Das Thypoch Simera 28mm f/1.4 II für Leica M im Review

Zum ersten Mal fiel mir der Name Thypoch im Herbst 2023 auf. Damals lief gerade die dritte Ausgabe der Hamburger Photopia – eine Messe, die sich als Nachfolgerin der 2018 eingestellten Photokina verstand. Heute wirkt das fast wie ein Rückblick auf eine andere Ära. Nicht nur, weil große Fotomessen zunehmend an Bedeutung verlieren, sondern auch, weil der Markt rund um Leica-M-Objektive damals noch ziemlich übersichtlich war: Voigtländer und Zeiss – eigentlich wars das.

Nun, es waren andere Zeiten und inzwischen ist, auch was Objektive betrifft, einiges passiert. Vor allem aus China kommt Bewegung in die Nische. Neue Hersteller drängen auf den Markt, darunter eben auch Thypoch. Und zwar mit einem echtem Fokus auf Leica M.

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Kontakt: Ich stand am Thypoch-Stand auf der Photopia, wo sie ihr allererstes Line-up präsentierten: das Simera 28mm f/1.4 und das Simera 35mm f/1.4. Es war ihr erster öffentlicher Auftritt überhaupt. Wir kamen ins Gespräch, die beiden Vertreter waren offen, freundlich – und sichtlich interessiert an jedem, der mehr als nur ein: flüchtige:r Besucher:in war. Vor allem Blogger:innen und Content-Creator:innen bekamen damals schnell Aufmerksamkeit. Sie hätten mir die Objektive am liebsten direkt in die Tasche gesteckt.

Ja, ich fand die Linsen spannend. Die optische Qualität schien vielversprechend, das Design eigenständig. Aber zwei Dinge störten mich: Erstens, dieser Infinity-Lock war so gar nicht mein Ding. Und zweitens, vermisste ich eine Griffmulde für die Fokussierung. Außerdem wirkten die Objektive recht groß. Ich habe sie also nicht direkt weiterverfolgt, aber irgendwo in meinem Hinterkopf abgelegt.

Im Frühjahr 2025 wurde es dann wieder interessant. Thypoch kündigte überarbeitete Versionen der Simera-Serie in einer IIer-Version an – nun mit klassischer Fokusmulde und ohne Infinity Lock. Außerdem – wie schon in der Ier Version – einen Schalter für klickbare Blenden. Genau mein Ding. Dazu kamen immer mehr Beispielbilder, in denen vor allem das 28er mit seinem cremigen Bokeh auffiel. Spätestens da war meine Neugier wieder voll da.

Ich schrieb Thypoch an. Wie immer freundlich, aber auch direkt, mit Verweis auf meinen Blog. Und bezugnemend auf ihr Interesse auf der Photopia. Erst via Instagram, dann per Mail über die Website, zuletzt über die alten Visitenkarten von 2023. Nichts. Keine Antwort. Ich sagte ja schon weiter oben. Es waren 2023 einfach noch andere Zeiten…

Also wartete ich. Und als schließlich die ersten Exemplare gebraucht auftauchten, habe ich mir selbst eines besorgt. Kein Testgerät, kein Pressemuster – ein ganz eigenes Exemplar. Ein Thypoch Simera 28mm F1.4 II in Silber, quasi noch unbenutzt, aber gebraucht ergattert.

Die Haptik des Thypoch Simera 28mm F1.4 II

Als im Sommer das Objektiv bei mir eingetroffen ist, fiel mir sofort auf: Das Objektiv ist super wertig gebaut, liegt gut in der Hand und fühlt sich an der Leica M11 eben nicht wie ein Fremdkörper an. Etwas groß und bulky, aber gerade noch okay. Dabei eine Gegenlichtblende, zwei Deckelvarianten und das alles in einer schönen, sehr wertigen Schatulle. Die Fokusmulde hat genau die richtige Balance zwischen leichtgängig und kontrolliert, der Blendenring lässt sich angenehm bedienen.

Thypoch Simera 28.. F1.4 II für Leica M

Auffällig gelöst ist die Schärfentiefe-Skala: Statt klassischer Gravur nutzt Thypoch kleine, rot hinterlegte Öffnungen im Tubus. Je nach eingestellter Blende und Distanz leuchten sie auf und zeigen den Bereich an, der scharf abgebildet werden soll. Ich übersehe das, denn es ist nicht so meins. Aber es stört mich auch nicht. Ingsesamt muss ich festhalten: Respekt vor der mechanischen Güte, dieses Objektiv ist haptisch wirklich einwandfrei. Einzig die Größe und die Schwere fallen wortwörtlich ins Gewicht.

Die Bildanmutung des Thypoch Simera 28mm F1.4 II

Natürlich war ich neugierig, was den Bildlook des Thypoch angeht. Also bin ich damit direkt an die Elbe. Nicht an der Leica M11, sondern an meiner Leica SL2-S. Was ein klarer Vorteil beim Fokussieren bedeutet, denn die Größe und Schwere des Thypochs passen auch super an die SL2-S.

