Unsere 35. Folge ist eine besondere Ausgabe. Denn zur Aufnahme haben wir uns live auf der Analog Art Affair in Köln getroffen. Was liegt da näher, als für diese Folge das Fotobuch-Thema „Analogfotografie“ zu wählen?
Bevor ich zu meinem Buch komme, Thomas hat mich mit „Magnum Contact Sheets“ überrascht, einem Werk das wirklich wunderbar ist. Es passt nicht nur bestens zum Thema (natürlich), sondern auch in den Vibe der Analog Art Affair, aber dazu könnt Ihr mehr in meinem Blogbeitrag zur Veranstaltung lesen. Mehr zu Thomas‘ Wahl findet Ihr auf der Seite der Fotobuch Ecke.
„It’s a Pen!“ von Michele Drabiniok
Ich habe mich für ein Buch vom Fuldaer Fotografen Michele Drabiniok entschieden. Michele und ich sind schon seit mehreren Jahren in Kontakt, nicht zuletzt, weil wir uns gegenseitig folgen und unsere Fotobuch- und Zineideen im Auge behalten. Vor wenigen Wochen ist Micheles neuestes und bisher größtes Projekt erschienen: das Buch „It’s a Pen!“, eine Liebeserklärung an die Olympus Pen F von 1963.
Auf einer Japanreise – über die es ebenfalls ein Buch gibt, hört dazu gerne in unsere Folge rein – entdeckte er in einem kleinen Geschäft diese besondere Halbformatkamera. Er kaufte sie und begann kurz darauf, mit ihr zu fotografieren.
Aber genau diese Geschichte ist schon der erste Teil des Buches. Wenn Ihr in dem haptisch extrem ansprechend gemachten Buch schmökert, beginnt Ihr nämlich mit einem Leseteil: einer Geschichte darüber, wie Michele die Kamera entdeckt, wie er sich ihr nähert und wie er seine ersten Aufnahmen mit ihr macht. Dabei erklärt er seinen Leser anhand wunderschöner Illustrationen von Björn Grunau, was es technisch mit dieser Kamera auf sich hat. Lohnt sich – ich habe jetzt richtig Lust auf eine Pen F!
In einem zweiten Abschnitt – dem Hauptteil des Buches – nimmt Michele uns mit nach Japan, in die Niederlande, nach England, Estland und Portugal. Hier könnt Ihr seine ruhige Bildsprache studieren, mit einem feinen Blick für Stillleben, oft garniert mit Möwen, Hunden oder findigen Details.
Mir gefällt diese entspannte und gelassene Handschrift außerordentlich gut. Nicht zuletzt, weil sie so schön mit der analogen Zeichnung des Films harmoniert. Kodak Gold, Ultramax oder Ektachrome – die verwendeten Filme sind im Buch übrigens angegeben – faszinieren eben nicht nur durch ihre wunderbare Körnung, sondern auch durch weniger ausgereizte Höhen- und Tiefenregler. Ich liebe diese Imperfektionen, etwa die zu dunklen Bereiche, die den Bildern für mich eine enorme Authentizität verleihen. Bei diesen Reisen mit Michele und seinen Freunden möchte man am liebsten selbst dabei sein.








Halbformat. Ganz groß.
Bemerkenswert ist aber auch die technische Qualität der Bilder. Vergesst nicht: Wir sprechen hier über Halbformat, also gerade einmal die Hälfte des analogen Kleinbildformats. Den Bildern sieht man das überhaupt nicht an. Die Pen F belichtet jeweils nur eine Hälfte des Kleinbildnegativs – und entsprechend steht später auch nur diese kleinere Fläche als Ausgangsmaterial für den Druck zur Verfügung.
Michele gibt seinen zumeist hochformatigen Aufnahmen im Buch trotzdem richtig viel Raum. Das Hochformat ergibt sich bei der Pen F übrigens ganz automatisch: Hält man die Kamera normal, belichtet sie aufgrund des Halbformats ein vertikales Bild. Viele dieser Fotografien bekommen eine komplette Seite, sehr häufig stehen sie sogar ganz für sich einer weißen Seite gegenüber. Das gibt den einzelnen Bildern enorm viel Ruhe.
Überhaupt ist der ganze Band sehr hochwertig gestaltet und mit viel Liebe zum Detail versehen. Papier, Typografie, Illustrationen, Bildgrößen und die vielen bewusst gesetzten Freiräume ergeben ein Buch, bei dem die Gestaltung selbst Teil des Vergnügens ist. Hatte ich etwa noch gar nicht erwähnt, dass sich Michele auch beruflich mit Media Design beschäftigt?
Spätestens im abschließenden Abschnitt – ein Fazit an die Olympus Pen F, ein Hoch auf die Freundschaft und eine melancholische Erklärung an die Liebe selbst – wird klar, dass Michele und seine Kamera ein echtes Bündnis eingegangen sind.
„Danke fürs Mitkommen“ sind die letzten drei Worte seines Buches.
Ich sage: Danke fürs Mitnehmen!
Und nun hört rein in diese Folge: Wer ist Michele? Welche Bilder aus seinem Buch stelle ich vor? Und wie schaffe ich es mal wieder, Thomas zu überraschen?
Denn auf einmal – mitten in der Live-Aufnahme – bekommen wir Besuch. Hört rein, wie Michele himself bei uns in der Fotobuch Plauder Ecke Platz nimmt.
- erschienen: 15. August 2026
- Im Eigenverlag
- 248 Seiten
- 72 Fotos (natürlich, nämlich 2x 36 Aufnahmen)
- englisch, deutsch
- Auf Kamiko Fly Suna, 120g Papier
- Hellgrüner Leineneinband
- limitiert auf 100 Exemplare
- 40 Euro, Erhältlich direkt beim Autor
Zum Weiterlesen
- Instagram Account von Michele Drabiniok
- Michele mit seinem Buch bei „Fulda Kultur – Der Podcast“ zu Gast.
- Craig Mod – die Inspirationsquelle für Michele
Podcast Empfehlung
- Hier findet Ihr das Buch „Magnum Contact Sheets“, das Thomas vorgestellt hat in der noch verfügbaren Taschenbuchausgabe (Amazon Affiliate)
- Thomas und ich haben denselben Tipp außerhalb der Fotografie: Die Schill Show
- Aber natürlich auch Micheles Tipp: Exposure Cologne
Den Podcast und die anderen Folgen der Fotobuch Plauder Ecke findest Du bei Spotify, Apple Podcasts, Deezer und allen gängigen Plattformen. Damit Du keine Folge verpasst, lass gerne ein Abo auf der Plattform Deines Vertrauens da!
Und hier kommen die Behind the Scenes zur Live Folge 🙂




