutzer (lest hier meinen Bericht dazu) bemerke ich sofort die Modernisierungen der neuen Generation: Der clevere Triple-Resolution-Sensor mit einem gegenüber der Q2 überragenden Rauschverhalten in low light, der praktische (wenngleich vs Fuji X100-Serie nicht sehr elegant integrierte) Klappmonitor und die optimierte Ergonomie (alle Tasten rechts – hatte ich in meinem ersten Q2 Blogbeitrag noch bemängelt, erweist sich in der Praxis aber eher als Vorteil). Hinzu kommen USB-C-Ladefunktionen (unentbehrlich fürs Aufladen unterwegs) und ein deutlich schnellerer Phasen-Hybrid-Autofokus, der durch das jüngste Firmware-Update v4.1 im Mai 2026 nochmals an Präzision gewonnen hat.
Zur Brennweite: Die „nur 7mm“ Differenz zur klassischen 50mm-Brennweite fühlen sich in der Praxis deutlicher an. Oft wird die Q3 43 eher als 40mm-Kamera wahrgenommen. Tatsächlich wirkt der Look ein gutes Stück entfernt vom klassischen 50mm-Gefühl, auch wenn ich keine Bilder habe, um den direkten Vergleich führen zu können. Jedoch: dank des hochauflösenden Sensors sind die Crop-Modi für 60mm (31 MP) und 75mm (19,8 MP) exzellent nutzbar. Sogar 120mm (7,7 MP) liefert noch brauchbare Ergebnisse.
Im Folgenden ein paar Beispiele zur Verdeutlichung der Crop Potentiale:






Ist sie also die ideale Ergänzung zur Q2? Eigentlich ja – PUNKT ! … Sofern man nicht erwartet, dass die digitalen Tele-Crops eine dedizierte Porträtbrennweite vollends ersetzen. Und hier kommt das Thema „Perspektive vs. Bildwinkel“ ins Spiel. Erlaubt mir einen Exkurs dazu:
Wenn man vom gleichen Standpunkt zwei Fotos aufnimmt, einmal ein 75mm crop an der Leica Q3 43 und eine weitere Aufnahme mit einer nativen 75mm Brennweite, so haben beide Fotos dieselbe Perspektive (= Abstand oder Verhältnis zwischen nahen und fernen Objekten zueinander im Foto).
Wenn man nun den Aufnahmestandort ändert und sich mit der Q3 43 näher auf das Objekt im Vordergrund zubewegt, um dieses genauso formatfüllend abzubilden wie mit dem nativen 75mm Objektiv, dann ändert sich auch die Perspektive, weil der Bildwinkel beider Objektive unterschiedlich ist. Mit der Perspektive ändert sich das (Größen-)Verhältnis zwischen Objekten im Vorder- und Hintergrund zueinander.
Leica Australien hat zum Thema “Perspektive vs Bildwinkel”ein hervorragendes You Tube Video veröffentlicht. Auch wenn dort die Leica Q3 mit der Leica Q3 43 verglichen wird, gilt das Prinzip universell: Ein digitaler Crop ist – vereinfacht gesagt – kein optisches Zoom. Entscheidend ist, ob man durch die Veränderung des Standorts – und damit des Abstandes zum Motiv – das Verhältnis mehrerer Objekte zueinander und somit die Perspektive verändert.
Ein weiterer Punkt ist die fehlende „Kompression“, die ein echtes Teleobjektiv erzeugt. Tiefe und Freistellung sind anders. Der britische Kanal „Framelines“ zeigt dies eher zufällig in einem YT Video ab Minute 05:34. Die Abbildungsleistung des Crops ist zwar scharf, aber der optische Charakter (Verdichtung) unterscheidet sich deutlich (wenngleich der Effekt im Video nicht thematisiert wird, sondern die überzeugende Abbildungsleistung im Crop Modus gegenüber der Festbrennweite herausgestellt wird).
Ob das nun wirklich wichtig ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, zumal dieser Effekt so ausgeprägt nur sichtbar wird, vergleicht man bei einem identischen Motiv den digitalen Crop mit einer Festbrennweite – und wer außer YouTube Reviewern macht das schon? Ich habe bewußt die Tele-Crops der Q3 43 genutzt.
Gespannt wollte ich nun wissen, wie die Leica M EV-1 mit einem 50mm Objektiv abschneidet und ob sie bessere Ergänzung zu meiner Leica Q2 wäre?
Das lest Ihr dann im zweiten Teil der Serie „Auf der Suche nach der perfekten Ergänzung zur Leica Q2″…
Jens‘ Bilder mit der Leica Q3 43













Lieber Jens, vielen Dank für Deinen Beitrag. Du weißt ja, dass ich weniger 50mm oder 43mm Shooter bin, aber ich finde es super spannend, was Du zum Thema Perspektive vs. Brennwinkel schreibst und ich bin noch mehr gespannt, wie das meine – in diesem Fall – Deine Leser:innen finden… Liebe Grüße, Florian