Im Einsatz an der Elbe offenbart das Thypoch 28 mm f/1.4  II sofort, was viele an diesem Glas begeistern. Bei voll geöffneter Blende sehe ich ein wunderschönes und cremiges Bokeh, das die Hauptmotive weich vom Hintergrund trennt, ohne dass die Bilder dadurch weich oder unpräzise wirken. Besonders Portraits und Details profitieren davon, dass die Schärfe bei f/1.4 zentral sehr hoch ist, während der Hintergrund harmonisch auflöst. Es erfüllt mir alle Wünsche, die ich an solch hochlichtstarken Weitwinkelobjektiven habe. Dieser Look in 24mm, ich würde sofort eine Sammelbestellung aufgeben!

Und dann nutze ich es auch der Leica M11 und für ein paar Aufnahmen auch an der analogen Leica M7. Aber an dieser Kamera ist mir das fokussieren bei Offenblende dann doch zu heikel. Warum heikel? Nicht nur wegen des Treffens der Schärfepunkte. Denn da die M7 nicht kürzer als 1/1000 belichten kann, ist das auch schwierig, wenn Du keinen ND Filter dabei hast.

Aber unabhängig davon merke ich, dass mir das Thypoch 28mm F1.4 II eine Idee zu groß für die M Kameras ist. Und daher habe ich nach einem kurzen Honeymoon wieder ausschließlich zu meinem Immerdrauf, dem Voigtländer Ultron 28mm F2 II gegriffen. Ich habe dieses Glas inzwischen schon vier Jahre und nach wie vor ist es mein mit Abstand meistgenutztes Glas. Es durfte mich bisher unter anderem nach Japan, Indien, Pakistan und Südafrika begleiten. Auch in Istanbul, Neapel, Berlin und natürlich in Hamburg ist es ausführlich im Einsatz gewesen. Lest gerne hier einmal rein, wenn Ihr mehr zu meinem Voigtländer Immerdrauf lesen wollt!

Mein Urteil

Ein Wort noch zum Preis, schließlich denken wir bei Leica Linsen direkt an den großen Geldbeutel. Für die neue Version des Thypoch Simera 28mm F1.4 II werden derzeit zwischen 620 und 700 Euro fällig, etwas Suchen lohnt sich. Es ist damit ein echter Preis-Leistungssieger. Das von mir erwähnte Voigtländer Ultron 28 F2 II liegt neu bei 849 Euro und sogar das kleine schnuckelige Voigtländer Color Skopar 28 F2.8 bei 650 Euro. Auch Zeiss ruft mit dem Biogon 28 F2.8 mit etwa 900 Euro mehr auf, ganz zu schweigen von den Leica Varianten, die schon im deutlich vierstelligen Bereich liegen. Preismäßig ist meine Empfehlung damit klar: Greift zum Thypoch!

Für mein persönliches Urteil fällt allerdings erschwerend ins Gewicht, dass ich bereits ein Lieblings-28er habe und dass ich bei dieser Brennweite keine Lichtstärke von 1.4 benötige. Hinzu kommt, dass das Thypoch von der Größe her eher ein Glas für meine Leica SL2-S ist als für meine Leica M. Ja, das Bokeh bei f/1.4 hat mir richtig gut gefallen und in vielen Situationen zu Ergebnissen geführt, bei denen ich dachte: „Ja, genau so wollte ich es.“ Dennoch bleibt für mich das leichte, kompakte und insgesamt unaufgeregtere Paket des Voigtländer Ultron 28 mm F2 mein Favorit für den täglichen Einsatz. 

Und genau daher biete ich das Thypoch Objektiv auf Kleinanzeigen an. Wenn Du interessiert bist, dann schreib mir!

Wenn Du keine Alternative hast und die Größe nicht ganz die Rolle spielt: Eigentlich ist es das perfekte Objektiv! Offenblendig eine Creme/Bokeh-Weltmeister. Etwas geschlossen ohne jedwede Einschränkung – auch wenn ich keine Nitty-Gritty-Verzeichnungsanalyse gemacht habe! Das Thypoch 28 in der II-Version kommt mit meiner (fast) uneingeschränkten Empfehlung! Mit einem klasse Preis-Leistungsverhältnis!

Thypoch und weitere Objektive

Thypoch hat das Sortiment inzwischen deutlich ausgebaut und bietet schon eine breite Range an Brennweiten und Typen an. Die Simera Serie mit der Lichtstärke 1.4 gibt es für 21, 28, 25, 50 und 75mm. Eureka (28, 50) und Ksana (21) sind die kompakteren Varianten. Dabei sind zumindest einige Simera-Objektive nicht nur auf Leica M beschränkt, sondern auch für Canon RF, Nikon Z, Sony E und Fuji X erhältlich. Ich denke, da wird sich auch in Zukunft noch einiges tun, schaut auf jeden Fall mal bei Thypoch vorbei. Auch ich werde die Neuerscheinungen verfolgen, denn was da kommt, ist wirklich super spannend!

