Altona 93 Analog / ein analoges Fotoprojekt aus einem analogen Stadion

Die Adolf-Jäger-Kampfbahn von Altona 93 in Hamburg ist kein modernes Fußballstadion. Keine Videowände, keine Logen, keine durchinszenierte Unterhaltung. Stattdessen: alte Tribünen, hohe Pappeln, kurze Wege und Zuschauer:innen, die direkt am Spielfeldrand stehen. Ein Stadion, das verwittert, rau und an manchen Stellen etwas improvisiert wirkt – und gerade deshalb unverwechselbar ist.

Seit 1908 trägt der Altonaer FC von 1893 hier seine Heimspiele aus. Damit ist die Adolf-Jäger-Kampfbahn, kurz AJK, das zweitälteste noch bespielte Fußballstadion Deutschlands. Doch ihre Zeit ist begrenzt: Nach mehreren Änderungen des Zeitplans soll spätestens 2029 Schluss sein. Mit meinem Langzeitprojekt »Altona 93 Analog« begleite ich die letzten Jahre dieses besonderen Ortes – analog auf den eigenwilligen CineStill-Filmen, die vor allem den Flutlichtern der AJK ihre charakteristischen Halos entlocken.

Es geht nicht nur um das Sportliche

Natürlich wird auf der AJK Fußball gespielt. Aber das eigentliche Thema meiner Bilder liegt häufig neben dem Spielfeld. Mich interessieren die Menschen auf den Rängen, ihre Gesten und Rituale. Die Meckerecke, der Zeckenhügel und die alte Haupttribüne von 1957. Ordner:innen, Bratwurstverkäufer:innen und Anhänger:innen. Hunde zwischen den Zuschauer:innen, Bierbecher auf den Mauern und der Blick durch den Zaun. Das Licht zwischen den Pappeln, Nebel über dem Rasen und Pyrorauch unter Flutlicht.

Es sind die vielen kleinen Szenen, die einen Spieltag an der Adolf-Jäger-Kampfbahn ausmachen. Einige wiederholen sich bei jedem Heimspiel, andere existieren nur für einen Augenblick. Zusammen erzählen sie von einem Stadion, das nicht bloß Kulisse ist, sondern Teil der Identität von Altona 93. Meine Fotografien sind daher keine Chronik des Vereins und auch keine Sportreportage. Sie sind eine subjektive Annäherung an einen Ort, seine Menschen und seine Atmosphäre – und an die Frage, was von ihm bleiben wird.

Warum Altona 93 „analog“?

Die Analogfotografie scheint ähnlich aus der Zeit gefallen zu sein wie die Adolf-Jäger-Kampfbahn. Beides folgt einem eigenen Rhythmus und widersetzt sich ein wenig der ständigen Beschleunigung.

Während eines Spiels sehe ich die Bilder nicht sofort. Es gibt keine Kontrolle auf dem Display und keine beliebig langen Serien. Jeder Film setzt Grenzen, jede Aufnahme verlangt eine Entscheidung. Erst Tage oder Wochen später sehe ich, was tatsächlich entstanden ist.

Für »Altona 93 Analog« fotografiere ich auf CineStill 400D und CineStill 800T. Beide Farbfilme basieren auf Kinofilmmaterial von Kodak und erzeugen eine charakteristische Bildwirkung. Besonders bei Abendspielen und unter Flutlicht entstehen intensive Farben und die typischen Lichthöfe rund um helle Lichtquellen.

Inzwischen sind viele hundert Aufnahmen mit unterschiedlichen analogen Kameras und Brennweiten entstanden. Trotzdem geht es mir nicht um die Technik. Die Kameras und Filme sind Werkzeuge, um die besondere Stimmung der AJK so festzuhalten, wie ich sie empfinde.

Das Projekt geht weiter

»Altona 93 Analog« begann als fotografische Begleitung einzelner Heimspiele. Daraus wurde zunächst eine zusammenhängende Serie und schließlich das Fotobuch „Altona 93 Analog. Aus einem Stadion vor unserer Zeit“ (Infos hier). Die Resonanz war überwältigend, alle drei Auflagen mit insgesamt 462 Exemplaren waren innerhalb eines halben Jahres vergriffen. Es berichteten unter anderem 11Freunde, ballesterer, Hamburger Abendblatt, das Magazin Fotohits und natürlich unsere AFC Stadionzeitung. Das Buchprojekt erzeugte zudem eine Spende von 600 Euro für die Nachwuchsarbeit des Vereins.

Mit der Buch-Veröffentlichung ist die Arbeit jedoch nicht abgeschlossen. Solange an der Adolf-Jäger-Kampfbahn gespielt wird, fotografiere ich weiter. Dabei wiederhole ich bewusst bestimmte Perspektiven, beobachte Veränderungen und suche gleichzeitig nach Bildern, die meiner bisherigen Sammlung noch fehlen.

So entsteht nach und nach ein analoges Archiv der letzten Jahre dieses Stadions. Neuere wie ältere Aufnahmen zeige ich seit Herbst 2026 auf Instagram unter @altona93.analog.

Über Altona 93

Altona 93 gehört zu den traditionsreichsten Fußballvereinen Deutschlands. Der Verein war im Jahr 1900 eines der Gründungsmitglieder des Deutschen Fußball-Bundes und richtete 1903 in Altona das erste Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft aus. In den 1920er-Jahren zählte die Mannschaft zu den stärksten Teams Norddeutschlands. Ihr berühmtester Spieler und Kapitän war Adolf Jäger, nach dem das Stadion später benannt wurde.

Die Geschichte allein erklärt jedoch noch nicht, was Altona 93 heute besonders macht. Entscheidend ist die ungewöhnliche Fankultur im Schatten der beiden großen Hamburger Vereine. Denn an der AJK begegnen sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenswelten. Alteingesessene Altonaer:innen stehen neben Groundhoppern, Bauwagenbewohner:innen neben Anzugträger:innen und Fans anderer Vereine neben den eigenen. Selbst Hunde gehören selbstverständlich zum Bild auf den Rängen.

Hinzu kommen Musik, Zines, Faninitiativen und die enge Freundschaft mit dem Londoner Verein Dulwich Hamlet FC. Altona 93 ist kein nostalgisches Fußballmuseum, sondern ein lebendiger Verein mit einer eigenen Haltung und einer bemerkenswert offenen Kultur.

Wer einmal ein Spiel an der Adolf-Jäger-Kampfbahn erlebt hat, verwendet danach häufig dieselben Worte: authentisch, nahbar, traditionell – oder einfach wie früher. Genau dieses Gefühl versuche ich mit »Altona 93 Analog« fotografisch festzuhalten.

Links / Zum Weiterlesen:

»Altona 93 Analog« ist ein fortlaufendes fotografisches Langzeitprojekt ohne kommerzielle Zielsetzung. Sämtliche Kosten für Filme und Entwicklung trage ich selbst. Auch mit dem Verkauf des Fotobuchs wurde kein persönlicher Gewinn erzielt; ein Teil der Verkaufserlöse floss stattdessen als Spende an die Jugend von Altona 93.
Redaktionen, Verlage, kulturelle Institutionen sowie mögliche Förder- und Kooperationspartner:innen, die Bilder aus der Serie veröffentlichen, das Projekt journalistisch begleiten oder seine weitere Entwicklung unterstützen möchten, können sich gerne bei mir melden.