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10 Gedanken zu „Das Thypoch Simera 28mm f/1.4 II für Leica M im Review“

  1. Moin Florian,
    ich möchte mich wieder einmal bei dir für deinen tollen Blog-Beitrag bedanken und auch dafür, dass du dir das Thyopoch Simera 28mm 1.4 vorgeknöpft hast.
    Ich habe mir das Objektiv in der Version 1 ebenfalls gebraucht gekauft, an meine M10 geschraubt und war anfangs begeistert von dem Bildlook. Allerdings ist mir das Thypoch an meiner M einfach zu klobig, da nutze ich lieber das winzige Elamrit und begnüge mich mit der Blende 2.8.
    An meiner SL2s sieht die Sache schon etwas anders aus, aber ich mag an der Kamera lieber Objektive mit Autofokus.
    Zur Zeit nutze ich es an meiner Fuji x-t5. Die 28mm werden zu (ungefähr) 40mm und da gefällt mir der Bildlook bei offener Blende richtig gut.
    Ich denke, mein Thypoch wird in naher Zukunft wieder gehen dürfen. Ich freue mich jedoch, dass es immer mehr ambitionierte Hersteller wie Thypoch gibt, die hervorragende Objektive für die Leica M Kameras herstellen.
    Sollte es irgendwann ein 24mm 1.4 von Thypoch geben (Hallo Alan Schaller und Paul Ripke😉), dann werde ich bestimmt wieder schwach!
    Viele Grüße,
    Ole

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    • Danke Dir Ole für Deine Rückmeldung.
      Du hast ja ähnliche Erfahrungen gemacht, auch Du findest es an der M zu klobig und fotografierst damit lieber an der SL2s. Es ist leider einfach etwas zu groß geraten… Hoffen wir mal auf ein 24er, irgendein Dritthersteller sollte sich da mal dran wagen 😉
      Viele Grüße, Florian

      Antworten
  2. Hallo Florian,
    an deinem Review fehlt mir eine Einschätzung zum Preis im Vergleich zu den anderen von dir erwähnten Objektiven. Auch wenn sich das mancher scheinbar nicht vorstellen kann, es ist nicht jeder in der Lage die wirklich horrenden Preise für Leica Optiken zu zahlen und dann ist der Preis ein wichtiges Kriterium, sofern die sonstige Qualität ordentlich ist.
    Viele Grüße Peter

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  3. Hallo,

    vielen lieben Dank für das Review. Es bestätigt meine Erfahrungen, auch wenn ich mich anders entschieden habe. Ich hatte das Ultron 28mm F2 und das Simera 28mm II beide bestelltund eines musste wieder gehen.

    Am Ultron ist das Gewicht und die Größe unschlagbar. Die CAs und Vignette aber leider auch. Mir haben dann beim direkten Vergleich die Fotos aus dem Simera besser gefallen, auch wenn es schon sehr groß ist für eine Messsucherkamera, da gebe ich dir recht. Auch der Kurze Stop bei 0,7m beim Fokkusieren ist beim Messsucher praktisch, bei einer digitalen Kamera mit Adapter genutzt allerdings etwas nervig. Da hätte ich mir eine Möglichkeit zum Ausschalten des Stops gewünscht, so wie sie es mit der Declickbaren Blende gelöst haben.

    Trotzdem erstaunlich, was es für eine tolle Qualiät hat für den aufgerufenen Preis. Habe meines als Kundenrückläufer für 500€ bekommen. Da liegt das Ultron nochmal etwa gute 100€ drüber als Rückläufer. Von daher bin ich sehr zufrieden mit dem Simera und werde mir irgendwann auch mal das 75mm ansehen.

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  4. Hallo Florian,
    tolles Review – vielen Dank dafür!
    Ich nutze sowohl das 28 mm f/1.4 als auch das 35 mm f/1.4 an der Nikon Zf und bin insgesamt sehr zufrieden. Darstellung und Bildqualität sind wirklich top.
    Was mir allerdings fehlt, ist der Entfernungsring, auf dem man erkennen kann, in welchem Bereich das Objektiv bei den verschiedenen Blendenstufen scharf stellt – gerade im Street-Bereich für mich ein Muss.
    Zum Gewicht und zur Größe: klar, kein Leichtgewicht. Aber die Zf ist es ja auch nicht – und das Simera passt perfekt dazu.

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    • Hallo Frank, kann ich nachvollziehen, ich finde diese Farbregelung bei der Entfernungsmessung eigenwillig, aber man kann die Entfernung schon ablesen. Es soll wohl einfach unique sein zu allen anderen Herstellern/Objektiven schätze ich. So richtig gestört hats mich allerdings auch nicht.
      An der Nikon ZF werden beide Objektive aber besser ausbalanciert sein als an der Leica M?
      Viele Grüße, Florian

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